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Three-way conversations
Piano trios by Victor Kissine and Peter Tchaikovsky

It's a paradoxical situation: Mozart and Beethoven, Schubert and Mendelssohn, Schumann and Brahms all honoured the genre of the piano trio by writing works which should not rightly be called "piano trios". Rather than accepting the supremacy of the keyboard over the string instruments explicit in the very term 'piano trio', the composers instead wanted a three-way conversation among equals in which the highly contrasting instrumental timbres coalesced at a higher level. And they achieved that by liberating the cello from its ancient function as a continuo instrument and giving the violin the brilliance that had earned it pride of place among solo instruments ever since the 18th century, even in the concerto.

Another member of this company of great composers who granted instrumental parity to the trio with piano, violin and cello was Peter Ilyich Tchaikovsky in his only piece of chamber music for this combination of instruments: the Trio in A minor, op. 50. This scrupulous composer, who was never convinced of his compositional prowess despite having already achieved huge acclaim with quite different musical difficulties (symphonies, piano concertos, operas and ballets), hesitated for a long time before venturing onto this terrain. To the hyper-sensitive Tchaikovsky, the combination of piano and string instruments was, as he once put it in a letter to his lifelong benefactress Nadezhda von Meck, something unnatural, for each instrument had to sacrifice its distinctive charm.

Nevertheless, Tchaikovsky convincingly surmounted this compositional problem. More than that, in his op. 50 he found a different way to resolve the paradox that composers from Mozart to Brahms had ferreted out and overcome – namely, he gave his work an almost orchestral garb. The mastery he had gained in the symphony served him in good stead in his chamber music, where the orchestral richness of the piano is offset by the wealth of colours and dynamic extremes of the string instruments. To be sure, this sort of timbral emancipation comes off especially well when played by musicians of the stature of Gidon Kremer (violin), Giedrė Dirvanauskaitė (cello) and Khatia Buniatishvili (piano), who impressively employ all the exuberance and verve of their respective instruments while staying finely attuned to their fellow performers. Here they do this in a work that bursts the boundaries of its form, with the wistful first movement augmented by a huge set of variations split into two large sections.

Such liberating and yet poised ensemble playing also redounds to the benefit of Zerkalo (Mirror), a trio composed by Victor Kissine in 2009 for the same combination of instruments. Kissine hails from St Petersburg and first came to notice with a scandalous operatic setting of Peter Weiss's play Marat-Sade before acquiring a reputation for chamber music. His trio, interpreted with consummate mastery by Kremer and his colleagues Dirvanauskaitė and Buniatishvili, is a sensitively balanced, almost intimate, yet technically demanding amalgam of the instruments' iridescent timbres – an amalgam which, however, can soar to dynamic escalations on a gigantic scale and is very close to the emotional universe of that Russian man of sorrows, Tchaikovsky. Kissine, a longstanding friend of Gidon Kremer, was inspired by two lines from Anna Akhmatova's "Poem without a Hero", though the resultant piece of music does not depend on external programmes. It turned into one of his most tight-knit and timbrally resplendent creations, pressing forward into barely perceptible acoustical realms that demand precisely the quality these three musicians have in common: telepathic empathy.

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Gespräche zu dritt
Klaviertrios von Victor Kissine und Peter Tschaikovsky

Eine paradoxe Situation: Mozart und Beethoven, Schubert und Mendelssohn, Schumann und Brahms haben das Genre des Klaviertrios mit ihren Werken geadelt, indem sie es ad absurdum geführt haben. Denn die Dominanz des Tasteninstruments gegenüber den beiden Streichinstrumenten, die schon in der Bezeichnung Klaviertrio zum Ausdruck kommt, haben diese Komponisten von vorneherein nicht akzeptiert. Sie wollten ein gleichberechtigtes Gespräch zu dritt, bei dem die stark kontrastierenden Klangfarben der so unterschiedlichen Instrumente aufgehoben werden. Wie konnte das gelingen? Indem man das Cello von seiner überkommenen Funktion als Generalbassinstrument befreit und der Geige jene Brillanz verleiht, die ihr auch in der Konzertliteratur einen ersten Platz unter den Soloinstrumenten seit dem achtzehnten Jahrhundert eingebracht hat.

In diese Riege großer Komponisten, die dem Trio mit Klavier, Violine und Violoncello jene instrumentale Gleichberechtigung zugestanden haben, gehört auch Peter I. Tschaikovsky mit seinem Trio a-Moll op. 50, seinem einzigen Kammermusikwerk in dieser Besetzung. Allerdings hat der skrupulöse, sich seiner kompositorischen Sache nie sicher wähnende Komponist, der damals bereits überwältigende Erfolge mit ganz anderen musikalischen Schwergewichten wie Sinfonien, Klavierkonzerten, Opern und Balletten errungen hatte, lange gezögert, bis er sich auf dieses Wagnis einließ. Denn für den hypersensiblen Komponisten war die Verbindung von Klavier und Streichinstrumenten, wie er es einmal seiner lebenslangen Freundin Nadjeshda von Meck gegenüber ausdrückte, etwas Unnatürliches, weil jedes Instrument dabei den ihm eigentümlichen Reiz verliere.

Die Bewältigung des kompositorischen Problems ist ihm dennoch auf überzeugende Weise gelungen. Mehr noch: Sein Trio op. 50 hat auf andere Weise das Paradoxon bewältigt, das andere Komponisten von Mozart bis Brahms gespürt und aufgelöst haben: durch quasi orchestralen Gestus. Denn die Meisterschaft des Sinfonikers kommt hier auch dem Kammermusiker zugute, die orchestrale Fülle des Klaviers wird durch Klangfarbenreichtum und dynamische Extreme der Streichinstrumente ausgeglichen. Freilich gelingen solche klanglichen Emanzipationen vor allem dann, wenn Instrumentalisten von Rang sich diesen Werken annehmen – wie Gidon Kremer, Violine, Giedrė Dirvanauskaitė, Cello und Khatia Buniatishvili, Klavier, die auf beeindruckende Weise alle überbordenden Triebkräfte ihrer Instrumente zu nutzen verstehen, aber auch mit feinem Ohr auf die Mitspieler eingehen; und dies bei einem Werk, das auch formal den Rahmen sprengt und dem wehmütig anhebenden ersten Satz einen einzigen, allerdings gigantischen Variationensatz in zwei Teilen nachschiebt.

Solch befreiendes und zugleich in sich ruhendes Miteinander kommt auch dem Trio „Zerkalo“ (Spiegel) für dieselbe Besetzung von Victor Kissine aus dem Jahr 2009 zugute. Kissine stammt aus Sankt Petersburg und ist zunächst mit seiner zu Sowjetzeiten noch einen Skandal auslösenden Marat-Sade-Oper nach Peter Weiss hervorgetreten, bevor er sich mit Kammermusik Reputation erwarb. Auch sein Trio, auf souveräne Weise von Kremer und seinen beiden Kolleginnen Dirvanauskaitė und Buniatishvili interpretiert, ist ein fein ausgehorchtes, nahezu intimes, gleichwohl technisch überaus anspruchsvolles Wechselspiel der Instrumente in ihren oszillierenden Klangfarben, das sich allerdings auch zu dynamischen Steigerungen ungeheuren Ausmaßes aufschwingen kann und dem emotionalen Gestus des russischen Schmerzensmannes Tschaikovsky sehr nahe steht. Kissine, seit langem schon mit Gidon Kremer befreundet, hat sich für das Werk von zwei Versen der Dichterin Anna Achmatova aus dem „Poem ohne Held“ inspirieren lassen, dabei aber kein von äußeren Programmen abhängiges Werk geschaffen. Es ist eines seiner dichtesten, klanglich reichsten Werke geworden, das in jene Bereiche des akustisch fast nicht mehr Wahrnehmbaren vordringt, in denen etwas gefordert ist, was gerade diese drei Interpreten verbindet: somnambules Musikverständnis.

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