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About ECM

Eine Reise durch die Zeiten, Räume und Gefühlszustände: Von Bach über Webern bis zu zwei eigenen Stücken Thomas Demengas, von Georgien über Wien nach New York, von Gaspar Cassadós „Danse du diable vert“ bis zu Franz Liszts „Trauergondel“. Mit Chonguri erfüllt sich Thomas Demenga den lang gehegten Wunsch eines unkonventionellen Zugaben-Programms. Dabei schafft der Schweizer Cellist einen dramaturgischen Spannungsbogen, der folkloristische, nostalgische und abstraktere Tonfälle in einen überraschenden Austausch miteinander treten lässt.

2002 erschien bei ECM die letzte Folge von Demengas viel gelobtem Bach-Zyklus, der den sechs Suiten für Violoncello solo jeweils Werke zeitgenössischer Kammermusik von Komponisten wie Holliger, Carter, Veress oder Bernd Alois Zimmermann an die Seite stellte. Auch in seiner Zusammenstellung kurzer Stücke sucht er nun nach erhellenden Konstellationen und überraschenden Wechselwirkungen. Wie er in seiner Notiz zu dieser Aufnahme bemerkt, gilt seine besondere Aufmerksamkeit dabei dem „Niemandsland der Epochen“ und den „Zwischenräumen“ zwischen den kompositorischen Handschriften: Genau getimete Pausen zwischen den einzelnen Tracks und sorgfältig gefügte harmonische Anschlüsse, die die Tonalität möglichst beibehalten oder zu verwandten Tonarten überleiten, versetzen das Hören in eine schwebende Bewegung über die Grenzen der einzelnen Stücke hinweg.

Noch ungewöhnlicher als die atonalen „Drei kurzen Stücke“ Anton Weberns, die sich genau im Zentrum des Programms finden, nehmen sich in diesem Zusammenhang sicherlich die vier Choräle aus dem Orgelbüchlein und der Sammlung der Schübler-Choräle von Bach aus. Demenga hat sie selbst behutsam für Cello und Akkordeon bearbeitet. Alle von ihnen verbinden sich wie die Titel unmittelbar erkennen lassen dem Leitmotiv des Albums als Ganzes: Es geht um Abschied und Tod, um Daseinsmüdigkeit und Erlösungshoffnung. Der Klang von Teodoro Anzellottis Akkordeon hält die Erinnerung an die Orgel wach, während er die Musik gleichzeitig nostalgisch entrückt.

Trotz aller konzeptionellen Sorgfalt ist „Chonguri“ auch eine Sammlung persönlicher Lieblingsstücke Thomas Demengas: Zu diesen zählen seine eigenen beiden Kompositionen ebenso wie die drei Stücke von Fauré oder die beiden Chopin-Nocturnes. Der Georgier Sulkhan Tsintsadze dagegen ist auch für Demenga eine Neuentdeckung: Tsintsadze (1925- 1992), der seine Karriere in den vierziger Jahren als Cellist des staatlichen Streichquartetts begann, gilt als einer der bedeutendsten Komponisten seines Heimatlandes im 20. Jahrhundert. Sein Œurvre umfasst unter anderem zwei Opern, fünf Sinfonien und zwölf Streichquartette. Kaum etwas davon ist im Westen bisher bekannt geworden. Das kurze Stück für Violoncello solo, das diesem Album seinen Titel leiht, imitiert mit seinem akkordischen Pizzikato den Klang der traditionellen Langhalslaute aus Georgien.

Thomas Demenga, 1954 in Bern geboren, studierte bei Antonio Janigro, Leonard Rose und Mstislav Rostropovich. Wichtige kammermusikalische Impulse erhielt er an der New Yorker Juilliard School von Claus Adam, Felix Galimir und Robert Mann. Seit 1980 ist er Professor an der Basler Musikhochschule; im Jahre 2000 wurde er zum künstlerischen Leiter des Davos Festivals „Young Artists in Concert“ berufen. Als Kammermusiker und Solist konzertiert Demenga regelmäßig bei den wichtigen Festivals und in den bedeutenden Konzertsälen der Welt. Er setzt sich intensiv mit Neuer Musik auseinander und hat eine Reihe von Werken uraufgeführt. Dabei finden auch seine eigenen Kompositionen stetig wachsende Aufmerksamkeit: Für den Herbst 2007 hat das Orchestre de Chambre de Lausanne ein Werk für zwei Celli und Orchester bei Demenga in Auftrag gegeben. Seit den achtziger Jahren nimmt der Musiker für ECM auf. Die vorliegende Einspielung ist seine neunte Veröffentlichung für das Münchener Label. Demenga spielt ein Instrument der Gebrüder Antonio und Girolamo Amati aus dem Jahre 1595.

Der Pianist und Komponist Thomas Larcher, geboren 1963 in Innsbruck, gilt als einer der vielseitigsten Interpreten unserer Zeit und als intimer Kenner sowohl des Solo- als auch des Kammermusikrepertoires. Von 2001 bis 2004 leitete er eine Klavierklasse an der Musikhochschule Basel. Bei ECM New Series legte er ein Programm mit Klavierstücken von Schubert und Schönberg vor sowie Aufnahmen an der Seite von Künstlern wie Michelle Makarski, Thomas Zehetmair und Heinz Holliger. Seit vielen Jahren ist er einer der engsten musikalischen Partner Thomas Demengas: Bei ECM sind die beiden Künstler auf einem Doppelalbum mit Werken von Bach, Hosokawa und Yun gemeinsam in Erscheinung getreten. Thomas Larchers Debüt-Aufnahme als Komponist unter dem Titel „Naunz“ brachte sie mit dem Geiger Erich Höbarth zusammen. Im Herbst 2006 veröffentlicht ECM eine CD mit weiteren Kammermusikwerken Larchers; auch hier ist, neben Musikern wie Christoph Poppen und dem Rosamunde Quartett, wiederum Thomas Demenga vertreten.

In Apulien geboren, zählt Teodoro Anzellotti zu den maßgeblichen Erneuerern der Akkordeontechnik und hat das zeitgenössische Repertoire für sein Instrument entscheidend geprägt. In direkter Zusammenarbeit mit den Komponisten hat er bisher über 300 Werke uraufgeführt. Anzellotti unterrichtet seit 1987 an der Hochschule der Künste in Bern und seit 2002 an der Musikhochschule Freiburg im Breisgau. Bei ECM war er bisher auf Heinz Holligers „Beiseit / Alb-Chehr“ sowie auf der letzten Folge von Thomas Demengas Bach-Zyklus zu hören.

24-seitiges illustriertes Booklet mit einer kurzen Notiz des Interpreten und einem Essay von Anselm Cybinski jeweils in deutscher und englischer Sprache

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