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About ECM

"A most impressive new group. Their clear and unforced voices, with superb control of intonation and blend of tone, combine with an obvious musical intelligence, as evidenced by their ability to shape a musical line and give structure to a piece.
Others have tried to reinterpret the medieval repertoire for soprano voices, but none as successfully as this young group."
- Early Music Review


Words Of The Angel ist das erste Album eines außergewöhnlichen Gesangstrios aus Norwegen. Das Trio wurde 1997 in Oslo von Linn Andrea Fuglseth gegründet. Mit den anderen beiden Sängerinnen begann sie Werke des Mittelalters zu singen, und schon wenig später besuchten sie die Sommerschule des Hilliard Summer Festival in Cambridge. Der Hilliard-Tenor John Potter, Produzent der vorliegenden Aufnahme, erinnert sich: „Schon damals besaß das Ensemble eine besondere Kreativität und ein charakteristisches Klangbild, das sich bei den wiederholten Besuchen in den beiden folgenden Jahren noch weiter herausbildete.

Auch sein Repertoire erweiterte sich in dieser Zeit: Zu der mittelalterlichen und norwegischen Musik, die das Trio mit außergewöhnlichem Elan vortrug, kamen beachtlich viele zeitgenössische Kompositionen hinzu. Mittelalterliche Musik ist traditionell eine Männerdomäne, und das zweischneidige Schwert der Authentizität hat es Frauen erschwert, sich diese Musik zu eigen zu machen. Dieses Dilemma löst die Formation, indem sie die Musik singt, als handelte es sich um zeitgenössische Werke. Die intensive Klarheit und Lebendigkeit, mit der das Trio musiziert, entschädigen für das Versehen der Geschichte, die den Frauen eine Teilnahme an der ersten Aufführung verweigerte. Da diese Musik nicht von Frauen gesungen wurde, ist die Klangwelt, die wir mit dieser Aufnahme beschreiten, eine imaginäre, basierend auf der Frage: ‚Was wäre wenn...‘“.

Das zentrale Stück des Albums ist die Messe von Tournai, eine im 19. Jahrhundert wiedergefundene, als vollständiger Zyklus erhaltene Messe aus dem frühen 14. Jahrhundert. Heute geht man davon aus, dass die Messe nicht von einer Person komponiert wurde, sondern eine Sammlung verschiedener bereits vorliegender Messteile ist, die zu einem vollständigen Zyklus zusammengestellt wurden. Dazu John Potter im Textheft: „Aufgrund ihrer Stilistik scheinen das Kyrie, das Sanctus und das Agnus Dei den drei anderen Sätzen zeitlich voranzugehen; sie wurden wahrscheinlich im späten 13. Jahrhundert komponiert. Das Gloria, das Credo und das Ite missa est zeigen die freieren Rhythmen und die entwickeltere Dreiklangsharmonik der Ars nova.“

Die einzelnen Teile der Messe, bei der es sich nicht um eine einheitliche Komposition handelt (Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus, Agnus Dei und Ite Missa est), werden auf dem Album nicht nacheinander angeordnet, sondern von verschiedenen Sequenzen, Motetten und einstimmigen Laude unterbrochen. Obwohl an den Charakter des Gottesdienstes angelehnt, treten die Stücke aber auch in ihrer Unterschiedlichkeit und in ihrem Sammlungscharakter hervor. Unter den anderen Stücken auf diesem Album sind besonders drei aus England hervorzuheben, die wahrscheinlich nur überliefert wurden, weil sie auf der Rückseite eines Finanzdokumentes standen, welches mehr wegen seiner fiskalischen Bedeutung als wegen der Musik aufbewahrt wurden.

Die verschiedenen Laude auf dem Album werden einmal von den drei Sängerinnen unisono, aber auch je eine von den Sängerinnen einzeln gesungen: „es gibt dem Hörer die Möglichkeit, die Stimmen einzeln zu hören, und sie später in den verschiedenen Stücken wiederzuerkennen.“ (Linn).

In der Sommerschule des Hilliard Ensembles ist das Trio erstmals mit Komponisten der Gegenwart zusammengetroffen. Ivan Moody fragte sie schon, nachdem er sie das erste Mal bei einem Konzert des Festivals in Cambridge gehört hatte, ob er ein Stück für sie schreiben dürfe. Diese auf einer griechisch-orthodoxen Textvorlage beruhende Komposition ist die erste, die jemals für die Gruppe geschrieben wurde, und das einzige zeitgenössische Stück auf der CD. Seitdem haben viele Komponisten aus verschiedenen Ländern für die Gruppe geschrieben, so dass Musik der Gegenwart heute neben der mittelalterlichen und der norwegischen Musik einen gewichtigen Teil des Repertoires des Trio ausmacht.


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Linn Andrea Fuglseth wurde 1969 in Sanderfjord, Norwegen, geboren. Von 1994-95 studierte sie an der Guildhall School of Music & Drama in London, erhielt dort ihr Diplom in Advanced Solo Studies in Alter Musik und vervollständigte ihre Ausbildung 1997 an der Norwegischen Musikhochschule in Oslo, wobei sie sich auf die Interpretation von Barockmusik spezialisierte. Ihre Gesangslehrer waren unter anderem Mary Nichols, Emma Kirkby, Nancy Argenta, Barbro Marklund und Theresa Goble. Linn ist eine erfahrene Ensemblesängerin und -leiterin und war Mitglied bei den Grex Vocalis und den I Madrigalisti di Oslo, die von Carl Høgsted geleitet werden. Sie gründete die Christiania Camerata, ein Sextet, welches 1996 zwei erste Preise in Tolosa, Spanien errang. Linn Andrea Fuglseth gründete das Trio Mediaeval 1997 und arrangiert Musik für die Gruppe.

Torunn Østrem Ossum wurde 1964 in Namsos, Norwegen geboren. Sie absolvierte eine Ausbildung in Kleinkindpädagogik mit Spezialisierung auf Musik und Theater. 1983-84 studierte sie Gesang bei Svein Bjørkoy am Rønningen County College in Oslo. Torunn hat umfangreiche Erfahrungen als Ensemblesängerin und war sieben Jahre Mitglied des Osloer Kammerchors Con Spirito, welcher von Helge Birkland geleitet wurde. Seit 1991 hat sie, auch als Solistin, mit den Grex Vocalis gesungen.

Anna Maria Friman wurde 1972 in Göteborg (Schweden) geboren. Sie studierte bei Linda Hirst am Trinity College of Music in London, nachdem sie ihre Studien für Gesang in Oslo am Barratt Due Musikinstitut beendet hatte. Ihre Lehrer waren unter anderen Thornjørn Lindhjem, Aase Nordmo Løvberg und Knut Johnessem. Neben ihren Studien trat Anna Maria regelmäßig als Solistin in verschiedenen Messen, Oratorien, Kantaten und zeitgenössischer Musik auf. Sie hat auch in Konzerten und Aufnahmen des von Grete P. Helgerød geleiteten Norwegian Soloists Choir mitgewirkt.

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Ivan Moody wurde 1964 in London geboren und studierte Komposition bei Brian Dennis und John Tavener. Liturgische Gesänge und der Glauben der Orthodoxen Kirche, der er angehört, beeinflussten seinen Kompositionsstil wesentlich. Das Hilliard Ensemble wurde früh auf sein Werk aufmerksam und nahm schon früh seinen Canticum canticorum „I around the World“ in ihr Programm auf (vgl. „A Hilliard Songbook“, ECM New Series 1614/15). 1993 wurde sein Oratorium „Passion and Resurrection“ von John Potters Gruppe Red Byrd zusammen mit dem Estonischen Philharmonischen Kammerchor unter Tonu Kaljuste uraufgeführt. Moodys Zyklus „Endechas y Canciones“ entstand ebenfalls für das Hilliard Ensemble und wurde von dem Ensemble für das Hilliard Songbook aufgenommen.

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