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About ECM

Of all the words in music's vocabulary, one of the commonest is "farewell." Many of the world's greatest songs are addressed to the departing: the recently dead, lost lovers, missed opportunities. Music speaks of these things as memory speaks, makes us aware both of distance and of remaining closeness. Nothing is lost, music says: it is here. But also: it is here only because it cannot come back. ... When it addresses leave-taking specifically, it has terms that include some of the oldest in the Western tradition. A four-note scalewise descent in the minor mode has been an image of lament since the Renaissance, and perhaps it accounts for the atmosphere of sadness that often gathers around minor-key harmony. A final cadence, particularly in slow music, can also sound like a valedicition, because this is the point at which music not only expresses passing but itself recedes.This vanishing and this eternal presence have been the Ukrainian composer Valentin Silvestrov's persistent topics through the last three decades, since he was in his 30's and, like his Soviet contemporary Arvo Pärt, heard the past sounding through the gaps in modernism. ...At the opening of the First Quartet, for instance, there are the falling phrases and the omnipresent cadences that convey appeased grief, all at a very relaxed tempo and in a harmonic ambience as straightforward as that of a folk song. The Barber Adagio is only a step away. But then the picture begins to cloud. An expected harmony does not arrive and cannot be found. The instruments start slowly circling because they cannot think what else to do. Inexplicable dissonances creep in. The music seems to be losing its way, and eventually it just comes to a sounding stop on a sustained soft discord, fading into toneless whispers.There is an effort here to refresh aged notions. Because Mr. Silvestrov's turns of phrase are never quite completed - or because any completion sounds partial and tentative - they reach to some extent from the realm of the borrowed to speak firmly and newly. And they help themselves do so both by taking on novel timbres ( the vibratoless sounds of the quartet) and by extending a strong appeal to their performers (an appeal to which a particularly powerful, rich and vital response comes from the cellist Anja Lechner and the pianist Silke Avenhaus in two works).
Paul Griffiths, The New York Times

Heute gehört Silvestrov weit über den Insiderkreis hinaus zu den anerkanntesten Tonschöpfern aus dem osteuropäischen Raum - und zu den interessantesten dazu. Jede Art von Dogmatik ist ihm fremd. Silvestrov zählt zu jenen Vertretern der Avantgarde, deren Musik aus der Stille kommt. Musik, die sich vorantastet, in der Pausen so wichtig sind wie Töne. Musik aus Klängen, die fragend aufscheinen und gleich wieder verglimmen. Musik wie Klangfetzen, die vorüberziehen. Klänge wie Erinnerungen - zart und fern zugleich. Klänge für Zuhörer, die bereit sind, sich der Ruhe dieser anspruchsvollen Musik auszusetzen und in die Welt dieser meditativen Klangbilder einzutauchen.
Jürgen Seeger, Bayerischer Rundfunk CD-Tipp

Eine eigene Welt: kontemplativ, verinnerlicht, intensiv. Der Kiewer Komponist Silvestrov scheint mit ganz wenigen musikalischen Zeichen auszukommen, die er immer wieder in neue Klanglandschaften hineinsenkt. Es sind schlichte Dur-Akkorde, schüchterne Blicke auf Vergangenes, flirrende Umspielungen.
Reinhard Schulz, Neue Musikzeitung

Valentin Silverstrov's brand of musical post-modernism is a more literal one than most. It initially involved an act of voluntary disarmament, as he once put it, when he set aside the trappings of modernism that he had explored as thoroughly as any of his colleagues in the Soviet Union and with a considerable degree of notoriety in his native Ukraine. It also involved, and still involves, an exploration of music "after the death of music". What we seem to hear from him is not real music at all but echoes from some psycho-acoustic pond first stirred into life decades or centuries ago. The Fifth Symphony is the finest example of this Postlude manner, but all the chamber works on this excellent ECM disc are worthy companion pieces. The Cello Sonata was composed in 1983, in the aftermath of the Fifth Symphony, and revisits its characteristic images of oscillation and evanescent melodic beauty, discovered somewhere beyond the ugliness of the real world. ... The First String Quartet of 1973, another single-movement structure of similar length, is comparable gripping. From its familiar-seeming triadic opening the music flutters, nearly expires, and rears up again in Janácekian flurries before finding its psychic equilibrium. ... Bathed in more generous ambience than the Sonata or the Quartet, the Postludes of 1981-82 are like fragments of music you might recall in a clairvoyant moment before death ... Silvestrov's own rendition of Hymn 2001 offers a fascinating glimpse into the performing style he has in mind - everything delivered in a shadowy undertone and heavily pedalled. It makes a fitting conclusion to a beautiful, yet far from unchallenging programme.
David Fanning, International Record Review

Da schreibt jemand eine Musik, die mit wenigen Tönen und Figuren auskommt, harmonisch gebunden bleibt, nur einige, beinahe unscharfe Dissonanzen zulässt, die dem Hörer eher als Farben denn als Störung erscheinen - ein solcher Tonsetzer mag das Feindbild für die Gralshüter Neuer Musik abgeben. ... Silvestrovs erstes Streichquartett, Mitte der 1970er Jahre entstanden, kennt durchaus reine Dur-Dreiklänge, die jedoch mit atonalen Trübungen gekreuzt, konterkariert werden; eine Dialektik, die schließlich dramatisch kulminiert. Gerade hier zeigt sich, welch hohe Qualität sich das Rosamunde Quartett inzwischen erspielt hat, welche Farbigkeit es gestalten kann. Auch die anderen Stücke zeigen reiche Valeurs, etwa die in weiten Bögen ausschwingende Sonate für Cello und Klavier - wunderbar gestaltet von Anja Lechner und Silke Avenhaus.
Tilman Urbach, Fono Forum

Ein wahrhaft hinreißendes und von Energie getragenes Zwiegespräch entfaltet sich in der Cellosonate von 1983 zwischen den unglaublich sensibel aufeinander reagierenden Musikerinnen (Anja Lechner und Silke Avenhaus). Diese Musik verströmt eine derartige Wärme und Intensität, dass man meint, keinem ehrfurchtgebietenden Kunstwerk gegenüberzustehen, sondern an der konzentrierten und kreativen Atmosphäre in der Festeburgkirche in Frankfurt am Main teilzuhaben - denn dort fanden in Zusammenarbeit der durchweg glänzend musizierenden Instrumentalisten vom Rosamunde Quartett und Valentin Silvestrov selber die Aufnahmen für diese neue CD statt. Fünf kammermusikalische Werke aus den Jahren 1974 bis 1983 sowie die vom Komponisten interpretierte, in traumverlorenem Ton dem großen russischen Dichter Ossip Mandelstam gewidmete "Hymne 2001" für Klavier sind darauf zu hören - und zu genießen, so man freilich solch kühn-charmante Gestrigkeit heute noch ertragen kann.
Anja Lachmann, Musik & Theater

Valentin Silvestrov gehörte in der ehemaligen Sowjetunion zur experimentierfreudigen, unabhängigen "Avantgarde von Kiew" und war dann einer der Ersten, welche eine spezifisch russisch-ukrainische Postmoderne schufen. In der Musik der Vergangenheit geht er auf Spurensuche. Vorgefundenes, das ihn bewegt, wird umgeschmolzen in ein Neues. Es verweist auf das Gewesene, seine Atmosphäre, seine Substanz und steht doch in einem neuen Zusammenhang. So entstanden seit den siebziger Jahren weniger polystilistische Gebilde als Bündelungen von Andeutungen zeichenhafter Inhalte. Beispielhaft geschah dies im Streichquartett No. 1 von 1974. Assoziationsreich, bildhaft ist sein Ton. Und unverkennbar eigen. Die Klangereignisse werden für den gegenwärtigen Augenblick inszeniert, und selten kann Musik so deutlich als ein in der Gegenwart vorbeiziehendes Geschehen erlebt werden wie in diesem Werk. Die Sonate für Violoncello und Klavier (1983) gestaltet den Erlebnisraum durch ihren Klang, verändert, vergrössert oder verkleinert ihn, ohne sich seiner so zu bemächtigen, dass einem der Atem erstickt. Ihr Gestus ist improvisatorisch, sprechend, ohne inneren Druck. Ein Album poetischer Klänge. Bis zum Äußersten hat Silvestrov seine Auseinandersetzung mit der (russischen) Romantik in den "Drei Postludien" (1981/82) ausgereizt. Sie beginnen als romantische Elegien, um dann dekomponiert zu werden. ... Alle drei Werke sind samt einer kurzen, von Silvestrov selber am Klavier interpretierten "Hymne 2001" auf einer neuen Veröffentlichung des Münchener Labels ECM versammelt, und zwar in exemplarischen, sehr auratischen Interpretationen. Insbesondere beim vom Rosamunde-Quartett unglaublich gut gespielten Streichquartett hat man den Eindruck, dass hier ein interpretatorisches Kunstwerk speziell für das Medium Compact Disc und seine klanglichen, räumlichen und dynamischen Möglichkeiten geschafffen wurde.
Alfred Zimmerlin, Neue Zürcher Zeitung

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