News/Special Offers
Artists
Catalogue/Shop
Tours
Links
About ECM

Preis der deutschen Schallplattenkritik, Vierteljahresliste 4/2002
Fono Forum, Stern des Monats
Neue Zeitschrift für Musik, Empfehlung

Hanns Eisler is Heiner Goebbels's musical hero; he keeps a bust of the east German on his desk when he is composing, a reminder that it was his encounter with Eisler's works and writings in the early 1970s that got him into the business in the first place. ... The very first album that Goebbels made was a series of improvisations upon Eisler's music, and those same works are brought into Eislermaterial, which is surely his definitve homage. It is an hour-long compilation of his idol's songs and instrumental pieces, interspersed with Goebbels's own musical commentary, woven into a spell-binding continuum. ... As always with Goebbels, the combination of these different elements is greater than the sum of its parts - he interlaces Eisler's bittersweet melodies and biting lyrics (most of them by Brecht) with his own arrangements and freely invented music worked out in rehearsal with Ensemble Modern. ... The songs that Bierbichler contributes, with their simple, effective melodies, contrast with the highly wrought samples of Eisler's instrumental music - he was after all a Schoenberg pupil - yet everything coheres, everything is bound together by Goebbels's enthusiasm and his gift for the most unlikely juxtapositions. Eislermaterial is simultaneously a tribute, a disinterment and a deconstruction; but it is also an enchanting and affectionate portrait of one of the most fascinating and underrated figures in 20th-century music, put together by one of the most original composers working today.
Andrew Clements, The Guardian

With his keen sense of the political dimension within the cultural sphere, it's no surprise that Heiner Goebbels took Hanns Eisler as his creative role-model, nor that he should pay homage to the older composer in one of his theatre works. Eislermaterial is less a portrait of Eisler than a journey through his musical sensibility - and from a perspective more diverse than would have been possible in his lifetime. ... All the vocal items are taken by actor Joseph Bierbichler, whose frayed yet lyrical and affecting tone is ideal for the subdued songs from Eisler's years in exile. Instrumentally, Goebbels' reworkings range from the ensemble elegance of "Kleine Passacaglia" to the big band implosion of "Ballade vom zerrissenen Rock". Particularly effective are the composite movements - a strident Allegro assai merging into a poetic and previously unknown clarinet solo, or the manic energy of "Die Fabriken" enclosing the ethereal strains of an unpublished string quartet. The two "Hörstücke" are collages of Eisler interviews - bringing him into tangible focus, yet at a remove that mirrors both Eisler's detachment from his own music and that of Goebbels from his source material. The Ensemble Modern is its customarily committed self, taking the absence of a conductor and an unorthodox spatial layout effortlessly in its stride. ...Annotated and illustrated to ECM's usual high standards, the disc gives a vivid impression of perhaps the most involving of Goebbels' recent projects.
Richard Whitehouse, Gramophone

Eislermaterial ist keine plane Kompilation von Werken Hanns Eislers, auch kein Potpourri durch das disparate Oeuvre eines Widersprüche geradezu liebenden Komponisten. Von Heiner Goebbels, der sich seit seinen künstlerischen wie musiktheoretischen Anfängen vor gut dreißig Jahren mit Eisler beschäftigt, dabei konsequent wie kaum ein anderer Tonsetzer heute die Demarkationslinie zwischen Werk und Wiedergabe, Komposition und Arrangement, Gefundenem und Erfundenem aufgelöst hat, konnte man ein Stück erwarten, das für sich steht und zugleich wie ein kompetenter Kommentar zum Schaffen eines anderen Komponisten wirkt.Eislermaterial ist Aufforderung zur Beschäftigung mit Eisler wie Sichtung, Neueinordnung und Würdigung seines Werkes in einem. Wenn man will, auch eine Inszenierung Eislers durch den Regisseur Goebbels, der dort, wo das Werk nicht mehr zu uns spricht, weil sein Anlaß oder seine Funktion verschwunden ist, interpretierend eingreift - eine Gratwanderung zwischen den Untiefen von Verehrung und Anmaßung, Parodie und Affirmation, die Goebbels glänzend bewerkstelligt. Jedenfalls wirken die von Josef Bierbichler fast im Falsett gesungenen "Wiegenlieder für Arbeitermütter" oder das Festlied für Kinder "Armut sparet nicht noch Mühe", die oft hart dazwischen geschnittenen Instrumentalpartien aus Orchesterstücken und Kammermusikwerken von Eisler, die sich bisweilen in Freejazz-Tumulten auflösen, nie sentimental oder desavouierend, nicht einmal wie subversiver Kitsch. Selbst der kritische Gestus in den beiden als Hörstücke eingefügten Collagen und Montagen aus Rundfunkgesprächen zwischen Hans Bunge und Hanns Eisler wird durch die Musikalisierung von Sprechfloskeln wiederaufgehoben.Mit anderen Worten: In Eislermaterial, so schlicht der Titel auch sein mag, steckt mehr als Eisler - Eisler und Goebbels, Bierbichler und Ensemble Modern, historische Musik und zeitgenössische Interpretation. Und noch etwas: Wenn Goebbels die Töne Eislers aufgreift und anders zusammenfügt, vom Saxophon überblasen lässt und rhythmisch zerhackt, den Eisler-Tonfall ernst nimmt, indem er ihn bricht, dann wird ein Lehrsatz spürbar, den Eisler nie ausgesprochen, aber stets gemeint hat: Trau keinem Klang, er kann die Farbe wechseln.
Wolfgang Sandner, Frankfurter Allgemeine Zeitung

Das Eigenartige: diese Sogwirkung; diese Kraft, das Innere zu beleben und die eigene Imagination anzuregen; am Ende dies Gefühl von Erfrischung, ja von Glück. ... Eislermaterial von 1998 zum Beispiel - ein in Zusammenarbeit mit dem Ensemble Modern entstandenes Projekt der Erinnerung an Hanns Eisler im Jahr seines hundertsten Geburtstags. Bei der Uraufführung in der Münchner Muffathalle gab es nicht viel zu sehen. ... Dennoch war der Raum ganz und gar erfüllt von der Person und der Persönlichkeit Eislers. Das lag an der Präsenz seiner Musik, die Goebbels ausgewählt, bearbeitet und durch Eigenes ergänzt hat: der vielen auf Texte Brechts geschriebenen Lieder, die einen Begriff von dem ästhetisch-gesellschaftlichen Engagement Eislers vermittelten. Es ging auf die Ausstrahlung des Schauspielers Josef Bierbichler zurück, der die Lieder sehr gekonnt mit jener schütteren Stimme, die an Eislers eigene Auftritte erinnerte, und mit jener scheuen Zurückhaltung vortrug, die den ehrlichen Kern der Werke hervortreten liess. Und natürlich ergab es sich aus jenen zwei Textcollagen, welche die Stimme Eislers vielfach übereinander geschichtet in den Raum trug. Das alles wird durch die von ECM vorgelegte CD-Aufnahme vorzüglich vermittelt.
Peter Hagmann, Neue Zürcher Zeitung

Goebbels Ziel war es, die oft eher kleinformatigen Arbeiten Eislers in einen größeren, sehr persönlich geprägten musikalischen Ablauf zu stellen. Das Ergebnis fällt beeindruckend aus, was nicht zuletzt der ungekünstelten und zugleich anrührenden Stimme Josef Bierbichlers sowie dem exzellenten Musizieren des Ensemble Modern zu verdanken ist. Goebbels entwickelt ein kontrastreiches Panorama, wobei er weniger auf die kämpferischen Lieder Eislers zurückgreift, sondern einen eher melancholischen Ton vorherrschen lässt. ... Der Live-Mitschnitt aus dem Berliner Hebbel-Theater überzeugt in seiner Eindringlichkeit und klanglichen Präsenz auf ganzer Linie.
Martin Demmler, Fono Forum

Eislermaterial heißt Goebbels' gut einstündige Komposition - eine Kompilation, bestehend aus bekannten Liedern des Jubilars, einzelnen Sätzen aus seinen Instrumentalwerken (darunter ein weitgehend unbekannt gebliebenes Streichquartett-Fragment) und zwei mehrminütigen Sprachmontagen mit Eislers Originalstimme. Hierbei handelt es sich um Passagen aus den Gesprächen, die Eisler mit Hans Bunge führte und die Goebbels, der nach wie vor diese Interviews sehr schätzt, hörspielartig ummontiert hat (und damit entzückend Widersprüchliches markiert). Überhaupt ist sein aus diesen Fonds sich speisendes Eislermaterial eine groß angelegte Montagearbeit, ein revuehaftes Live-Hörspiel, das sich nun als CD-Phonie präsentiert. ...Die Wiedergabe der Live-Produktion macht Sinn, denn in manchen der Nummern haben die Musiker das von Goebbels vorgegebene Eisler-Material improvisatorisch zu entwickeln, ohne dabei die musikalischen Grundparameter komplett verlassen zu dürfen. Und daran halten sich die bisweilen auch singenden Mitglieder des Ensemble Modern gerne, entwickeln in diesem Sektor und in den streng notengebundenen eine ungeheure Spielfreude, der selbst die digitale Konservierung nichts anhaben kann. ... Eisler ist stets das Zentrum des Projekts und Goebbels einer seiner profunden Gegenwartsvermittler, der die Originalbesetzungen mit teils großzügigen Neuinstrumentierungen und weiträumig improvisierenden Flächen auf das Ensemble zugeschnitten hat, der hie und da eigene musikalische Einwürfe, ergänzende Zwischenrufe platziert, der eine sehr persönliche, durchaus liebevolle Werkschau unternimmt und so ein kurzweiliges Kondensat eines - und das weiß Goebbels nur zu gut - weitaus komplexeren Sujets konstituiert: wider das Vergessen - ein artikuliertes Vorwärts.
Stefan Fricke, Neue Zeitschrift für Musik

Back