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Preis der deutschen Schallplattenkritik, Bestenliste 2/2005

Im 51. Psalm sinniert Mstislav Rostropovich, bei dem Knaifel in den 1960er Jahren in Moskau Cello studierte, den in zeitlupenhaftem Linienspiel buchstabierten Silben nach, die mit jeder Vibrato-Schwankung den Eindruck erwecken, geradewegs in den Himmel aufzufahren. Im Titelstück „Amicta Sole“ ziehen die gläsernen Melismen der Sopranistin Tatiana Melentieva Knabenstimmen und ein dezent auf der Stelle streichendes Kammerorchester als Kometenschweif hinter sich her. Bei Knaifel, der auch viel für das Kino komponiert hat, wird Klang, was Thomas Mann im „Zauberberg“ das stehende Jetzt nannte. Die Vorstellung von der Zeit als unendlichem Tönen, ganz nahe der Stille nach allem Leben.
Andreas Obst, Fono Forum

Alexander Knaifel rezitiert hier in größtmöglicher Schlichtheit Silbe für Silbe diesen heute drei Jahrtausende alten Psalm 51, aber es ist keine Stimme, die Wort um Wort intoniert, es ist das von Rostropovich geführte Cello, das allerdings im Tonfall psalmodischer Repetition gleichsam einen musikalischen Gebetsraum öffnet. ... Der syllabische Gestus, zwanzig Minuten streng durchgehalten, als würde tatsächlich ein Text rezitiert, hat in seiner sich allmählich potenzierenden Kargheit eine zweifellos läuternde Funktion... Die Entblößung des puren Gestus von Text und Stimme, wie sie durch den Celloton zustande kommt, steigert diese Konstellation und wirkt in ihrer abstrahierenden Bedeutung radikalisierend in einem kathartischen Sinne. Dabei ist Rostropovichs still singende, aber niemals wirklich emotionalisierende Tongebung trotz ihrer intentionslosen Kargheit stets so intensiv, dass ein laues Hinhören in keinem Augenblick möglich ist.
Hans-Christian von Dadelsen, Neue Zeitschrift für Musik

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