Carl Philipp Emanuel Bach

Keith Jarrett

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Keith Jarrett’s account of Carl Philipp Emanuel Bach’s Württemberg Sonatas is a revelation.  “I’d heard the sonatas played by harpsichordists, and felt there was room for a piano version,” says Jarrett today.  This outstanding recording, made in 1994 and previously unreleased, finds the pianist attuned to the expressive implications of the sonatas in every moment.  The younger Bach’s idiosyncrasies: the gentle playfulness of the music, the fondness for subtle and sudden tempo shifts, the extraordinary, rippling invention…all of this is wonderfully delivered. The fluidity of the whole performance has a quality that perhaps could be conveyed only by an artist of great improvisational skills. In Jarrett’s hands, CPE’s exploration of new compositional forms retains the freshness of discovery. Recorded at Keith Jarrett’s Cavelight Studio in May 1994, the album includes liner notes by Paul Griffiths.
Keith Jarretts Interpretation von Carl Philipp Emanuel Bachs Württembergischen Sonaten ist eine weitere bedeutende Entdeckung im musikalischen Kosmos dieses Pianisten. “I’d heard the sonatas played by harpsichordists, and felt there was room for a piano version,” sagt Jarrett heute. In dieser herausragenden Aufnahme aus dem Jahr 1994, die bisher unveröffentlicht geblieben war, spürt der Pianist jeden Moment dieser expressiven Musik mit sicherem Gespür nach. Die Eigenheiten des jüngeren Bach: die sanfte Verspieltheit der Musik, die Vorliebe für subtile und plötzliche Tempowechsel, die außergewöhnliche Erfindungsgabe… all das wird wunderbar umgesetzt. Der Fluss der gesamten Aufführung hat eine Qualität, die womöglich besonders von einem Künstler mit solch großen Improvisationsfähigkeiten vermittelt werden kann. Das Album wurde im Mai 1994 in Keith Jarretts Cavelight Studio aufgenommen und enthält einen Begleittext von Paul Griffiths.
Featured Artists Recorded

May 1994, Cavelight Studio

  • CD 1
  • Sonata I in a minor, H. 30
    (Carl Philipp Emanuel Bach)
  • 1Moderato07:33
  • 2Andante03:15
  • 3Allegro assai05:28
  • Sonata II in A-flat major, H. 31
    (Carl Philipp Emanuel Bach)
  • 4Un poco allegro06:51
  • 5Adagio03:07
  • 6Allegro03:50
  • Sonata III in e minor, H. 33
    (Carl Philipp Emanuel Bach)
  • 7Allegro06:01
  • 8Adagio03:16
  • 9Vivace02:59
  • CD 2
  • Sonata IV in B-flat major, H. 32
    (Carl Philipp Emanuel Bach)
  • 1Un poco allegro05:47
  • 2Andante03:00
  • 3Allegro04:30
  • Sonata V in E-flat major, H. 34
    (Carl Philipp Emanuel Bach)
  • 4Allegro07:41
  • 5Adagio03:20
  • 6Allegro assai03:31
  • Sonata VI in b minor, H. 36
    (Carl Philipp Emanuel Bach)
  • 7Moderato07:02
  • 8Adagio non molto03:43
  • 9Allegro04:29
Jarrett spielt […) mit einer solch grandiosen Selbstverständlichkeit, ja Natürlichkeit, wie fließende musikalische Gedanken, dass es buchstäblich nur so und nicht anders sein kann. Nur am Klavier gespielt und nur von Keith Jarrett. […] Er empfindet mit, wie er überhaupt immer an Carl Philipp Emanuels Seite steht, nie besserwisserisch oder liebedienerisch. Ein Musiker müsse selbst gerührt sein, um andere zu rühren, hat der Bach-Sohn einmal gesagt. Keith Jarrett beglaubigt das mit jedem Takt seines Spiels. […] Die Württembergischen Sonaten hat er 1994 aufgenommen, in der Hochphase seiner Auseinandersetzung mit Bach-Vater. Dass sie jetzt veröffentlicht werden, ist eine Verbeugung des Plattenlabels ECM vor Jarrett, vor seiner Lebensleistung als Jazz-Virtuose und begnadeter klassischer Musiker. Allein sein Anschlag! Carl Philipp Emanuel Bach auf dem Flügel so zu spielen, dass das Cembalo darin immer durchhörbar bleibt, ist ein großes, sinnliches, zärtliches Vergnügen.
Christine Lemke-Matwey, Südwestrundfunk
 
Avec la grâce deses Mozart et la souple rigueur de ses Bach (le père), l’artiste chemine au fil de ces sonates fantasques, baignées de joie et de lumière. Même si, au gré d’un movement lent, une douce mélancolie, profonde et pudique, permet à l’enchanteur Jarrett de quitter les rives sereines et ensoleillées des fluides allegro pour plonger dans des eaux mystérieuses. […]  Ceux qui ont côtoyé ou même épisodiquement rencontré ce perfectionniste […] témoignent du soin maniaque qu’il accordait au moindre detail de ses concerts et enregistrements. Condition sans doute nécessaire à un résultat aussi évident, débarrassé detout carcan. Toujours impeccable, la prise de son restituée par ECM enveloppe l’auditeur sans l’étouffer: l’interprète et l’instrumentse sont-ils invites dans son salon, hôtes exceptionnels et pourtant étonnamment familiers?  
Emmanuelle Giuliani, La Croix
 
Er spielt jedes Forte, jedes Piano, jede Verzierung, die der 30-jährige Bach drucken ließ, jede Tempoänderung – aber nie extrem. […] Krasse Akzente sind selten. Natürlich unterscheidet man legato und staccato, aber eher so nebenher. Jarrett kann allerdings sehr trennscharf spielen, wenn er will, technisch ist alles da. Er formt Linien und Klänge weniger, als dass er ihnen nachsinnt, während seine Hände sie freiwerden lassen, er scheint hinter ihnen etwas zu sehen, weniger eine Person als eine Gegend. Es ist eine rare Mischung aus Bewusstheit und Absichtslosigkeit, die man da hört. Um so realer und lebendiger wird alles, um so mehr ist man verblüfft oder sogar entzückt von jähen Verzögerungen, harmonischen Gewagtheiten. […] Und Carl Philipp steht die ganze Zeit im Freien. Nicht als interessante Gestalt irgendwo zwischen Johann Sebastian und Wolfgang Amadeus, nicht an irgendeinem historischen Platz, sondern mit Blick auf eine eigene Welt, so weit, dass sie sich mit unserer berührt und das Licht verändert – zum Helleren, in diesem Fall.
Volker Hagedorn, Van-Magazin
 
Der versierte Improvisateur Jarrett lässt jede einzelne Phrase dieser Musik lebendig werden und haucht ihr auch knapp 300 Jahre nach ihrer Entstehung eine Spontanität ein, die ihresgleichen sucht. C.P.E. Bachs Dank für diese Aufnahme wäre Jarrett sicher – er formulierte einst: ‘Aus der Seele muss man spielen, nicht wie ein abgerichteter Vogel. Ein Clavierist von dieser Art verdienet allezeit mehr Dank als ein andrer Musikus.’
Marie-Theres Himmler, Österreichischer Rundfunk
 
Jarrett’s playing is nuanced and varied, admittedly in a way a clavichord couldn’t reproduce. He states the beautiful melody of the Adagio in the Sonata No. 2 in A-Flat Major boldly, draws back, and then returns to his initial approach in a convincing manner. It is a touching performance, as is his playing of the Andante in the Sonata No. 4 in B-Flat Major, which begins with single note delineation of the main melody. […] Jarrett’s particular lyrical style fits C.P.E. Bach notably. His recording should attract new listeners to Bach’s second son.
Michael Ullman, Arts Fuse
 
Jarrett, der auf Cembalo und Klavier gleichermassen reüssierte, schärft mit der Wahl des Flügels für diese Bach-Sonaten einmal mehr den Blick auf Unterschiede, Potentiale und Limitierungen beider Instrumente. Und es verwundert kaum, daß er auch bei diesen Einspielungen überzeugend vermag, Klangkultur und Eigenheiten des älteren Instrumentes  stil- und idiom-sicher auf den modernen Konzertflügel zu übertragen und damit klanglich das Beste aus beiden Welten zu generieren. Jarretts extravagante, bewegliche und von reichen koloristischen Potentialen getragene Pianistik, seine der Clarté und der Kontur verpflichtete Spielkultur bedarf nicht des aufgesetzten resp. redundanten Effekts, vermag allerdings eindringlich Komplexität und Raffinement des Notentextes auszugestalten. Arpeggien, Triller, Verzierungen, Dialoge von rechter und linker Hand: Jarrett setzt sie so licht und transparent wie markiert in Szene, ohne zu buchstabieren. Wie selbstverständlich, irisierend wie leichthändig fügen sich dabei subtiles Modellieren und elaboriertes Gestalten zu natürlichem Klangfluss. […] Ein grandioses Statement. Und: State of the Art.
Martin Hoffmeister, Mitteldeutscher Rundfunk
 
Noch wurden die ‘württembergischen’ Sonaten vom intellektuell bestens eingebundenen Bach-Sohn für Cembalo komponiert; erst später dann wandte er sich dem Clavichord, ja dem Fortepiano zu. Doch Keith Jarrett, der den Bach-Vater ja auch immer wieder auf dem Cembalo interpretierte, entschied sich 1994 in New Jersey nicht für das historische Instrument, sondern für den modernen Flügel. Darauf interpretiert er die ‘Württembergischen’ des knapp 30-jährigen C. P. E. Bach, drei in Moll, drei in Dur. Er habe damals das Gefühl gehabt, ‘dass es noch Raum für eine Klavierversion gab’, erklärt Jarrett heute. Wesentlich freilich bei jeglicher Instrumentenwahl bleibt, inwieweit der ‘Sturm und Drang’-Charakter der sechs Sonaten gewahrt wird, dieser Sturm und Drang, der über den seinerzeit angesagten empfindsamen Stil noch hinausgeht. Diesbezüglich kann Jarrett durchaus mithalten mit den Anforderungen der zwölf- bis 15-minütigen dreisätzigen Sonaten. Sein Spiel ist ausgesprochen versiert, technisch nahezu lupenrein, in Teilen auch virtuos. In Abänderung eines Mozart-Zitats über C. P. E. Bach kann behauptet werden: Jarrett ‘kann was Rechts und hat es vom Bach-Sohn gelernt’.
Rüdiger Heinze, Augsburger Allgemeine
 
Die Einspielung der Sonaten  von Carl Philipp Emanuel Bach fällt in die ‘klassische’ Phase Jarretts, und der zwingende Fluss, den sein Spiel erzeugt, die schattierungsreiche, sensible Interpretation auf dem modernen Flügel gewinnt dieser Musik neue Facetten ab. In der sechsten Sonate werden auch die Brüche und kompositorischen Neuerungen der Tonschöpfungen offengelegt – ein wichtiges Element von Keith Jarretts Kunst.
Florian Oberhumer, Salzburger Nachrichten
 
Understated brilliance.
Olivia Giovetti, Van Magazine
 
C.P.E.’s 6 Württemberg Sonatas are the subject of this 1994 recording; he mentions that even after listening to harpsichord versions, he felt there is still a space for a modern piano rendition. The A Minor Sonata sees Jarrett giving the low and middle ranges an assertive robustness and the upper a lovely, delicate transparency. […] One especially interesting perspective this performance reveals is an almost fortepiano-like quality of the instrument (Jarrett’s beloved Bosendorfer? The booklet doesn’t specify.) Part of this has to do with the piano’s natural temperament but the pianist’s articulation enunciates individual notes, even in the tightest trills. This helps evoke a realistic sound resembling leather hammers hitting the strings.
Azusa Ueno, The Classic Review
 
Da Jarrett sich nun krankheitsbedingt endgültig vom Klavierspiel verabschiedet hat, ist das Tonarchiv seines Langzeit-Labels ECM gefragt. Und daraus hat man jetzt eine weitere, bislang unveröffentlichte Bach-Einspielung hervorgezaubert. Die 1994 entstandene Aufnahme dreht sich aber nicht erneut um Johann Sebastian, sondern diesmal um den Junior Carl Philipp Emanuel. Und dass sich Jarrett diesem Komponisten und seinen sechs ‘Württembergischen Sonaten’ Wq. 49 widmet, spricht nicht nur für seinen exzellenten Geschmack. Er spielt diese dreisätzigen Sonaten mit der Gewissheit, dass ohne sie der Musikgeschichte mehr als nur etwas fehlen würde. Mit seinem kostbar natürlichen Anschlag feiert Jarrett die Gedankenvielfalt und den Ausdrucksreichtum dieser Werke, die das Erbe der Barockmusik nicht verfehlen und doch schon die Zukunft im Blick haben. Noble Aria-Kunst wechselt sich so bei Jarrett mit pulsierender Unruhe ab. Das Zarte und Empfindsame findet sich bei ihm genauso wie der auf den Hörer überspringende Freudenfunke, wenn Jarrett selbst im Vertrauten den Überraschungstäter Bach entdeckt.
Guido Fischer, Rondo
 
Das Cover der Württembergischen (Sonaten) zeig einen Highway in geradezu Cormac McCarthyscher Ödnis. Gerade und schwarz zieht sich der Asphalt links zum Horizont. Karg und wild bereitet sich die Landschaft rechts darauf vor, sich die Straße zurückzuholen. Ordnung und Chaos im Zweigespräch, Zivilisation und Zügellosigkeit, Gebändigtheit und Gelöstheit – man hätte sich kaum eine bessere Illustration denken können für das, was sich in den sechs gerade mal gut viertelstündigen Stücken ab- und mit dem Keith Jarrett spielt. […] ‚Aus der Seele‘, hat Carl Philipp Emanuel Bach geschrieben, ‚muss man spielen, und nicht wie ein abgerichteter Vogel‘. Von abgerichteten Vögeln ist in Keith Jarretts musikalischer Miniserie keine Spur. Die ist so klar wie ein Bergsee, durch den musikalische Gedanken schwimmen wie schillernde Fische. Und sie ist so schön, dass man sie allen von der Wirklichkeit gegenwärtig Wundeschlagegenen als Vademecum nur empfehlen kann.
Elmar Krekeler, Die Welt
 
Keith Jarrett stopped performing and recording five years ago, after two strokes that left him partially paralyzed on one side of his body. This put a halt on one of the most illustrious musical careers of my lifetime. But I have a hunch that Jarrett’s producer Manfred Eicher has accumulated lots of unreleased Jarrett music over the course of a partnership that has lasted more than half a century. This double album of Jarrett playing C.P.E. Bach’s ’Württemberg Sonatas’ is a case in point. Why would Jarrett and Eicher leave these glorious tracks on a shelf for three decades? This is one of my favorite classical albums of the year – and makes me wonder what else is hidden away in those ECM archives.     
Ted Gioia, The Honest Broker
 
Es hat eine ganz delikate Anschlagskultur – und wenn es dann virtuoser wird,strahlt es eine große Mühelosigkeit aus. […] genial umgesetzt.
Cornelia de Reese, Deutschlandfunk Kultur
 
Mit seinem Carl Philipp Emanuel Bach kann er zufrieden sein. Bei den für Cembalo geschriebenen sechs Sonaten, die wie eine Zaubermusik des Übergangs zwischen Barock und Wiener Klassik wirken, herrschen Klarheit, Leichtigkeit und ästhetische Strenge. Dennoch ist da impulsives Leben, hebt die Musik auch poetisch ab.  
Ljubiša Tošić, Der Standard
 
Keith Jarrett spielt dieseMusik, die fürs Cembalo komponiert war, als öffne und erweitere er ihren Raum. Sein Anschlag ist gewiss spitzfingrig, er wattiert den Klang nur sanft mit dem Nachhallpedal, er fühlt sich also in die historische Erlebniswelt der damaligen Hörer ein. Andererseits gelingt ihm auf dem Steinway eine fast moderne Subtilität, die enorm ist.  Vor allem lauscht er aufmerksam den von Pausen zerrissenen, von bizzaren Harmoniewechseln kolorierten Prozessen dieser Musik. Das neue Bach-Ergebnis ist jedenfalls eine spannende Heimsuchung – und eine wunderbare Heimholung.
Wolfram Goertz, Rheinische Post
 
Dating from 1994 (and never issued before), Keith Jarrett, who recorded music by JS Bach around the same time, also turned his attention and brilliant playing to music by Carl Philip Emanuel, with wonderful results. […] In the intervening years other pianists have, too, [recorded on the piano] and it’s no disrespect to them to say that Jarrett moves straight to the top of the list of interpreters on the instrument.
Fabrice Fitch, Gramophone
 
The inventiveness and unexpected twists and turns of the music emerge, especially in the minor-key slow movements of the Fourth and Fifth sonatas.
Martin Cotton, BBC Music Magazine
 
Die Musik des Bach-Sohnes wird von Keith Jarrett, darf man sagen, zum Juwel erhoben. […] Mit den nun veröffentlichten ‘Württembergischen Sonaten’ Bachs hat sich Keith Jarrett jetzt erneut als Klassik-Pianist von technischer Souveränität, stilistischer Eleganz und Empfindsamkeit in Erinnerung gebracht. Und der Bach-Sohn gelangt mit den Aufnahmen zu gesteigertem Ruhm.  […] Keith Jarrett gelingt es dank der ihm eigenen sehr ernsthaften Brillanz, die Sonaten flüssig, pointiert, quasi akut werden zu lassen.
Wolfgang Schreiber, Süddeutsche Zeitung
 
Carl Philipp Emanuel Bach war ein Pionier zwischen Barock und Klassik, ein hoch gebildeter und universeller Künstler, der die Techniken des Klavierspiels entscheidend vorangetrieben hat und auch heute noch mehr Aufmerksamkeit verdient. […] Keith Jarrett hat sich Anfang der 90er Jahre mit den sechs sogenannten ‘Württembergischen Sonaten’ von Carl Philipp Emanuel Bach beschäftigt, nach einer Periode, in der er Musik vom Bach-Vater eingespielt hatte: das komplette Wohltemperierte Klavier, die Goldberg-Variationen und drei Gambensonaten, darüber hinaus die von Bach inspirierten Präludien und Fugen von Schostakowitsch und Suiten des Bach-Zeitgenossen Georg Friedrich Händel. Keith Jarrett spielt die 1744 veröffentlichten Sonaten von Carl Philipp Emanuel auf dem modernen Flügel, weil er das Gefühl hatte, dass es ‘noch Raum für eine Klavierversion gab’, heißt es im Booklet. Und das nimmt man ihm ab, ohne ein historisches Instrument zu vermissen. Unprätentiös und fließend spielt Keith Jarrett. Er durchleuchtet einzelne Phrasen ohne auf Effekte zu zielen. […] Aber Jarrett überzeugt mit anderer mutiger Konsequenz, weil er diese Musik introvertiert, innig und doch in sich schlüssig durchschreitet, ohne Show, ehrlich und empathisch. Offensichtlich hat er die viel zitierten Worte von Carl Philipp Emanuel verinnerlicht, dass ein Musiker selbst gerührt sein müsse, um andere zu rühren. Denn: Keith Jarrett berührt und zeigt einmal mehr eine faszinierende Seite seiner Musikerpersönlichkeit.
Meret Forster, Bayerischer Rundfunk
 
Die Stücke werden nur selten gespielt und wenn, dann auf einem Cembalo. ’I felt there was room for a piano version’, sagt Jarrett, heute78. Er interpretiert Bachs Sonaten hier mit der ihm eigenen Eleganz, Hingabe und Natürlichkeit – eine echte Offenbarung.
Miriam Damev, Falter
 
This is a refined, elegant account of these six extraordinary sonatas
Will Yeoman, Limelight Magazine
 
Il chante d’une voixs ensible, en un équilibre supérieurement organisé et maîtrisé, sur les sentiments, les articulations, les lignes brisées, les points d’arrêts, les relances d’un discours euphorisant et rêveur. Jarrett est délié et inspire, libre et rigoureux.
Alain Lompech, Pianiste
 
Jarrett is alive to the inner workings of Bach’s imagination and his grasp of how all of the often heterodox elements of these sonatas fit together is immaculate. […] I hope Jarrett’s fame brings new listeners to this marvellous music and to Jarrett’s superbly sensitive rendering of it. For in the end the best qualities of these accounts are Jarrett’s refined responsiveness and subtle delicacy of touch rather than anything more extrovert. A reminder perhaps that for all their virtuosity and flights of fancy these were sonatas most likely written for domestic usage rather than the public arena. In their strange and intoxicating internal world, Jarrett is a sane and wise guide.
David McDade, Music Web International
 
Immer wieder lebt diese Musik von ihren Nuancen. Und diese spielt Keith Jarrett voll aus. Mit schlankem Flügelklang, großerTransparenz, feindosierter Dynamik und schönen Echoeffekten wirkt sein Klavierspiel dabei stets natürlich. Die schnellen Sätze spielt er mit dem richtigen Drive, zudem wirken die fantasieartigen Passagen bei Jarrett so frei, als habe er sie gerade improvisiert.
Gregor Willmes, Fono Forum (Choice of the month)
 
Alongside his own compositions, throughout his career Jarrett always explored the central keyboard repertoire of JS Bach, Handel, Shostakovich and others. Perhaps in recognition of the pianist’s declining career, owing to ill health, ECM has belatedly released his lithe, intelligent performances of the six Württemberg Sonatas by Carl Philipp Emanuel Bach, written for harpsichord in 1742-3. The fifth child of Johann Sebastian Bach, with his own bright streak of individuality, ‘CPE’ bridges the baroque era of his father and the coming age of Haydn and Mozart. Recorded by Jarrett in his Cavelight studios, New Jersey, in 1994, these sparkling, almost improvised-sounding sonatas chime with the pianist’s own ingenuity and virtuosity. Paul Griffiths has provided an elegant booklet note.
Fiona Maddocks, The Observer
 
Keith Jarrett wäre nicht Keith Jarrett, würde er nicht auch hier aus ganz eigener Intention heraus agieren und die Musik als Material, nicht als Evangelium nutzen. Das heißt: Er überträgt die sechs Sonaten – eingespielt auf zwei CDs- auf sein Instrument: auf das Klavier.  […] Der junge Bach ist ein Bach, aber ein neuer. Ein Bach, der aus den Tiefen kontrapunktischer Strenge aufsteigt zum stetig sich ändernden Licht der Zeit, darin seiner selbst gewahr wird und diese Innenschau nach außen trägt – mal versponnen-versonnen, sich aufreibend im kunstvollen Gestalten der Welt und ihrer Fugen, mal temperamentvoll parlierend Berge versetzend und übermütig die Weite der Welt durchmessend wie Heidi die Bergwiesen. Das ist die Musik Keith Jarretts – und das ist sein Spiel im Ergreifen des Möglichen und Durchspielen aller seiner Facetten. Diesen Mut hat Carl Philipp Emanuel Bach in Auflehnung gegen das Korsett väterlicher kompositorischer Diktion bewiesen – und  diesem Mut gibt Keith Jarrett sein Bekenntnis mit, indem er jeder musikalischen Nuance raumlässt, ausspielt, was sich nach freiem Klang sehnt, und natürlicher Sehnsucht mit natürlichem Ausdruck begegnet, den die Zeit braucht.
Klaus-Martin Bresgott, Zeitzeichen
 
Carl Philipp Emanuel Bach occupies a transitional position. His music, unlike his renowned father’s, is very much of the Classical period but with retrospective formal and contrapuntal elements. Each sonata is cast in three movements. The writing alternates between back-and-forth counterpoint in sparse Baroque-ish textures and Haydnesque chordal chugging, with minor keys that hint at Mozartean drama. Many melodic lines incorporate elaborate decoration, pointing the way to Bellini’s vocal lines and Chopin’s instrumental ones. The composer pivots expertly between these disparate elements; the last two of the six, each beginning with an elaborate French overture, are the most backward-looking. A good jazz player needs dexterous fingers—think of those improvisations—and Jarrett has digital technique to spare. The various little scales, turns, and trills are uniformly articulate and limpid, equally balanced between hands. He inflects the themes easily and smoothly, following the phrase shapes, and draws expressive tension from numerous short-term cross-relations, minor to major and back. His rhythmic address is astute; some of the duple movements have a hearty lilt recalling Dad’s ‘Italian Concerto.’ […] I didn’t notice the engineering—high praise indeed. This is delightful.
Stephen Francis Vasta, Stereophile
 
La nuova uscita sorprende perché nella scrittura del Bach figlio Jarrett trova una dose di asimmetria  e ‘blues’ (termine che qui usiamo pertradurre, provocatoriamente, il concetto tedesco di ‘Empfindsamkeit’, sensibilità) chegliè molto congeniale.
Carlo Fiore, Classic Voice
 
Fast 30 Jahre hat diese Aufnahme auf dem Buckel, denn 1994 hat Keith Jarrett die sogenannten Württembergischen Sonaten für das Label ECM aufgenommen, erst jetzt sind sie erschienen. Ich bin überrascht, wie frisch und inspiriert sie noch immer klingen. […] Keith Jarrett gelingt es tatsächlich, diese Musik mit großer Klarheit und stringenter Linie zu interpretieren. Für Sentimentalitäten hat er keinen Sinn und so klingt auch ein langsamer Satz wie das Adagio aus der fünften der Württembergschen Sonaten alles andere als rührselig. […] in der Konsequenz von Jarretts Interpretation liegt etwas Überzeugendes.  
Barbara Winkler, Südwestrundfunk
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Keith Jarrett’s account of Carl Philipp Emanuel Bach’s Württemberg Sonatas is a revelation.  “I’d heard the sonatas played by harpsichordists, and felt there was a space left for a piano version,” says Jarrett today.  This outstanding recording, made in May 1994 and previously unreleased, finds the pianist attuned to the expressive implications of the sonatas in every moment.  The younger Bach’s idiosyncrasies: the gentle playfulness of the music, the fondness for subtle and sudden tempo shifts, the extraordinary, rippling invention…all of this is wonderfully delivered. The fluidity of the whole performance has a quality that perhaps could be conveyed only by an artist of great improvisational skills. In Jarrett’s hands, CPE Bach’s exploration of new compositional forms retains the freshness of discovery. The pianist also takes to heart CPE’s famous statement:  “Since a musician cannot move others unless he himself is moved, he must of necessity feel all of the affects that he hopes to arouse in his listeners."
 
Carl Philipp Emanuel Bach’s Württemberg Sonatas were written in 1742-3, and dedicated to Carl Eugen Duke of Württemberg, who studied with CPE at the court of Frederik the Great in Berlin. Published in 1744, they are regarded today as musical masterpieces of the era between the Baroque and the Classical.
 
Keith Jarrett’s recording of the Württemberg Sonatas followed a period in which he had been focussing on the music of Johann Sebastian Bach. ECM New Series documented Jarrett’s interpretations of Das Wohltemperierte Klavier Buch 1 (recorded February 1987), the Goldberg Variations (January 1989), The French Suites (September1991) and, with Kim Kashkashian, the 3 Sonaten für Viola da Gamba und Cembalo (also September 1991).  Other classical recordings made by Jarrett in this period included Shostakovich’s Bach-inspired 24 Preludes and Fugues (recorded July 1991) and Suites for Keyboard by Bach’s contemporary Georg Friedrich Händel (September 1993).  
 
In parallel with all this activity, Jarrett was continuing to work with his improvising trio with Gary Peacock and Jack DeJohnette, raising the bar for interpretive performances of jazz standards. Just three weeks after the CPE Bach recording, the trio was at New York’s Blue Note for an historic three-night run subsequently issued as an award-winning 6-CD box set.
 
At the year’s end, there was further classical activity, Jarrett playing Mozart Piano Concertos with the Stuttgarter Kammerorchester under the direction of Dennis Russell Davies. It was Mozart who had hailed CPE Bach as “the father of us all,” a musician who brought a new creative freedom to composing for the keyboard.
 
The 2-CD set includes booklet with liner notes by Paul Griffiths.
Keith Jarretts Interpretation von Carl Philipp Emanuel Bachs Württembergischen Sonaten legen eine weitere Facette im weitverzweigten Repertoire des Pianisten frei. "Ich hatte die Sonaten von Cembalisten spielen hören und hatte das Gefühl, dass es noch Raum für eine Klavierversion gab", sagt Jarrett heute.  In dieser Aufnahme, die im Mai 1994 entstand und jetzt zum ersten Mal veröffentlicht wird, spürt der Pianist den Eigenheiten des jüngeren Bach nach: die sanfte Verspieltheit der Musik, seine Vorliebe für subtile und plötzliche Tempowechsel, die außergewöhnliche, überquellende Erfindungsgabe…
 
Keith Jarretts Spiel ist geprägt von einem natürlichen Fluss, einer außergewöhnlichen Klarheit der Stimmen und einem untrüglichen Gespür für die besonderen stilistischen Anforderungen dieser Werke. Der Pianist scheint auch Carl Philipp Emanuel Bachs berühmte Aussage verinnerlicht zu haben: „Indem ein Musikus nicht anders rühren kann, er sei denn selbst gerührt; so muß er notwendig sich selbst in alle Affekte setzen können, welche er bey seinen Zuhörern erregen will.“
 
Carl Philipp Emanuel Bachs Württembergische Sonaten wurden 1742/43 geschrieben und Carl Eugen, Herzog von Württemberg, gewidmet, der bei ihm am Hof Friedrichs des Großen in Berlin studierte. Sie wurden 1744 veröffentlicht und gelten heute als wichtige, in die Zukunft weisende Werke an der Schwelle zwischen Barock und Klassik.
 
Keith Jarretts Aufnahme der Sonaten folgt auf eine Periode, in der er sich verstärkt der Musik Johann Sebastian Bachs widmete. Zuvor waren auf ECM New Series bereits Jarretts Interpretationen vom Wohltemperierten Klavier Band 1 (aufgenommen im Februar 1987), die Goldberg-Variationen (Januar 1989), die Französischen Suiten (September 1991) und, zusammen mit der Bratschistin Kim Kashkashian, die 3 Sonaten (ursprünglich) für Viola da Gamba und Cembalo (ebenfalls September 1991) veröffentlicht worden.  Zu den weiteren klassischen Aufnahmen, die Jarrett in dieser Zeit unternahm, gehören Schostakowitschs von Bach inspirierten 24 Präludien und Fugen (aufgenommen im Juli 1991) und die Suiten für Tasteninstrumente von Bachs Zeitgenossen Georg Friedrich Händel (September 1993).  
 
Parallel zu all diesen Aktivitäten setzte Jarrett die Arbeit mit seinem Trio mit Gary Peacock und Jack DeJohnette fort und setzte neue Maßstäbe für die Interpretation von Jazzstandards. Nur drei Wochen nach der vorliegenden Aufnahme trat das Trio im New Yorker Blue Note für drei inzwischen legendäre Abende auf, die später als 6-CD-Box veröffentlicht wurden.
 
Ende des Jahres folgten weitere klassische Aktivitäten: Jarrett spielte Mozarts Klavierkonzerte mit dem Stuttgarter Kammerorchester unter der Leitung von Dennis Russell Davies. Mozart war es, der in Bezug auf C.P.E. Bach den Ausspruch prägte: „Er ist der Vater, wir sind die Bub´n. Wer von uns was Rechts kann, hat es von ihm gelernt.“
 
Das 2-CD-Set enthält einen Booklettext von Paul Griffiths.