Felix Mendelssohn Bartholdy / Robert Schumann

Carolin Widmann, Chamber Orchestra of Europe

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Violinist Carolin Widmann brings together the last major orchestral works of two German composers: Felix Mendelssohn Batholdy’s Violin Concerto op 64, celebrated from the outset as a masterpiece, and Robert Schumann’s Violin Concerto WoO 23, which had to wait for so many years to find due recognition as one of the greatest compositions of the Romantic era. Widmann leads the widely-acclaimed Chamber Orchestra of Europe in these inspired performances, recorded at Baden Baden’s Festspielhaus. Her earlier ECM recording, in 2007, of the Schumann violin sonatas received the highest international praise, including a Gramophone Award nomination and each of her releases since then – with music from Schubert to Morton Feldman, Xenakis and Tüür – has emphasized her resourcefulness. In 2013 she was named Artist of the Year at the International Classical Music Awards.
Die Geigerin Carolin Widmann vereint hier die letzten großen Orchesterwerke zweier deutscher Komponisten: das von jeher als Meisterwerk gefeierte Violinkonzert op. 64 von Felix Mendelssohn Bartholdy und Robert Schumanns Violinkonzert WoO 23, das so viele Jahre warten musste, ehe ihm die Anerkennung als einer der größten Kompositionen der Romantik zuteil wurde. Widmann leitet in diesen inspirierten Einspielungen, aufgezeichnet im Baden Badener Festspielhaus, das renommierte Chamber Orchestra of Europe. Ihre frühere ECM-Aufnahme der Schumann-Violinsonaten aus dem Jahr 2007 erlangte international höchste Anerkennung, darunter eine Nominierung für den Gramophone Award. Seitdem machten sämtliche Veröffentlichungen Widmanns – mit Musik von Schubert bis Morton Feldman, Xenakis und Tüür – ihr Einfallsreichtum in besonderer Weise deutlich. Im Jahr 2013 wurde Carolin Widmann bei den International Classical Music Awards zur „Künstlerin des Jahres“ ernannt.
Featured Artists Recorded

July 2014, Festspielhaus, Baden-Baden

Original Release Date

26.08.2016

  • Concerto for violin and orchestra op. 64
    (Felix Mendelssohn Bartholdy)
  • 1Allegro molto appassionato12:45
  • 2Andante - Allegretto non troppo08:16
  • 3Allegro molto vivace06:09
  • Violin Concerto WoO 23
    (Robert Schumann)
  • 4In kräftigem, nicht zu schnellem Tempo15:37
  • 5Langsam06:08
  • 6Lebhaft, doch nicht schnell10:31
Ihr schlanker, biegsamer Ton (sie spielt eine Guadagnini-Violine von 1782) fügt sich bei der neuen Aufnahme einschmeichelnd süß mit dem Chamber Orchestra of Europe zusammen, das in seiner jungen Geschichte (gegründet 1981 und in London ansässig) schon bald zu einem der angesehensten Kammerensembles wurde. ‚Kammer‘ ist hier relativ: Das flexible Orchester hat zeitweilig über 50 Mitglieder. Im dritten Satz des Mendelssohns-Konzertes verbreiten alle zusammen beinahe spritzige Champagnerlaune, eleganten Swing und Klangkultur in bester Einheit.
Werner Theurich, Spiegel Online
 
Ihre musikalische und klangliche Bandbreite ist auch diesmal enorm zwischen den fahlen, schattierten Farben in Schumanns Mittelsatz und dem übersprudelnd munteren Finale bei Mendelssohn.
Reinmar Wagner, Kulturtipp
 
Aus dem Wunderkabinett der supremen Kunst ihres Geigenspiels schöpft Carolin Widmann das Violinkonzert von Felix Mendelssohn op. 64. Ungemein geschmeidig zeichnet sie die instrumentalen Linien, schwelgt in kulinarischen Abschnitten im Andante und versteht es mitreißend, die sommernächtlichen Geister virtuos elegant, springlebendig im Finale zu wecken.
Egon F. Bezold, Der Opernfreund
 
Silbriger Ton, leuchtend, aber nie blendend, singend, schlank – so spielt Carolin Widmann die beiden Violinkonzerte von Felix Mendelssohn und Robert Schumann. […] Mit dem Chamber Orchestra of Europe bewegt sich die Geigerin auf einer gemeinsamen Linie. Sie steuern die Höhepunkte so zielsicher an, als hätten sie nie dafür proben müssen. Das ist eindrucksvoll und allürenfrei. Vor allem ist es kammermusikalisch. Die große Konzertform wird zum subtilen Miteinander.
Christoph Vratz, Concerti
 
Schumanns d-Moll-Konzert inszeniert sie als fesselnden inneren Monolog, der in einem wunderbar meditativen Mittesatz gipfelt. Bei Mendelssohns e-Moll-Klassiker agiert das Londoner Chamber Orchestra of Europe mit feuriger Rhythmik. Widmanns Ton blüht auch ohne fülliges Vibrato, mal silbrig-fein, geradezu schwerelos, mal kraft- und temperamentvoll zupackend.
Otto Paul Burkhardt, Audio
 
Gemeinsam mit dem Chamber Orchestra of Europe findet Carolin Widmann auch bei Mendelssohn einen eigenen Ton. Sie streicht schlank und filigran, mit zartem Schmelz, aber ohne Schmalz. So erweckt die Geigerin beide Violinkonzerte zu neuem Leben: in einer Aufnahme, die Feinsinn und musikalisches Temperament vereint.
Marcus Stäbler, NDR Kultur
 
Dass die Violinisten führend in der Schumann-Interpretation ist, stellt sie mit ihrem emotional aufgeladenen Spiel erneut unter Beweis, während ihre Version des Mendelssohnschen Violinkonzerts ein Musterbeispiel an vornehmer Zurückhaltung darstellt: selten hört man beim Standardwerk die Solostimme und das Orchester derart gleichberechtigt in munterem Dialog.
Maximilian Theiss, Crescendo
 
Good to hear both works played with such intelligence and with the COE in excellent form.
David Threasher, Gramophone
 
 Energisch und einfühlsam verwirklichen Carolin Widmann und das Chamber Orchestra of Europe Schumanns symphonisches Konzept. Im ätherischen Mittelsatz dringt Widmann in ungeahnte Ausdrucksbereiche vor: Mit bodenlos fahlen, tief empfundenen Tönen trifft sie Schumanns Nerv, seine Poesie, seinen Schmerz.  Schumanns Violinkonzert ist ein Stück Avantgarde – und so spielt es Carolin Widmann auch. Ihr künstlerischer Ernst und ihr Mut zum Risiko sind imponierend. […] ein starkes Statement, das dem auf Hochglanz polierten Klassik-Betrieb guttut!
Friedemann Leipold, BR Klassik
 
Die beiden romantischen Violinkonzerte von Felix Mendelssohn Bartholdy und Robert Schumann sind von Publikum und Kritikern schon immer sehr unterschiedlich wahrgenommen worden. Die deutsche Geigerin Carolin Widmann hat als Solistin und Dirigentin beide Werke mit dem Chamber Orchestra of Europe aufgenommen – mit großer Klarheit und Frische und einem feinen Gespür für Details. Widmanns Mendelssohn swingt, und ihr Schumann klingt so gar nicht wie die Schöpfung eines  unter angeblich nachlassender Geisteskraft leidenden Komponisten.
Tobias Schmitz, Stern
 
Magnifique partenaire, le Chamber Orchestra of Europese révèle beaucoup plus tourmenté dans le ‘Concerto pour violon’ de Robert Schumann: le lyrisme couvre un fond d’inquiétude. […] passages accrochent les difficulties techniques. C’est grandiose et pourtant terriblement humain et préoccupè.
Elisabeth Haas, La Libertè
 
Widmanns Spiel steht für weitaus mehr als nur makelloses Handwerk und Mainstream-Exegese: Unter ihrem Bogen erstehen grundsätzlich neu gelesene, existentiell aufgeladene Violin-Dramen, die in ihrer Unbedingtheit, ihrer Suggestivkraft und Tiefenvermessung, ebenso mit überraschenden Volten und koloristischen Raffinement die Konkurrenz (zumeist weit) hinter sich lassen. Eine der fünf wichtigsten Neuerscheinungen des Jahres!
Martin Hoffmeister, MDR Kultur
 
Violinist Carolin Widmann, who also directs the COE, takes an admirably brisk approach to both works, emphasizing the cantabile nature of the slow movement of the Mendelssohn without any hint of sentimentality […] an elegant and expansive reading.
Stephen Pritchard, Observer
 
Widmanns Neugier und ihr schlanker, transparenter Geigenton vermitteln nicht Süffiges, sondern sind Mittel, die beiden Konzertlandschaften zu erkunden. Mendelssohns Finale kommt ohne falsche Raserei aus, Schumanns Konzert entfaltet seine meditative Schönheit ohne Forcierung.
Harald Eggebrecht, Süddeutsche Zeitung
 
Musikalische Wachheit, ein gesundes Misstrauen eingefahrenen Interpretationen gegenüber, viel Lust an Zeitgenössischem: die deutsche Geigerin Carolin Widmann war noch nie eine stromlinienförmigeMainstream-Virtuosin. Egal, was sie spielt, es lohnt sich immer ihr zuzuhören, gerade auch, wenn sie sich, wie jetzt hier, im viel gespielten, äusserst populären Konzert von Mendelssohn präsentiert, das sie – wiederum ungewöhnlich – mit dem nur zwölf Jahre später entstandenen, aber lange von Vorurteilen belasteten Schwesterwerk von Schumann kombiniert. Natürlich braucht sie dafür keinen Dirigenten, stark und selbstbewusst genug ist ihr Gestaltungswille, und wach genug sind die Musiker des Chamber Orchestra of Europe, die es seit vielen Jahren gewohnt sind, auch in größeren Besetzungen kammermusikalisch aufeinander zu hören.
Reinmar Wagner, Musik & Theater
 
On y a rarement entendu ton plus poignant, sonorité plus envoûante ou phrasés plus communicatifs. Ce mélange de clairvoyance et de lyrisme passionné – ni trop étiré ni trop chaotique – fait toute la valeur d’une interpretation qu’on ne pourra plus ignorer désormais.
Jean-Michel Molkhou, Diapason
 
Certainly, the Concerto finds Schumann staring into the abyss, but its slow movement, in particular, has an otherworldly atmosphere that is profoundly affecting. Carolin Widmann and the Chamber Orchestra of Europe give a deeply-felt account of it, and are no less expressive in the beautiful second subject of the opening movement.
Misha Donat BBC Music Magazine
 
Violinist Carolin Widmann brings her formidable talents to bear on her two favourite works from the violin repertoire […] The youthful impetuosity and lyricism of Mendelssohn’s concerto is dispatched with effortless artistry, with a thrilling rendition of its third movement. The darkness and abrasiveness of Schumann’s Violin concerto in D is conveyed with aching sensibility. The stasis of the slow movement flows seamlessly to a swirling finale. Readings of searing insight that come highly recommended.
Gavin Engelbrecht, Northern Echo
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It was not until late in life that Robert Schumann found the path to the violin. A pianist by profession, it almost seems as if his belated interest in the violin had a lasting effect on the performance and reception of his own works for that instrument. His Fantasy for violin and orchestra, op. 131, has never truly found a place in the repertoire; performances of his violin sonatas are relatively rare; and the Violin Concerto had to wait until 1937 for its première, when it was played in a bowdlerized version by Georg Kulenkampff and the Berlin Philharmonic under Karl Böhm. The latter work probably suffered as well from the unjustified verdict of the great Joseph Joachim, who called it 'weak' and spurned it to the end of his days.
 
As so often in music history, the vitality of a work can only be proved by committed performers. One such performer was Yehudi Menuhin, the first to forcibly elevate the Schumann concerto into the classical-romantic pantheon: 'This concerto is the historically missing link of the violin literature; it is the bridge between the Beethoven and the Brahms concertos, though leaning more towards Brahms'.
 
Mendelssohn's E-minor Violin Concerto did not face the same problems of genesis and reception as Schumann's. On the contrary: it is one of the most frequently performed of all the great classical-romantic concertos, not least because it refuses to consign the orchestra to a bystander role, as in the virtuoso concerto. Instead, it follows Beethoven's example by achieving a balanced dramatic structure between the soloist and an orchestra with symphonic functions rather than an accompaniment role.
 
If we pay heed to Menuhin's shrewd assessment and their dates of origin, the combination of Mendelssohn's concerto with Schumann's seems much more convincing than the more popular combination of Mendelssohn's and the Bruch G-minor. This explains why the Munich violinist Carolin Widmann has now chosen the Mendelssohn and Schumann concertos for her new recording with the Chamber Orchestra of Europe for ECM's New Series. Since 2008 her commitment to ECM has led to a number of remarkable CD releases, including a highly acclaimed recording of the Schumann violin sonatas with the pianist Dénes Várjon and a multiple prize-winning Schubert recording with Alexander Lonquich.
 
But a commitment to classical-romantic music is only one facet in the musical cosmos of this versatile artist, who numbers not only Schumann but Morton Feldman among her 'favourite composers'. She is equally au fait with period performance practice and avant-garde techniques and has presented convincing readings of highly-complex works by Berio and Boulez, Feldman's Violin and Orchestra (released on ECM) and Erkki-Sven Tüür, including his Noesie – Concerto for Clarinet, Violin and Orchestra with her brother Jörg Widmann on clarinet and the Nordic Symphony Orchestra conducted by Anu Tali (likewise on ECM).
 
Boulez, incidentally, gave an interesting answer to the question of whether one should play the music of György Ligeti to gain a better grasp of the music of the past. Boulez said that one would at least gain a better performance culture. Anyone who masters Ligeti's sonic balance and Stockhausen's rhythms will, he felt, be better equipped to play the classical-romantic repertoire. Carolin Widmann's performances stand as proof of his theory.
Erst spät in seinem Leben hat Robert Schumann den Weg zur Violine gefunden. Und fast scheint es, als habe die zögernde Beschäftigung des Pianisten Schumann mit dem Streichinstrument auf die Interpretation wie die Rezeption seiner entsprechenden Werke nachgewirkt. Die Fantasie für Violine und Orchester op. 131 hat nie richtig Eingang ins Repertoire gefunden. Seine Violinsonaten werden vergleichsweise selten gespielt, und das Violinkonzert erklang erst 1937 in einer bearbeiteten Fassung, gespielt von Georg Kulenkampff mit den Berliner Philharmonikern unter dem Dirigenten Karl Böhm im Konzertsaal. Im letzteren Falle hat wohl auch das ungerechtfertigte Verdikt des großen Joseph Joachim Spuren hinterlassen, der von einem „schwachen“ Werk sprach und es zeitlebens ablehnte.
Wie so oft in der Geschichte der Musik, lässt sich der Nachweis von Lebensfähigkeit eines Werkes aber nur durch eine entsprechend engagierte Interpretation erbringen, wie sie etwa von Yehudi Menuhin nachdrücklich betrieben wurde, der erstmals auch eine bemerkenswerte Einordnung dieser Komposition in den Kanon des klassisch-romantischen Repertoires vorgenommen hat: „Dieses Konzert ist das fehlende historische Glied der Violinliteratur, die Brücke zwischen den Konzerten von Beethoven und Brahms, auch wenn es Brahms näher steht.“
Eine problematische Werks- und Rezeptionsgeschichte wie Schumanns Violinkonzert hat das e-Moll-Konzert von Felix Mendelssohn nicht erfahren. Im Gegenteil. Unter den großen Solo-Konzerten der klassisch-romantischen Literatur gehört es zu den meistgespielten, nicht zuletzt auch deshalb, weil es sich dem Typus des Virtuosenkonzerts mit seiner Statistenrolle für das Orchester verweigerte und in der Nachfolge Beethovens eine ausgleichende Dramaturgie zwischen dem Soloinstrument und einem Orchester betrieb, das sinfonische statt reine Begleitfunktionen erfüllte.
Nimmt man Yehudi Menuhins kluge Zuordnung, aber auch die Entstehungszeit ernst, dann erscheint die Koppelung von Mendelssohns Konzert mit jenem von Schumann weit zwingender als die populäre Verbindung von Mendelssohns e-Moll-Konzert mit Max Bruch g-Moll-Konzert. So hat die Münchner Geigerin Carolin Widmann nun auch Mendelssohns und Schumanns Konzerte für ihre neue Einspielung mit dem Chamber Orchestra of Europe für die ECM New Series gewählt. Carolin Widmanns Engagement mit ECM hat seit dem Jahr 2008 schon eine Reihe bemerkenswerter Einspielungen erbracht, unter anderem die hochgelobte Aufnahme der Schumannschen Violinsonaten mit dem Pianisten Dénes Várjon und die mehrfach ausgezeichnete Aufnahme von Schubert-Werken mit Alexander Lonquich.
Das Engagement für klassisch-romantische Musik ist freilich nur eine Facette im musikalischen Kosmos der vielseitigen Künstlerin, die neben Schumann den Amerikaner Morton Feldman zu ihren „Lieblingskomponisten“ zählt, sich ebenso mit alter Aufführungspraxis wie den Techniken der Avantgarde auseinandersetzt und überzeugende Interpretationen hochkomplexer Werke von Berio, Boulez, Feldmans „Violin and Orchestra“ (bei ECM) und Erkki-Sven Tüür (unter anderem „Noesie – Concerto for Clarinette, Violin and Orchestra“ mit ihrem Bruder, dem Klarinettisten Jörg Widmann, und dem Nordic Symphony Orchestra unter der Leitung von Anu Tali, ebenfalls bei ECM) vorgelegt hat.
Von Pierre Boulez stammt im übrigen eine interessante Antwort auf die Frage, ob man Musik von György Ligeti spielen solle, um Musik der Vergangenheit besser interpretieren zu können. Boulez meinte darauf, man habe zumindest eine bessere Kultur. Wer die Klangbalance von Ligeti und die Rhythmik eines Stockhausen beherrsche, sei als Interpret auch für klassisch-romantische Musik besser gerüstet. Die Interpretationen der Geigerin Carolin Widmann können als Beweis für die Theorie von Pierre Boulez herangezogen werden.
 
YEAR DATE VENUE LOCATION
2026 January 13 Pierre Boulez Saal Berlin, Germany