Für Patricia Kopatchinskaja und den Pianisten Markus Hinterhäuser ist die Musik von Galina Ustwolskaja ein existentielles Anliegen. Mit Hingabe und bedingungsloser Ernsthaftigkeit machen sie sich die dunklen, beängstigenden Seiten zu eigen, aber auch die wilde Schönheit und die zerbrechlichen Kantilenen, die es eben auch gibt. Für das frühe, noch relativ konventionelle Klarinettentrio, das Ustwolskajas Lehrer und Verehrer Dmitri Schostakowitsch in seiner Musik gleich mehrfach zitierte, werden sie von dem Schweizer Klarinettisten Reto Bieri sensibel unterstützt. Die Musik von Galina Ustwolskaja, einzigartig intensiv, aber auch einzigartig fordernd und daher selten zu hören, braucht solche überzeugenden Anwälte wie Patricia Kopatchinskaja.
Thorsten Preuß, BR-Klassik
Werke von einer existenziellen Direktheit, die alle Wunden offenlegt. ‚Ihre Musik ist stärker und aussagekräftiger als das meiste, was ich kenne, und sie lässt mich nicht mehr los, seit ich sie das erste Mal gehört habe‘, sagt die Geigerin Patricia Kopatchinskaja, die Ustwolskaja noch persönlich kennen lernte – als Studentin in Bern. Ihre Hommage, eingespielt mit dem Pianisten Markus Hinterhäuser und dem Klarinettisten Reto Bieri, versammelt drei Werke Ustwolskajas, darunter das tiefschwarze Duett für Violine und Klavier (1960). Diese Musik zu spielen, sei ‚nicht ungefährlich für die Seele‘, sagt Kopatchinskaja. Man spürt es in jedem Moment dieser Aufnahme.
Oliver Meier, Berner Zeitung
Ustvolskaya was trying to encourage listeners to hear her music on its own supremely self-assured terms. It’s a tough standard to meet, on a recording — though it’s one that any new album of Ustvolskaya works should attempt to create anyway. This one pulls off that task both in its moments of fireworks and in the sections of eerie quiet. For that, we can thank ECM’s all-star cast. Early in the 2014 season, rising violin star Patricia Kopatchinskaja performed two of the pieces on this album at a rapturously received late-night concert at Berlin’s Philharmonie. Captured in the studio by ECM’s engineers, the animated young Moldavian shows off an even greater range of textures, especially in her approach to the album opener, the composer’s 1952 ‘Sonata for violin and piano.’ […] Her partner in this duo, pianist Markus Hinterhäuser, is just as stellar. The piano part in the Sonata leads him away — as if in a hypnotic trance — from the maniacal edge carved out by the violin writing. But it’s important that the divergent lines for the two instruments not feel alienated from one another. Hinterhäuser, who has recorded Ustvolskaya’s solo piano music, has the right touch, and maintains a subtle accord with the violinist (even when she’s at her most fevered). The pair brings this same understanding to Ustvolskaya’s 1964 ‘Duet for violin and piano’ — a less thrashing piece, but no less haunting. […] Taken as a whole, the lavish gifts of these performers and the excellent production have done this often-unattended composer a dedicated and intense service.
Seth Colter Walls, Wondering Sound
Die atemberaubende Variabilität des Geigentons und der Spieltechnik von Kopatchinskaja, von schier körperlosen Haltetönen in fast unhörbaren Regionen des Pianissimo über fahlen, gespenstischen Schimmer zu robuster Kontur und schmerzhafter Attacke, gibt dem Verlauf der Komposition derart bildhaften, plastischen Ausdruck, dass man alle Aggregatzustände des Gefühls wie in den eigenen Körper übertragen fühlt. Hinterhäusers sensitives Gespür für differenzierteste Werte von Dynamik und Klangfarbe, für Anschlagsnuancen einsamer, wie verloren wirkender Melodien wie zwischen gläserner Klarheit und wildem Ausbruch changierender ‚Akkordarbeit‘ verbindet sich mit der hellhörigen und unabdingbaren Bewusstheit des Geigenspiels zu einer aufregenden Intelligenz. Man kann in den 70 Minuten Laufzeit dieser CD nicht mehr aus. Der Sog (in den sich im Trio auch der außerordentliche Schweizer Klarinettist Reto Bieri mit subtilsten ‚stillen‘ Klängen einfügt) entwickelt ein ganz eigenes Zeitkontinuum, öffnet und schafft eine Hörfantasie von unglaublicher Weite und Tiefe, wie sie nur in Sternstunden erlebbar wird.
Karl Harb, Salzburger Nachrichten
Galina Ustvolskaya, eine der eigenwilligsten und rätselhaftesten Komponisten-Erscheinungen des 20. Jahrhunderts, hat darauf insistiert, niemals Kammermusik geschrieben zu haben. Man kann nur spekulieren, warum sie den Begriff für sich zurückwies, vielleicht deshalb, weil in dem Wort ‚Kammermusik‘ immer auch die Vorstellungswelt intimen, gemeinsamen Musizierens im vertrauten Kennerkreis mitschwingt. Von dieser, sagen wir ruhig: bürgerlichen Attitüde ist Ustvolskayas erratisch-monologische und asketisch herbe Klangrede ungefähr so weit entfernt wie der Marianengraben vom Himalaya. […] Patricia Kopatchinskaja, Markus Hinterhäuser und Reto Bieri entpuppen sich als Idealbesetzung dieser extremen Nicht-Kammermusik.
Burkhard Schäfer, Musik & Theater
Wenn sie komponiere, hat Ustwolskaja einmal gesagt, befände sie sich in einer Art ‘Gnadenzustand’. Diesen Zustand einzufangen in seiner spirituellen Sinnlichkeit und ihn an nichts und niemanden zu verraten, das gelingt der Geigerin Patricia Kopatchinskaja und dem Ustwolskaja-erfahrenen Pianisten Markus Hinterhäuser nun auf grandios mutige, schonungslose Weise. Im trio für Klarinette, Violine und Klavier (1949) gesellt sich Reto Bieri zu ihnen, der Schweizer Klarinettist, und wenn der ‚Energico‘-Satz des Trios nach zahllosen Verwerfungen im Pianissimo schließt, klopfend, pochend, hat man die Wahl und hat sie doch nicht. Dieses Ende mag friedlich sein oder verzagt – an seiner Wahrheit ist nicht zu rütteln
Christine Lemke-Matwey, Die Zeit