Heiner Goebbels: A House of Call - My Imaginary Notebook

Ensemble Modern Orchestra, Vimbayi Kaziboni

Sale!
EN / DE
A House of Call is a cycle of invocations, prayers, poems and songs for large orchestra. It incorporates recordings of sounds and voices from all over the world collected by Heiner Goebbels during his travels, research, and chance encounters. The cycle is a response to the history of these recordings and to their complexity, rawness and radiance. In this secular “responsorium”, the orchestra accompanies and supports the voices, answers and challenges them.
A House of Call ist ein Zyklus mit Rufen, Aufrufen, Beschwörungen, Sprechakten und Gedichten für großes Orchester. Zur Geltung kommen darin Klänge und Stimmen, die Heiner Goebbels im Rahmen von Reisen, Recherchen und zufälligen Begegnungen aufgenommen und gesammelt hat. Somit handelt es sich um eine direkte Antwort auf die Geschichte dieser Aufnahmen und ihre Komplexität, Rauheit und Ausstrahlung. In dem säkularen “Responsorium” begleitet und unterstützt das Orchester die Stimmen – manchmal antwortet es ihnen, manchmal fordert es sie auch heraus.
Featured Artists Recorded

September 2021, Prinzregententheater, München

Original Release Date

19.08.2022

  • CD 1
  • House of Call: I. Stein Schere Papier
    (Heiner Goebbels)
  • 1Introitus (A Response to Répons)09:01
  • 2Immer den gleichen Stein06:51
  • 3Under Construction08:33
  • House of Call: II. Grain de la voix
    (Heiner Goebbels)
  • 4Nu Stiri / ნუ ტირი06:49
  • 5Agash Ayak / Ағаш аяғы08:34
  • 61346 / ۱۳۴۶06:10
  • 7Krunk / Կռունկ06:30
  • CD 2
  • House of Call: III. Wax cylinders and violence
    (Heiner Goebbels)
  • 1Toccata (Vowels/Woven)06:21
  • 2Achtung Aufnahme03:28
  • 3Nun danket alle Gott03:09
  • 4Ti gu go Inîga mî (Some of them say)07:13
  • House of Call: VI. When words gone
    (Heiner Goebbels)
  • 5Bakakl – (Diálogo)05:00
  • 6Schläft ein Lied in allen Dingen04:26
  • 7Kalimérisma / Καλημέριζμα10:01
  • 8What When Words Gone07:39
Among the voices and texts referenced here are Samuel Beckett and Heiner Müller, the Persian Sufi poet Rumi and the Armenian composer and folk-song collector Komitas; there are field recordings from Amazonia and Namibia and from Georgian prisoners during the first world war, and the music is equally diverse. The 15 movements of ‘A House of Call’, grouped into four parts, include moments of pounding jazz-rock (perhaps a glance back to the 1980s, when Goebbels was a member of the group Cassiber), through edgy rhythmic dislocations straight out of Stravinsky to disintegrating textures on the edges of music. But there are moments of extraordinary delicacy too, when just a solo instrument underpins a chant or a distant choir, as in the second part, ‘Grain de la Voix’ (a title borrowed from Roland Barthes), built around recordings from the Caucasus. […]  a fascinating, strikingly beautiful work.
Andrew Clements, The Guardian (Five stars)
 
Auch für ‘A House of Call’ gilt dieser offene Entstehungsprozess aus dem, was der Komponist in seinem ‘Imaginären Notizbuch’ über Jahre zusammengetragen und das phänomenale Ensemble Modern – kongenialer Partner des Komponisten seit nunmehr fünfunddreißig Jahren – in vielen gemeinsamen Zerreißproben daraus geformt hat. Die Komposition, erst das zweite große Orchesterwerk im stattlichen Katalog von Goebbels, ist nach seinen eigenen Worten ‘ein Zyklus mit Rufen, Aufrufen, Anrufen, Beschwörungen, Gebeten, Sprechakten, Gedichten und Liedern für großes Orchester’. Es soll kein ‘wissenschaftliches Medienarchiv’ sein, vielmehr eine phonographische Sammlung, deren Quellen sich aus den vielen Erfahrungen – musikalischer wie gesellschaftlicher Art – des Künstlers ergeben haben. Und wie stets bei dem wachen Seismographen seiner Umgebung und damit unserer Zeit ist daraus ein ungemein sinnliches, Körper und Geist anregendes, bisweilen auch rätselhaftes, musikalisch grundiertes Kunstwerk entstanden.
Wolfgang Sandner, Frankfurter Allgemeine Zeitung
 
‘A House of Call’ kann man mühelos als Kondensat seines disparaten Gesamtwerks begreifen, eine Sammlung von Klangeindrücken, die der stets wache Goebbels auf Reisen, Recherchen und in Begegnungen gesammelt hat. […] Goebbels, nie zimperlich, was die Fülle seiner Inspiration angeht, adelt die Fundstücke in seinen Überschreibungen, erhöht ihre Intensität, überlagert sie mit überbordender Raffinesse im Klang, mit rhytmischen Aberwitzigkeiten, Rätseln. Im Grunde sind diese zwei Stunden wie ein Hörfilm voller aufgekratzter Erlebnisse, voller Widersprüche und deshalb irrsinnig modern.  
Egbert Tholl, Süddeutsche Zeitung
 
Ein Klangritual wird zur Zeitreise […] Ein orchestraler Echoraum, der dieser Pluralität alten und neuen Lautgebens seine Responsen erteilt: grell, motorisch oder anschmiegsam fast bis zum Sentimentalen. Ein Wechselbad mit dem großartigen Ensemble Modern und der befeuernden Leitung Vimbayi Kazibonis.
Martin Mezger, Stereoplay
 
Wenn hinter den mit Geräuschen angereicherten Orchesterklängen, wie aus weiter Ferne, Stimmen aus der Frühzeit der Phonographie hörbar werden, wird man Zeuge einer Archäologie der elektroakustischen Ära. Typisch für Goebbels ist die präzis gestellte Frage nach dem politisch-kulturellen Stellenwert der Originalaufnahmen: polemisch die Verarbeitung von ethnographischen Aufnahmen aus Deutsch-Südwestafrika, berührend der armenische Gesang mit einer Melodie von Komitas. Aus neuerer Zeit ist unter anderem der alte Fahrensmann der DDR-Literatur, Heiner Müller, mit seinem Sisyphos-Text zu hören. In den Kompositionen wird das Verhältnis von Musik und Sprache nach allen Richtungen ausgelotet. Das von Vimbayi Kaziboni dirigierte Ensemble Modern Orchestra und die mit Goebbels’ Musik bestens vertrauten Solisten sind ideale Interpreten.
Max Nyffeler, MusikTexte
 
Verwitterte Dokumente historischer Phonographen und Wachsmatrizen musik-ethnologischer, sprachwissenschaftlicher oder soziologischer Forschung reißen hier koloniale Abgründe auf, treten akustisch und inhaltlich mit ungeschminkter Rauheit auf den Plan. Deren starke Wirkung liegt häufig in der Ungreifbarkeit ihrer Kontexte begründet. All das bewegt die Orchesterstimmen zu energetischen Loops und dramatischen Verdichtungen, pulsierenden Tänzen auf dem Vulkan oder melancholisch schillernder Nachdenklichkeit.
Dirk Wischollek, Neue MusikZeitung
 
La voix chantée ‘appelle’ des nappes harmoniques enveloppantes, un substrat modal pouvant épouser les contours vocaux, mais aussi des séquences aux rythmes énergiques de batterie, l’éclat des cuivres et la virtuosité orchestrale. […] Vimbayi Kaziboni tire efficacement parti de la capacité de l’Ensemble Modern à être parfaitement organique en tutti et de sonner comme une formation chambriste dès lors que de petits groups s’en détachent.
Pierre Rigaudière, Diapason
 
Bis auf das Ende des 100-minütigen Werks, bei dem das Ensemble Modern Orchestra selbst Passagen aus Becketts spätem Prosatext ‘Worstward Ho’ als choralartiges Finale singt, bleiben die Erzeuger  der zu hörenden Wortstimmen unsichtbar, sie leben meist auch nicht mehr.  […] Diese Stimmen mit ihren individuellen Färbungen, Melodien und Rhythmen, ihren Rauheiten, eingedenk ihrer Herkunft und der jeweiligen sozialen Situation, sind quasi als ‘Lieder’ das Basismaterial von ‘A House of Call’, einem wirkungsstarken Opus. Es offeriert und offenbart viele Entdeckungen und Konfrontationen, Verzweigungen und Verknüpfungen. […] Die per Sampler zitierten Sprech-Sing-O-Töne im Stück selbst rufen auf, weiterzudenken, weiterzuhören, wie die Instrumentalstimmen das – eben auch wie/wo/wann – Gesagte fortentwickeln, mit nichtsprachlichen Mitteln kommentieren und mit diversen musikalischen Genrestilen in einen polyphonen Dialog treten. Eine überaus lohnende Begegnung.
Stefan Fricke, Neue Zeitschrift für Musik
 
Dans ce cahier imaginaire, Goebbels imprime à la tradition un potentiel révolutionnaire. […] ‘A House of Call’ ménage également des moments de grande délicatesse, comme dans la partie intitulée […] Si un disque audio ne peut restituer l’interaction subtile entre voix enregistrées et orchestra, la charge émotionelle de l’œuvre éclate grâce à la direction de  Vimbayi Kaziboni, qui en avive les moments névralgiques, et un Ensemble Modern chauffé à blanc. Un chef-d’œuvre du XXIe siècle.
Jérémie Bigorie, Classica
“Musically, A House of Call takes the full measure of everything Goebbels has ever been involved in.”
    • Der Tagesspiegel
 
 
 
A  cycle of invocations, prayers, poems and songs for large orchestra, A House of Call incorporates recordings of sounds and voices from all over the world collected by Heiner Goebbels during his travels, research, and chance encounters. The cycle is a response to the history of these recordings and to their complexity, rawness and radiance. In this secular “responsorium”, the orchestra accompanies and supports the voices, answers and challenges them. The voices call, Goebbels says, “either from the past or from my personal environment; idiosyncratic voices, traditional folk material. Rituals. Literature...”
 
 “A House of Call is a magnificent new work,” the Financial Times enthused, reviewing the premiere performance. “Goebbels understands that music is theatre and knows how to construct a taut dramaturgy. He grabs the listeners by the lapels and drags them rapidly through the changing scenery of polyglot poetry and crackling phonograph recordings.”
 
The work’s title derives from a passage, in James Joyce’s associatively dense Finnegans Wake, about “a prolonged visit to a house of call”. The phrase appears, Goebbels notes, “not far from the onomatopoetic ‘roaratorio’ that was to give John Cage’s radio play its name.  A radio play that left a lasting impression on me...” The stream of utterances in Cage’s play finds an echo in A House of Call, where “le grain de la voix” – in Roland Barthes’ famous phrase – links the elements and acknowledges the commonality of the voices that have found their way into Heiner Goebbels’s “imaginary notebook.”
 
The vocal, literary and musical frame of reference is very broad. The four part A House of Call begins with a response to Pierre Boulez’s Répons, and takes off from there, along the way encompassing references to Cassiber (Goebbels’ art rock band of the 1980s), to German dramatist Heiner Müller, Kazakh singer Amre Kashaubayez, Persian Sufi poet Jalaluddin Rumi, Armenian composer and folk music collector Komitas, Iranian musician Hamidreza Nourbakhsh, and much more. Songs of Georgian prisoners, taped in the First World War, belong to the sonic mosaic, as do songs and poems from Namibia, fragments of an Amazonian ritual, and the resonance of a Berlin building site. Rhymes, laments and incantations figure in the fourth section, “When Words Gone”, which incorporates lines from one of Samuel Beckett’s last works.
 
All of these components are enveloped in Heiner Goebbels’s writing for the Ensemble Modern Orchestra, and integrated into the music’s sense of flow. This large scale work has been developed, from the outset, in cooperation with the Ensemble Modern and reflects, the composer says, the unique nature of his 35 year collaboration with the orchestra. “I’ve done many projects with them that I could not have done with any other ensemble. There was this great trust from the beginning: they never resisted the risk of doing something new. As I’m not a virtuoso in dealing with large scores, I prefer to react to what I hear, so I can develop a sound that emerges during rehearsals, while working with individual musicians or the ensemble. Having this possibility is incomparable and I have made much use of it.” Heiner Goebbels sums up A House of Call as “a collection of voices from different cultures - inspired of course by working with such an international ensemble. Everyone brings something else to the table here, a different approach, different ways of playing and imagining music.”
*
Heiner Goebbels, one of the great innovators in the world of theatre, multimedia and performance art, was born in Germany in 1952. He was a member of the art rock group Cassiber from 1982 to 1992, and at the same time was writing music for theatre, film and the ballet. In the mid-1980s he began creating audio plays for radio, several of these, often based on texts by dramatist Heiner Müller, were released as Hörstücke. Müller also supplied the textual inspiration for Goebbels’ Der Mann im Fahrstuhl (The Man in the Elevator), a creative encounter with improvisers including Don Cherry, George Lewis and Arto Lindsay.
 
Since 1988 Goebbels has composed regularly for the Ensemble Modern, the Ensemble Intercontemporain and other orchestras.  In 1994 came Surrogate Cities, a response to the complexity of the modern city, scored for large orchestra and one of the composer’s most far-reaching projects. In 2002, Goebbels premiered his first opera Landschaft mit entfernten Verwandten. In the same year Eislermaterial was released. It is a multi-faceted portrait of – and tribute to – one of Goebbels’ heroes, the 20th-century German composer Hanns Eisler, who set many texts by Brecht.
 
Stifters Dinge(Stifter’s Things), a “performative installation” without performers, musicians or actors was first presented in Lausanne in 2007; a CD of this extraordinary acoustic creation was subsequently released. The Guardian said of it: “It's a typical Goebbels collage and typically, too, all the elements somehow cohere. Even on disc it's mysterious and compelling.”
 
Goebbels’ previous ECM New Series recordings with Ensemble Moden include Red Run/Befreiung/La Jalousie, Eislermaterial and Landschaft mit entfernten Verwandten
 
The Ensemble Modern, founded in 1980, has been based in Frankfurt since 1985 and is long established as one of the world’s leading contemporary music ensembles. In addition to their recordings of Heiner Goebbels’ music, Ensemble Modern’s ECM discography includes  Heinz Holliger’s Scardanelli-Zyklus  and Helmut Lachenmann’s Schwankungen am Rand.
 
On A House of Call, the Ensemble Modern Orchestra is insightfully conducted by Vimbayi Kaziboni. Born in 1988 in Zimbabwe, Kaziboni is increasingly hailed as one of his generation’s foremost interpreters of modern and contemporary composition .  He has worked closely with numerous composers including Helmut Lachenmann, Steve Reich, John Adams, George Lewis, George Benjamin, Olga Neuwirth and Nicolaus A. Huber.
 
A co-production of ECM and the Bayerischer Rundfunk, A House of Call was recorded at Munich’s Prinzregententheater in September 2021.
 
German/English CD booklet includes a composer’s note by Heiner Goebbels.
 
For more information about A House of Call and biographical details of its composer and interpreters: