Goebbels arbeitete für seine Vertonung dieses Werkes, das er dem amerikanischen Maler, Bildhauer, Performer und Musiker Bob Rutman gewidmet hat, nach dem Prinzip einer freien musikalischen Assoziation, was ihm ermöglichte, Klangsplitter und Tontrauben unterschiedlichster Provenienz in seine Kompositionen einzubauen und lautmalerisch zum Ausdruck zu bringen. So stehen in ‘Walden’ traditionelle Floskeln neben modernen Zitaten, elektronische Sequenzen folgen auf akustische Intermezzi, perkussive Rhythmen werden von schneidender Harmonik gekontert, Solostimmen mit Orchesterkolorit unterfüttert und umgekehrt. Goebbels setzt in seiner Komposition einen entscheidenden Impuls der Freiheit um und entwickelt eindringliche wie subversive Hörbilder.
Jörg Konrad, Kultkomplott
In questa pubblicazione ECM si coglie tutta la modernità di un lavoro che, pur nato nel 1998, continua a parlare direttamente al presente. Walden non è un elogio nostalgico della natura, ma una riflessione lucidissima sulla difficoltà contemporanea di ascoltare davvero il mondo. E proprio per questo, oggi, questo paesaggio sonoro pensato trent’anni fa appare più necessario che mai.
Stefano Nardelli, Il Giornale della Musica
Es ist der radikalste Gegenentwurf zu den politischen Verhältnissen heute in den USA: ‘Walden’ von Heny David Thoreaux, das autobiografische Buch über das Leben in den Wäldern, über den Verzicht, die Bescheidenheit – und die Einsicht in die Grundbedingungen menschlicher Existenz. 1998 hat der Komponist Heiner Goebbels die literarische Vorlage in ein abendfüllendes Werk umgesetzt […] Virtuos changiert Goebbels zwischen musikalischen Welten, verknüpft avanciert Experimentelles mit handfestem Groove, mit Jazz- und Pop-Versatzstücken. Wörtliche Zitate gibt es nicht, aber eine Art geistige Anverwandlung der jeweiligen Sphären. Natürlich war ‘Walden’ immer schon eine Utopie, ein Gegenentwurf, im 19. Jahrhundert bei Henry David Thoreaux, 1998 bei Heiner Goebbels. Aber solche Utopien braucht es. Und deshalb ist es gut, dass diese wunderbare, diese hinreißend musizierte Aufnahme mit dem Ensemble Modern Orchestra endlich auch allgemein erhältlich ist.
Rainer Pöllmann, Deutschlandfunk Kultur
Heiner Goebbel’s Komposition fühlt sich mit ihrer klanglich vielgesichtigen Gestaltung an wie der Soundtrack einer theatralen Revue aus kontrastierenden Klangbildern. Sie fallen nicht massiv aus, sondern sind eher transparent konstruiert, manchmal geradezu kammermusikalisch. Stets zeigen sie eine innere Bewegung und einen dramatischen emotionalen Verlauf. Ihre Sequenz und ihre thematische Gliederung folgt Thoreaus Text. Die Musik will dabei nicht illustrieren, sondern akzentuieren, kommentieren, widersprechen. Da Thoreaus zentrales Thema nicht nur die Natur ist oder die Ablehnung der beginnenden kapitalistischen Moderne und ihrer staatlichen Organisationsformen, sondern immer wieder auch er selbst, gibt es ausdrucksvoll modellierte, oft melodisch und schön anzuhörende Solo-Passagen. Aber auch heftige instrumentale Einwürfe und immer wieder überraschend exotische Klänge. […] Eine Landschafts-Oper mit Sprecher, deren Gesangspartien von Instrumentalisten solistisch gestaltet werden.
Hans-Jürgen Linke, Frankfurter Rundschau