Johannes Brahms: Clarinet Sonatas

András Schiff, Jörg Widmann

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Two great artists, pianist András Schiff and composer/clarinettist Jörg Widmann, join forces for the first time on record, performing Brahms’s late masterpieces, the clarinet sonatas op. 120, written in 1894. In between the sonatas Schiff plays Widmann’s evocative Intermezzi for piano. As Jörg Widmann explains in a programme note, these are works inspired by his friendship with András Schiff and by a shared love of Brahms, to whom they pay tribute. The album was recorded at Neumarkt’s Historischer Reitstadel.
Zwei herausragende Musiker, der Pianist András Schiff und der Komponist und Klarinettist Jörg Widmann, sind hier erstmals auf einer gemeinsamen Aufnahme zu hören. Brahms' späten Meisterwerken, den 1894 entstandenen Klarinettensonaten op. 120, werden zeitgenössische Stücke gegenübergestellt, die eben von dem Geist der Reduktion, wie er in Brahms spätem Schaffen (insbesondere in den Opp. 116-119) vorherrschend ist, inspiriert sind: die Intermezzi für Klavier von Jörg Widmann. In tiefer Freundschaft und durch engen musikalischen Austausch verbunden, sind sie András Schiff gewidmet und liegen nun in Ersteinspielung vor.
Featured Artists Recorded

May 2018, Historischer Reitstadel, Neumarkt

Original Release Date

02.10.2020

  • Sonata E-flat major op. 120/No. 2
    (Johannes Brahms)
  • 1Allegro amabile08:35
  • 2Allegro appassionato05:17
  • 3Andante con moto07:47
  • Intermezzi for piano
    (Jörg Widmann)
  • 4I00:46
  • 5II Zart singend01:22
  • 6III Mit dunkler Glut (agitato sempre)11:59
  • 7IV Wiegenlied (Ruhig fließend)04:13
  • 8V Lento un poco andante01:49
  • Sonata f minor op. 120/No. 1
    (Johannes Brahms)
  • 9Allegro appassionato08:08
  • 10Andante un poco Adagio05:08
  • 11Allegretto grazioso04:24
  • 12Vivace05:19
Widman se montre chez Brahms soucieux de la moindre indication. Le pianist restitue sa partie avec les mêmes scrupules et la même fidélité: y a-t-on en effet jamais entendu pareille varieté d’articulations? Et d’accents, comme à la fin de la seconde sonate? Par un emploi parcimonieux de la pédale forte, Schiff parvient non seulement à phaser comme s’il jouait d’un archet, mais encore à traduire par la résonance le sostenuto brahmsien (‘Allegro appasionato’). Soulignant la douceur et l’intimité de ces sonates, les interprètes en accroissent d’autant l’intensité comme la profondeur […] Cette acuité renouvelée du discours surprendra les oreilles accoutumées à des lectures plus molletonnées. Même elles se laisseront convaincre par le sens de la mesure qui guide Widmann et Schiff, tout comme la spatialisation des différents registres au piano et l’èquilibre constant avec la clarinette.
Bertrand Hainaut, Diapason
 
What a fantastic collaboration this recording of Brahms’ Sonatas for Piano and Clarinet Op.120 turns out to be. The subtitle is accurate: the piano is an equal partner, and often the more dominant. Schiff’s articulation and phrasing leave me nodding in wonder and delight. Widmann’s mastery throughout is unparalleled. The two have collaborated often enough that it’s like listening in on a conversation between brilliant friends. Brahms couldn’t have asked for a more united and insightful reading. […] Widmann dedicated his ‘Five Intermezzi’ to Schiff: solo pieces whose title and content hearken back to Brahms’ late piano pieces. Interposed between the sonatas here, they serve as (mostly) brief enigmas to tease the listener. Think of a clouded mirror. Think of the grumpy ghost of Brahms, still pining, revisiting melancholy.
Max Christie, The Whole Note
 
Anders als Johannes Brahms‘ Intermezzi sind Jörg Widmanns um das mittlere herum aufgebaut, daß nicht nur in seiner Länge einen klaren Schwerpunkt darstellt. Fast könnte man in diesem spiegelbildlichen Zustreben und Abschwellen auf und von diesem Mittelpunkt eine palindromische Figur finden. Nach der verhangenen, beinahe fragmentarischen Einleitung folgt ein weiteres kurzes, impressionistisches Stück, bevor sich Widmann im Mittelteil nun deutlicher seiner ‘Jugendliebe’ (Brahms) zuwendet – so wie der Musiker Widmann auf der Klarinette singt, läßt er den Pianisten in seinen Intermezzi versteckte, rhetorische Gesänge finden: mal wehmütig, melancholisch, doch immer liebevoll hingewandt. András Schiff füllt die Intermezzi mit seiner ganzen Künstlerliebe, seiner Brahms-Kenntnis und -Erfahrung aus. Neue Musik als sinnliche Erfahrung – einfach großartig! Versteht sich von selbst, daß beide Künstler die innige Verbundenheit in den Sonaten nicht erst suchen müssen. Sie haben sie wohl seit Jahren schon gefunden – wie oft werden sie die Stücke gemeinsam aufgeführt haben? Von Routine ist dennoch nichts zu spüren – Brahms‘ Opus 120 Nr. 1 und 2 klingt leidenschaftlich, frei, lieblich. ‘Mit inniger Verbundenheit’, wie eine Satzbezeichnung Schumanns, könnte man sie umschreiben. Widmann und Schiff finden in Gestus und Atem, in Phrasierung und Maß zusammen, wecken Frühlingsgefühle, Impulse, die mehr enthalten als nur die Wehmut der Erinnerung!
Wolfram Quellmalz, Musikalische Blätter
 
Pianist András Schiff gelingt es, mit dem jüngeren Bläserpartner Jörg Widmann das reich verzwickte, melodisch-rhythmische Beziehungsgeflecht nach allen Regeln der ‘entwickelnden Variation’ (Schönberg) dem Hörer mehr als nur plausibel zu machen. Schiffs achtsam gereifte Brahms-Erfahrung und die Flexibilität Widmanns in Intonation und Phrasierung gehen eine traumwandlerische Symbiose ein – austariert zwischen dramatischem Kontrastverlangen und der Lust nach lyrischer Verschmelzung. Als ‘Zugabe’, zwischen den Sonaten, spielt Schiff noch die fünf Intermezzi, die Widmann schon 2010 für ihn komponiert hat, eigenwillige Muster einer emotional verästelten Brahms-Erinnerung - in der expressionistischen Nummer drei ‘mit dunkler Glut’.
Wolfgang Schreiber, Süddeutsche Zeitung
 
Ein wundervolles Album ist das, reich an Poesie, getragen von dichter Atmosphäre, musikalisch auf höchstem Niveau. Ein Album, wie es in Zeiten des Streamings als Ausdruck bewusster Programmgestaltung leider wenig zur Geltung kommt, wie es aber bei ECM unentwegt produziert wird […] Mit welcher Sensibilität Schiff und Widmann diese Musik in die Hand nehmen, lässt keine Wünsche offen. Mit dunklem, jederzeit geschmeidigem Ton wartet der Pianist auf, weite Bögen und sanfte Artikulation bringt der Klarinettist ein, und beides geschieht in vollkommener Übereinstimmung.
Peter Hagmann, Mittwochs um zwölf – Der Blog zur klassischen Musik
 
Placé entre les deux sonates pour clarinette de Brahms, que Widmann interprète de manière
joueuse avec son complice pianiste András Schiff, ce cycle doté d´une grande beauté plastique
témoigne d´une capacité à se déployer tout à fait caratéristique de son modèle romantique. (..)
Chaque page de Widmann donne l´impression qu´András Schiff s´engage dans une intense
improvisation à partie du modèle brahmsien.
Pierre Gervasoni, Le Monde
 
András Schiff und Jörg Widmann, beide massgebende Musiker in ihrem Fach und über es hinaus, haben die beiden Sonaten schon oft gemeinsam aufgeführt. In dieser Aufnahme loten sie sie so aus, dass jeder Ton seine Farbe und sein spezifisches Gewicht gewinnt. Die dreisätzige Sonate in Es-Dur op. 120/2 und ihr viersätziges Pendant in f-Moll op.120/1 rahmen hier fünf Intermezzi ein, die Jörg Widmann in Fortschreibung der drei Klavierstücke op. 117 von Brahms komponiert und die Schiff 2010 uraufgeführt hat. Sie ordnen sich spiegelbildlich um einen dunklen Glutkern und finden über die Zeiten hinweg ins Gespräch mit Brahms.
Manfred Papst, Neue Zürcher Zeitung am Sonntag
 
Angenehm flüssig, ein bisschen keck, aber immer sanftmütig und abgeklärt interpretieren Jörg Widmann und András Schiff die beiden Klarinettensonaten Opus 120 von Johannes Brahms. Dazwischen glänzt der Pianist allein mit seiner sehr sensiblen und ausdrucksvollen Deutung der fünf Intermezzi Widmanns. Diese CD ist eine interpretatorische Glanzleistung. Brahms' Sonaten erstrahlen im schönsten goldenen Oktoberlicht!
Jan Ritterstaedt, Westdeutscher Rundfunk
 
As always with Schiff, clarity is of huge importance in approaching the music, and it calls for pianistic decisions as avoiding excessive pedal or over-emphasizing the bass. Widmann’s tone is gorgeous, with a full, even tone across every register. He and Schiff conjure a wide variety of colors and shading and their control of dynamics is incredible, with some particularly awe-inspiring pianissimos in Widmann’s lowest register. The fruits of their long-standing musical partnership is apparent in almost every bar, as they reveal the emotional essence of this music in an utterly natural, seemingly spontaneous way.
David A. McConnell, Classic Review
 
Im Gegensatz zur symphonisch wuchernden Kammermusik früherer Tage reduziert Brahms die knapp gefassten Sätze formal und satztechnisch auf ein Minim – kaum Gelegenheit für Interpreten, zu glänzen. Jörg Widmann vertieft sich in seiner Neueinspielung ohnehin eher in die Strukturen dieser Werke.  Mit ungeschönt musikantischem Ton bringt der Klarinettist die volksmusikalischen Seiten dieser Musik ebenso zum Vorschein wie die Materialität des Instruments, das Atmen und Klappern. Tasten-Poet András Schiff erweist sich als idealer Kompagnon für diese Herbstwanderung, unprätentiös und nuancenreich mitgestaltend. In seinen ‘Intermezzi’ für Klavier stellt der Komponist Jörg Widmann den beiden Sonaten Echos unserer Zeit zur Seite. Wie Gedankenfetzen lösen sich manche der Klavierstücke unvermittelt auf, das Material der späten Klavierzyklen von Brahms greift Widmann lustvoll auf.
Florian Oberhummer, Salzburger Nachrichten
 
Das Zusammenspiel ist symbiotisch. Da passt kein Härchen zwischen die beiden. Wenn am Ende der CD das ‘Vivace’ aus der f-Moll-Sonate klingt, wirkt das so heiter, so keck, aber nie plump übermütig, dass man glauben möchte, hier habe der alternde Komponist seinen Frieden mit sich und der Welt gemacht. Wobei natürlich das Moment des Melancholischen nicht fehlen darf. Man hört auf dieser CD viele feingezogene Linien, abgewogene Rhythmen und vor allem eine Palette voller Farben. Zusätzlich bietet die Aufnahme Widmanns ‘Intermezzi’, die sich an Brahms anlehnen. Schiff hat sie mehrfach im Konzert gespielt und präsentiert sie nun in einer sehr ausgewogen poetischen Einspielung.
Christian Lahneck, Concerti
 
These musicians have been performing Brahms’s clarinet sonatas for many years, and the mutual admiration between them goes way back. Jörg Widmann’s ‚Intermezzi‘, dedicated to András Schiff, reflects their bond on a deep level. […] The opening movement of the second sonata unfolds with laid-back authority, and the ‚Variations‘ feel like a voyage of exploration. No farewell to chamber music could be more eloquent.
Michael Church, BBC Music Magazine
 
In every respect this is a superb CD, combining playing of the highest craft and musical understanding with great works of the past, as well as new contributions which are likely to become established regulars in the modern piano repertoire
Béla Hartmann, Classical Music Daily
 
András Schiff und Jörg Widmann erkunden den späten Johannes Brahms – schwermütig, aber nicht in jeder Note schimmert eine Träne. Beide Interpreten begegnen sich als Wahlverwandte, die in der Kammermusik eine Intimität entdecken, die als beispielhaft gelten darf. Wie zwei Sänger, die gleich atmen. Das zeigt sich in Rundungen, Übergängen, dramatischen Zuspitzungen und vor allem aber in den langsamen Sätzen, die zu poetischen Inseln werden, zu entrückten Dialogen voller Zärtlichkeit, reich an Andeutungen und Zwischentönen. […] Eine berührende, intensive und daher ohne jede Einschränkung zu empfehlende Aufnahme.
Christoph Vratz, Südwestrundfunk
 
Der Klarinettist Jörg Widmann und der Pianist András Schiff musizieren da derart auf einer Wellenlänge, auf einem Atem und dialogisch, dass man Brahms rückblickend vorwerfen muss, dass er nur diese beiden Sonaten für Klarinette und Klavier geschrieben hat. Immerhin bieten sich für Widmann & Schiff – als Fortsetzung ihrer diskografischen Freundschaft – jetzt noch ein Klarinettentrio und -quintett von Brahms an. Als Scharnier zwischen den Sonaten fungieren hier übrigens fünf Klavier-‘Intermezzi’, die Widmann für Schiff komponiert hat. Und mit diesen Stücken outet sich Widmann nicht nur als Brahmine, sondern einmal mehr auch als ein Freund Robert Schumanns.
Guido Fischer, Rondo
 
Widmann musiziert gemeinsam mit dem großartigen Pianisten András Schiff, beide kümmern sich hingebungsvoll und doch mit aller Vorsicht um die beiden späten Sonaten für Klarinette und Klavier von Johannes Brahms. Vorsicht bedeutet hier: Nicht zu viel Ton, nicht zu viel Euphorie. Überschwang liebte Brahms ohne Zweifel, doch manchmal wirkt er bei weniger diskreten Musikern wie ein digital gespeichertes Bild, bei dessen Bearbeitung auf dem Rechner die Farbskala bis zum Anschlag hochgezogen wird. Zwischen diesen beiden Meisterwerken hören wir, was der Klarinettist Widmann als Komponist kann, und weil er Schiff als Interpreten hat, klingen die ‚Intermezzi für Klavier‘ hinreißend.
Wolfram Goertz, Rheinische Post
 
Nie hat die Musik die Klarinette ungezwungener zum Sprechen gebracht als im Kopfsatz von Brahms’ Es-Dur-Sonate. Das ist bei aller melodischen Schönheit kein reiner Gesang, aber auch keine Rhetorik, weder Dia- noch Monolog, sondern eine eigentümliche Art der klingenden Mitteilung, adressiert an ein schweigendes Gegenüber. Empathisch und emphatisch blast Jörg Widmann in diese sensiblen Äußerungen die Seele hinein. Sein Ton ist gerade und doch biegsam, kantabel und klar. Das tiefe Register mulmt nicht, das hohe kann schneidend scharf sein, muss aber nicht: Der vermeintich unvermeidliche Klangcharakter mutiert bei einem Klarinettisten vom Rang Widmanns zu flexiblem Ausdruck. […] Den durch unmerkliche Kontrapunktik mit der Klarinettenstimme verwobenen Klavierpart spielt Schiff schlichtweg perfekt: energetisch artikuliert, fein konturiert. Ebenso Widmanns Intermezzi mit ihren Brahminischen Erscheinungen (etwa des Wiegenlieds op. 117/1) und beunruhigend geräuschhaften Subtexten.
Martin Mezger, Stereoplay
 
Ein Abenteuer. Jörg Widmann, der viel beschäftigte Komponistenklarinettist, schreibt für den viel beschäftigten Klassikpianisten András Schiff fünf Intermezzi zum Thema Brahms – umrundet von den beiden Sonaten Es-Dur und f-Moll vom Meister der Spätromantik. Die beiden späten Sonaten (op. 120/1+2) sind hier an Klarheit, Stringenz und Logik wohl kaum zu übertreffen […] höchst interessant ist, wie es Widmann in seinen fünf Stücken gelingt, Brahms’sche Melodik und Terzenseligkeit im Kosmos moderner Musik aufblitzen zu lassen, ohne dass eines von beidem leidet.
Stefan Dettlinger, Mannheimer Morgen
 
Nun ist ein Album erschienen, auf dem Widmann und Schiff die Sonaten in Es-Dur und f-Moll zu einem herbstlichen, farbenreichen Leuchten bringen – verschränkt mit fünf Intermezzi für Klavier, die Widmann schon 2010 für den hochgeschätzten Kollegen und dessen ‚erstaunliches Differenzierungsvermögen‘ komponiert hat […] Widmanns Stücke verneigen sich vor Brahms, aber eher aus der Ferne. Als Hommage, die nie den Eigensinn verliert. Im dritten Satz zum Beispiel schreibt er sich in eine Ekstase, die eigentlich die Form des Intermezzos sprengt – und spielt dabei auf die Brahms’sche Vorliebe an, für Orchester und Klavier eine Quinte oder Sexte tiefer zu komponieren als die Zeitgenossen.
Patrick Wildermann, Crescendo
 
Jörg Widmann und András Schiff, Großmeister der Kammermusik, finden für diesen späten Brahms den richtigen Ton zwischen f-Moll-Melancholie und Es-Dur-Heiterkeit, zwischen schroffem Aufbäumen und inniger Lyrik. Dazu gibt es Widmanns fünf Intermezzi, inspiriert von Brahms' gleichnamigen Klavierstücken.
Stefanie Panzenböck, Falter
 
Das was, was Widmann und Schiff hier als Brahms-Interpreten leisten, erstaunt auch beim mehrmaligen Hören. Ihre Aufnahme sticht auch ohne die unkonventionelle Repertoireergänzung aus der Vielzahl von Einspielungen hervor. In der Feinheit des Zusammenspiels spürt man die lange gemeinsame Arbeit und auch die Klangphantasie Widmanns, dessen farbenreicher Klarinettenton dem nuancierten Klavieranschlag ebenso zuspielt wie ihn aufzunehmen versteht, bis in subtile Nachhallprozesse hinein […] Unübertrefflich sinnhaft wirkt zum Beispiel der Zusammenhang von Klangfarbe, Phrasierung und Motivstruktur, mit dem Widmann die weit ausschwingenden Bögen des Themas zu Beginn der Es-Dur-Sonate nachzeichnet, ebenso von Enthusiasmus wie von analytischem Bewusstsein getragen. Das Gleiche kann man auch von Schiffs Klavierspiel sagen, in dem sich Wissen und Überschwang, Feinsinn und Ausdruckskraft nicht im Wege stehen. Die Tempi wirken nie gleichförmig, eher verhalten, aber etwa in den aufblitzenden ungarischen Idiomen oder der Stretta am Schluss der f-Moll-Sonate auch tollkühn zugespitzt.   
Martin Wilkening, Frankfurter Allgemeine Zeitung
 
Jörg Widmann et András Schiff nous offrent de ces deux chefs-d’œuvre une interprétation magistrale et claire dont on ne perd jamais le fil conducteur ni la vue d’ensemble. Jusque dans les épisodes les plus majestueux ou les plus enlevés, la douce mélancolie n’est jamais oubliée, et le petit plus ineffable revendiqué dans les ‚Intermezzi‘ s’inscrit dans la trame de leur interprétation.
Pascal Gresset, Classica
 
Schiff invite ici le compositeur clarinettiste allemande Jörg Widmann pour une interpretation d’anthologie des deux sonates que Brahms a écrites au soir de sa vie. Les tempi coulent de source, tout respire large et tranquille, tout chante avec charme et une infinite pudeur […] Entre les sonates, cinq Intermezzi de Widmann (dédiés à Schiff) sont traversés par les fantômes du passé qui atténuent leur noirceur et leur âpreté. Envoûtant.
Philippe Cassard, L’Obs
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For years András Schiff and Jörg Widmann have come together again and again to play these sonatas from the twilight of Brahms’s career. Both artists are firmly rooted in the Austro-German classical-romantic repertoire; they have held deep discussions of their love for Brahms, deciphered the scores, and developed readings at once intimate, emotionally fulfilled and structurally compelling.
‘Fragments of remembrance and farewell’: thus the musicians describe these sonatas. Yet at times the aura of resignation is mingled with ‘an almost youthful delight that merges miraculously with the melancholy, with the leave-taking’.
 
Weightless entrances, as at the opening of the Second Sonata in E-flat major (one of those works, Schiff adds, ‘that don’t begin but are already there’), bear witness to the interpretive power of these two musicians, who succeed in illuminating, with subtle hues and gossamer phrasing, moments ranging from intimacy to impulsive outbursts.
 
Brahms’s art of ‘composing with almost nothing at all’, of probing a limited amount of material to the nethermost detail, has always, Widmann confides, held him spellbound. The movements are tightly interwoven with thematic relations and contrapuntally compressed, and yet they unfold in the most natural way, seemingly without effort. The analytic gaze of Widmann the composer thus guides us to another special feature of the present recording.
 
In 2010 the two artists gave a recital at the Salzburg Festival retracing the tensions among Brahms’s late works with clarinet. For this occasion Widmann, born in 1973, wrote five piano Intermezzi for his pianist friend. They now appear here for the first time on disc. One might say that Schiff interprets his friend’s musical portrait of the aged Brahms. As Widmann once put it in an introductory talk before a recital of the pieces on our recording, he drew inspiration from Schiff’s ‘sound’ at the piano, from his ‘musicality’ and his ‘blend of musicianliness and studied reflection’. Schiff, for his part, loves Widmann’s sensitive writing for the piano and the supremely lyrical qualities of the Intermezzi.
 
‘Delicately cantabile’ (zart singend) reads the expression mark that Widmann borrowed from Brahms. ‘I tried to write a piano texture that truly sings’, he explains. ‘For years I actually lacked the courage to compose a piece that sings so freely’. The relation to the human voice is intimately linked with the special cantabile of Brahms’ late works. He even called his op. 117 intermezzos (the famous first one is alluded to in Widmann’s fourth piece) the ‘lullabies of my sorrow’. His late piano pieces from op. 116 to op. 119 unite wistful farewells and a profound melancholy full of ‘ecstasy and contentment’ (as Brahms said of op. 119) with extraordinary economy of material and a compositional artistry worthy of the Old Masters.
 
Perhaps no other composer of today can match Widmann’s ability to capture the special tone and instrumental idiom of his great predecessors in a creative spirit and, at the same time, to absorb their poetics. He transforms the stylistic inflection of late Brahms as if it were a rich and manifold language unto itself. Yet the way he assimilates this language allows him to make his own personal and wholly contemporary statements. His acceptance of the principle of musical intertextuality (‘No text written today is conceivable without the totality of all existing texts’) opens up the possibility of relating his own creations to objets trouvés from the past, of reflecting the new in the familiar and plunging into the technical and mental depths of earlier composers’ styles.
 
It goes without saying that Widmann’s Intermezzi initially relate to Brahms’s late piano pieces opp. 116 to 119. But other works from the master’s final period were no less stimulating. Brahms, the former symphonist and self-critical heir to the German musical tradition from Schütz to Beethoven, summarises his self-imposed restriction to epigrammatic miniatures in the term ‘intermezzo’, a transitory and fugitive interlude. Nor was he being ironic: in the early 1890s, not yet 60 years old, he actually considered his compositional output to be finished. The intermezzos are thus basically ‘postludes’ steeped in melancholy.
 
Brahms’s creativity was rekindled in 1891 by his friendship with Richard Mühlfeld, the clarinettist of the Meiningen Court Orchestra. It gave birth to the Clarinet Trio (op. 114) and the Clarinet Quintet (op. 115). Mühlfeld, born in 1856, had started out as a violinist and learnt to play the clarinet later through self-instruction. He played in the Bayreuth première of the Ring in 1876, thereby immediately attracting the attention of Richard Wagner. In 1879 he became the solo clarinettist of the Meiningen Court Orchestra, which, beginning in 1880, was soon shaped into an élite ensemble by its principal conductor, Hans von Bülow.
 
In 1997 ECM New Series released the recording of Johannes Brahms’s two sonatas op. 120, played by Kim Kashkashian and Robert Levin. Brahms considered his version for viola and piano to be equal in importance to the version for clarinet. Our new recording with Schiff and Widmann now features an extraordinary combination of artists in the history of the works’ performance.
 
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Sir András Schiff was born in Budapest in 1953 and has been recording for ECM since the late 1990s. Besides his acclaimed recordings of Beethoven’s 32 piano sonatas and the Diabelli Variations, Bach’s Goldberg Variations and the Well-Tempered Clavier, his impressive ECM discography includes works by Schumann, Janáček and especially Franz Schubert, whose sonatas and piano pieces he has recorded on period instruments.
 
Jörg Widmann was born in Munich in 1973 and appears in the ECM catalogue with several recordings as composer and clarinettist. Elegie, with his Messe for orchestra (conducted by Christoph Poppen) and Fünf Bruchstücke for clarinet and piano (with Heinz Holliger on piano), was released in 2011. It was followed in 2018 by the oratorio Arche (conducted by Kent Nagano) for the inauguration of the Elbphilharmonie in Hamburg. He can also be heard at the side of his sister Carolin in the double concerto Noesis, released in 2010 on the album Strata with works by Erkki-Sven Tüür.
Mit dieser neuen Aufnahme ist eine außergewöhnliche Konstellation in der Interpretationsgeschichte der Werke zu erleben: Über viele Jahre hinweg haben András Schiff und Jörg Widmann die aus der allerletzten Schaffensphase des Komponisten stammenden Sonaten op. 120 immer wieder zusammen aufgeführt. Beide tief im Repertoire der deutsch-österreichischen Klassik und Romantik verwurzelt, haben sie sich über ihre Liebe zu Brahms ausgetauscht, die Partituren entschlüsselt und dabei eine gleichermaßen innige und emotional erfüllte wie eminent strukturbewusste Lesart entwickelt.
 
„Stücke des Rückblicks und des Abschieds“ seien diese Sonaten, so die Musiker, dennoch mischt sich zuweilen in die resignierte Stimmung eine „fast jugendliche Freude, die sich mit der Melancholie, mit dem Abschiednehmen auf wundersame Weise vereint“.
Schwerelose Einsätze wie zu Beginn der zweiten Sonate in Es-Dur, eines dieser Werke, „die nicht beginnen, sondern schon da sind“ (Schiff), zeugen von der Gestaltungskraft der beiden Musiker, die Momente von größter Innigkeit bis hin zu impulsiven Ausbrüchen mit differenzierter Tongebung und feingliedriger Phrasierung auszuleuchten wissen.
Die Brahmssche Kunst, „mit fast nichts zu komponieren“, reduziertes Material bis aufs Äußerste auszuloten, fasziniere ihn immer wieder, bekennt Widmann. So sind die Sätze mit thematischen Bezügen eng ineinander verzahnt und kontrapunktisch verdichtet; sie entfalten sich dennoch auf ganz natürliche Weise, scheinbar ohne jede Anstrengung. Der analytische Blick des Komponisten Widmann führt uns hiermit zu einer weiteren Besonderheit der vorliegenden Aufnahme.
 
Für ein gemeinsames Konzert bei den Salzburger Festspielen 2010, das dem Kraftfeld von Brahms’ späten Werken mit Klarinette nachspürte, hat Jörg Widmann seinem künstlerischen Partner fünf Klavier-Intermezzi geschrieben und gewidmet; sie liegen hier in Ersteinspielung vor. András Schiff interpretiert, wenn man so will, also Widmanns komponierte Interpretation des späten Brahms. Während sich der 1973 geborene Komponist von Schiffs „Klang“ am Klavier, von dessen „Musikalität“, seiner Mischung aus „Musikantentum und reflektiertem Spiel“ angeregt fühlte, wie er in einem Einführungsgespräch zu einer Live-Darbietung des hier eingespielten Programms erklärt hat, liebt der Pianist eigenem Bekunden nach die besonders „feinsinnige“ pianistische Schreibweise und die hohen lyrischen Qualitäten der Intermezzi.
 
„Zart singend“ lautet eine Vortragsbezeichnung, die sich Widmann bei Brahms geborgt hat. „Ich habe versucht, einen wirklich singenden Klaviersatz zu schreiben. Jahrelang habe ich mich tatsächlich nicht getraut, ein Stück zu komponieren, das so hemmungslos singt“, sagt Jörg Widmann. Der Bezug aufs Vokale hängt unmittelbar mit der besonderen Kantabilität der späten Werke Brahms’ zusammen. Seine eigenen Intermezzi op. 117 (deren berühmtes erstes in Es-Dur Widmann in seinem vierten Stück anklingen lässt) hat Brahms auch als „Wiegenlieder meiner Schmerzen“ bezeichnet. Wehmütiges Abschiednehmen und eine intensive Melancholie voller „Wollust und Behagen“ (Brahms über sein op. 119) verbinden sich in den späten Klavierstücken opp. 116 bis 119 mit außergewöhnlich strenger Materialökonomie und einer beinahe altmeisterlichen satztechnischen Kunst.
 
Wohl kein Komponist der Gegenwart versteht es so wie Jörg Widmann, den spezifischen Ton und die instrumentale Schreibweise großer Vorgänger produktiv aufzugreifen, aber auch deren Poetik zu erspüren. Widmann verwandelt sich den Sprachduktus des späten Brahms an, als wäre er eine in sich reich differenzierte Sprache. Er macht sich diese Sprache auf eine Weise zu eigen, die es ihm erlaubt, sehr persönliche und ganz und gar gegenwärtige Aussagen damit zu treffen. Das Bekenntnis zum Prinzip musikalischer Intertextualität – „kein heute zu schreibender Text ist ohne die Gesamtheit aller bestehender Texte denkbar“ – eröffnet die Möglichkeit, das Eigene mit dem Vorgefundenen in Beziehung zu setzen, Neues und Vertrautes ineinander zu spiegeln und dabei in die technischen und mentalen Tiefenschichten individueller Kompositionsstile einzudringen.
 
Naturgemäß beziehen sich Widmanns Intermezzi zunächst auf Brahms’ späte Klavierstücke opp. 116 bis 119. Doch auch die anderen Arbeiten der letzten Schaffensphase des Meisters wirken anregend. Brahms, der einstige Symphoniker, der selbstkritische Erbe der deutschen Musiktradition von Schütz bis Beethoven, fasst seine Beschränkung auf die aphoristisch verknappte Miniatur mit dem Begriff des gleichsam transitorischen „Zwischenspiels“. Das ist insofern nicht ohne Ironie, als Brahms sein eigenes Œuvre zu Beginn der 1890er Jahre, mit noch nicht einmal sechzig Jahren, eigentlich schon für beendet hielt. Die Intermezzi sind also im Grunde „Postludien“ – Nachspiele voller Wehmut.
 
Brahms’ Freundschaft mit Richard Mühlfeld, dem Klarinettisten der Meininger Hofkapelle, von 1891 an, war es, die seine Kreativität erneut anfachte. So entstanden das Klarinettentrio op. 114 und das Klarinettenquintett op. 115. Mühlfeld, Jahrgang 1856, hatte als Geiger begonnen und sich dann autodidaktisch zum Klarinettisten ausgebildet; 1876 spielte er im ersten Bayreuther „Ring“ im Orchester und erregte sogleich die Aufmerksamkeit Richard Wagners. 1879 wurde er als Soloklarinettist der Meininger Hofkapelle engagiert, die Hans von Bülow ab 1880 dann rasch zu einem Elite-Klangkörper formte.
 
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Sir András Schiff, 1953 in Budapest geboren, nimmt seit Ende der 1990er für ECM auf. Neben der viel beachteten Gesamteinspielung der 32 Klaviersonaten Ludwig van Beethovens und dessen „Diabelli-Variationen“, den Bach’schen Goldberg-Variationen und dem Wohltemperierten Clavier umfasst seine viel beachtete Label-Diskographie u.a. Werke von Schumann, Janáček und vor allem Franz Schubert, dessen Sonaten und Klavierwerke er auf einem historischen Hammerklavier eingespielt hat.
 
Jörg Widmann, 1973 in München geboren, ist als Komponist und Klarinettist bei ECM mit mehreren Titeln vertreten. 2011 erschien Elegie mit Widmanns „Messe“ für Orchester (Ltg.: Christoph Poppen), und den „Fünf Bruchstücken“ für Klarinette und Klavier (mit Heinz Hollger, Klavier). 2018 folgte das zur Eröffnung der Hamburger Elbphilharmonie komponierte Oratorium „Arche“ unter Leitung von Kent Nagano. Auf Strata mit Werken von Erkki-Sven Tüür (2010) ist Widmann an der Seite seiner Schwester Carolin überdies in dem Doppelkonzert „Noesis“ zu hören.
YEAR DATE VENUE LOCATION
2024 June 26 Elbphilharmonie Hamburg, Germany
2024 June 30 Château du Clos de Vougeot Burgund, France
2024 July 04 Palacio Carlos V Granada, Spain
2024 July 11 Kunstpalast Düsseldorf, Germany
2024 July 16 Pfarrkirche Lockenhaus, Austria
2024 July 23 Église de Verbier station Verbier, Switzerland
2024 July 25 Église de Verbier station Verbier, Switzerland
2024 July 27 Menuhin Festival- Kirche Saanen Gstaad, Switzerland
2025 May 18 Herkulessaal Munich, Germany
2025 May 19 Tonhalle Zurich, Switzerland