Ludwig van Beethoven: Diabelli-Variationen

András Schiff

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Beethoven’s Diabelli Variations are considered a magnum opus of the piano repertoire, a towering contribution to the genre and an entire Encyclopedia of pianism.
Following his monumental exploration of the 32 Sonatas, András Schiff has now recorded – on two period instruments – remarkable, contrasting versions of the Diabelli Variations alongside major late works with intrinsic ties to them. The Sonata Op. 111 and the Diabelli Variations (CD 1) are played on an original Bechstein grand from 1921, and the second reading of the Diabelli Variations, (paired with the op. 126 Bagatelles on CD2) on a Hammerflügel fortepiano from Beethoven’s own day. This gives listeners a unique opportunity to compare the rich range of these highly contrasting sonic universes, a world apart from modern day instruments.
In his liner note András Schiff acknowledges the value of having been able to consult the previously unknown original manuscript of the Variations which provided invaluable insight into Beethoven’s compositional process and intentions.

Über den Rang der Diabelli-Variationen als „Opus magnum“ im pianistischen Œuvre von Beethoven und als eines der musikhistorisch gewichtigsten des Genres überhaupt herrscht lange schon Einigkeit. András Schiff hat nach seiner vielfach preisgekrönten CD-Einspielung sämtlicher zweiunddreißig Klaviersonaten von Beethoven bei ECM nun eine Aufnahme der Diabelli-Variationen vorgelegt, die in mehrerer Hinsicht außergewöhnlich genannt werden muss. Zunächst hat der ungarische Künstler das kolossale Variationenwerk mit zwei weiteren späten Hauptwerken für Klavier, der Sonate op. 111 und den Bagatellen op. 126 kombiniert. Im Falle der Sonate, die schon den markanten Schlusspunkt seiner Gesamtaufnahme aller Sonaten auf acht Alben bei ECM gesetzt hat, wird hier in dieser Neuaufnahme noch einmal eindrucksvoll der innere Zusammenhang zu den Diabelli-Variationen bewusst gemacht.
András Schiff hat seine Einspielung nicht auf einem modernen Steinway durchgeführt, vielmehr in zwei verschiedenen Fassungen auf zwei älteren Instrumenten: einem Hammerflügel aus der Zeit Beethovens, der die ganze reiche Klangwelt des Komponisten aufscheinen lässt, und einen originalen Bechsteinflügel von 1921: Die CD 1 enthält die Sonate op. 111 und die Diabelli-Variationen, aufgenommen auf dem Bechsteinflügel, CD 2 dann eine zweite Fassung der Diabelli-Variationen und die Bagatellen op. 126 in einer Einspielung auf einem Fortepiano von Franz Brodmann aus dem Jahre 1821 aus Wien. Man hat somit die Gelegenheit eines Vergleichs dieser unterschiedlichen, differenzierten, auch durch die zusätzlichen Pedale außergewöhnlichen Klangwelten. Schließlich hat András Schiff für seine Einspielung auf die Beethovensche Originalhandschrift des Werkes zurückgreifen können, die bisher unzugänglich war. Sie verschafft Einblicke in die Werkstatt des Komponisten und ist zugleich unschätzbare Brücke zu den Intentionen Beethovens.
Featured Artists Recorded

July & December 2012

Original Release Date

27.09.2013

  • CD 1
  • Sonate Nr. 32 in c-Moll op. 111
    (Ludwig van Beethoven)
  • 1I. Maestoso - Allegro con brio ed appassionato08:54
  • 2II. Arietta. Adagio molto et cantabile17:20
  • Diabelli-Variationen op. 120
    (Ludwig van Beethoven)
  • 3Thema. Vivace00:45
  • 4Var. I. Alla marcia maestoso01:38
  • 5Var. II. Poco allegro00:48
  • 6Var. III. L'istesso tempo01:20
  • 7Var. IV. Un poco più vivace00:59
  • 8Var. V. Allegro vivace00:58
  • 9Var. VI. Allegro ma non troppo e serioso01:35
  • 10Var.VII. Un poco più allegro01:08
  • 11Var. VIII. Poco vivace01:28
  • 12Var. IX. Allegro pesante e risoluto01:52
  • 13Var. X. Presto00:41
  • 14Var. XI. Allegretto01:09
  • 15Var. XII. Un poco più moto01:00
  • 16Var. XIII. Vivace01:11
  • 17Var. XIV. Grave e maestoso03:34
  • 18Var. XV. Presto scherzando00:37
  • 19Var. XVI. Allegro01:02
  • 20Var. XVII01:03
  • 21Var. XVIII. Poco moderato01:35
  • 22Var. XIX. Presto00:58
  • 23Var. XX. Andante01:43
  • 24Var. XXI. Allegro con brio01:09
  • 25Var. XXII. Allegro molto00:38
  • 26Var. XXIII. Allegro assai00:55
  • 27Var. XXIV. Fughetta. Andante02:32
  • 28Var. XXV. Allegro00:52
  • 29Var. XXVI01:28
  • 30Var. XXVII. Vivace01:01
  • 31Var. XXVIII. Allegro01:05
  • 32Var. XXIX. Adagio ma non troppo01:09
  • 33Var. XXX. Andante, sempre cantabile01:46
  • 34Var. XXXI. Largo molto, espressivo04:31
  • 35Var. XXXII. Fuga. Allegro - Poco adagio02:53
  • 36Var. XXXIII. Tempo di Menuetto moderato04:12
  • CD 2
  • 1Thema. Vivace00:48
  • 2Var. I. Alla marcia maestoso01:39
  • 3Var. II. Poco allegro00:54
  • 4Var. III. L'istesso tempo01:25
  • 5Var. IV. Un poco più vivace01:01
  • 6Var. V. Allegro vivace00:59
  • 7Var. VI. Allegro ma non troppo e serioso01:40
  • 8Var.VII. Un poco più allegro01:13
  • 9Var. VIII. Poco vivace01:31
  • 10Var. IX. Allegro pesante e risoluto01:56
  • 11Var. X. Presto00:44
  • 12Var. XI. Allegretto01:07
  • 13Var. XII. Un poco più moto01:05
  • 14Var. XIII. Vivace01:12
  • 15Var. XIV. Grave e maestoso03:31
  • 16Var. XV. Presto scherzando00:39
  • 17Var. XVI. Allegro01:02
  • 18Var. XVII01:09
  • 19Var. XVIII. Poco moderato01:40
  • 20Var. XIX. Presto00:59
  • 21Var. XX. Andante01:49
  • 22Var. XXI. Allegro con brio01:10
  • 23Var. XXII. Allegro molto00:43
  • 24Var. XXIII. Allegro assai00:58
  • 25Var. XXIV. Fughetta. Andante02:34
  • 26Var. XXV. Allegro00:53
  • 27Var. XXVI01:29
  • 28Var. XXVII. Vivace01:04
  • 29Var. XXVIII. Allegro01:12
  • 30Var. XXIX. Adagio ma non troppo01:11
  • 31Var. XXX. Andante, sempre cantabile01:57
  • 32Var. XXXI. Largo molto, espressivo04:30
  • 33Var. XXXII. Fuga. Allegro - Poco adagio03:01
  • 34Var. XXXIII. Tempo di Menuetto moderato04:12
  • Sechs Bagatellen op. 126
    (Ludwig van Beethoven)
  • 35Andante con moto cantabile e compiacevole02:54
  • 36Allegro02:56
  • 37Andante cantabile e grazioso02:23
  • 38Presto03:44
  • 39Quasi Allegretto02:16
  • 40Presto - Andante amabile e con moto04:01
Both discs are enthralling. In the sleeve notes Schiff makes an eloquent case for resisting what he sees as the ‘globalisation’ of piano music, in which everything is played on a Steinway. […] Anyone who heard the Wigmore recitals will recognise the cool clarity of the sound the Bechstein makes and the elegance Schiff achieves with it, whether in the transcendence of the last movement of Op 111 or the quicksilver changes of mood in the variations, but it’s the version of the Diabelli on the 19th-century instrument that is the more remarkable.
That performance revels in the very lack of homogeneity in the soundworld of the instrument itself, with its distinctly different character in each register, and with the ability to change those characteristics using the four pedals. Balances and perspectives shift constantly within the music, and Schiff exploits the effects quite wonderfuly – thinning the sound to a silvery thread with the una corda pedal, producing a wonderfully veiled quality in the middle registers with the moderator, or a snarling buzz in the bass with the bassoon. The whole world of the variations opens out.
Andrew Clements, The Guardian
 
No pianist has a greater awareness of sound-colour than András Schiff. Here, he experiments by twice giving beautifully shaped readings of Beethoven’s Diabelli Variations, that extraordinariy wide-ranging sequence of fantasies: once on a Franz Brodmann fortepiano of 1820, once on a Bechstein grand of 1921. Each instrument shines its distinctive light on this music.
Stephen Pettitt, Sunday Times
 
Ungewöhnlich, innovativ, herausfordernd: zwei Aufnahmen desselben Werkes an zwei verschiedenen Instrumenten – das verlangt Mut vom Produzenten und Neugierde beim Hörer, dem sich eine herrliche Gelegenheit zum unmittelbaren Vergleich bietet. Diese Doppel-CD beweist, wie sehr wir uns an den Einheitsklang der modernen großen Konzertflügel gewöhnt haben. Der über 90 Jahre alte Bechstein singt bezaubernd in den oberen Tonbereichen, kein Bollern oder stählernes Dröhnen im Bass; und das historische Fortepiano verfügt über unterschiedliche Register und damit über reizvolle Klangfarben-Zonen, die erahnen lassen, wie Beethoven sich seine Musik damals vorgestellt haben dürfte:
Schiff hatte lange gewartet, bis er dieses Mammut-Werk erstmals öffentlich und dann auch im Aufnahmestudio gespielt hat – bis in Details hinein vergräbt er sich in jeden Takt, in jeden Akzent, jede Rhythmisierung. Auf einmal steht Beethoven nicht als einheitlich grimmiger Titan dar, sondern als jemand, der ständig die Maske wechselt: mal ist er Schalk und voller Humor, mal gibt er den Philosophen und Grübler, dann den großen Theatraliker, schließlich präsentiert er sich (etwa in den Fugen-Abschnitten) als Referent für Alte Musik. […] Wie umsichtig Schiff dieses Programm erstellt hat, zeigt die Einbindung der Diabelli-Variationen: auf der ersten CD geht dem Zyklus die Sonate op. 111 voraus, die mit einem C endet – genau dort, wo Diabellis Walzer beginnt. Und auf der zweiten CD lässt Schiff die späten Bagatellen op. 126 folgen, die wie ein Nachgesang auf Beethovens große Klavierwerke wirken. Zwei CDs – ein Meilenstein.
Christoph Vratz, NDR Kultur
 
Das Ergebnis ist ein höchst bedenkenswertes Hörexperiment und ein starkes Plädoyer wider die, wie Schiff im Hinblick auf die heutige Steinway-Dominanz meint, ‘unglückliche Globalisierung in der Klaviermusik’ unserer Tage. […] Was zumindest der semi-historischen Bechstein-Aufnahme im Vergleich mit der Katalogkonkurrenz einen Spitzenplatz sichert, ist die musterhaft genaue, individuelle Spielmanieren ausklammernde Textrealisierung in Verbindung mit einem ausgewogenen und erfüllten Musizieren, das einen goldenen Mittelweg zwischen Pathos und Philologie hält. Auch ein Vergleich mit der 2007 im Rahmen seines Beethoven-Zyklus für ECM entstandenen Aufzeichnung des op 111 bestätigt den neuen Zuwachs an harmonischer Geschlossenheit im Spiel Schiffs.
Ingo Harden, Fono Forum
 
The two-disc set is a richly nuanced look at late Beethoven (it also includes Beethoven’s last sonata, Opus 111, played on the piano and his Bagatelles, Opus 126, on the historic fortepiano). This is a Beethoven reaching for spiritual heights, conveying hair-pulling emotional drama, envisioning a music of the future of new sounds and complexities and also fooling around like the goofy genius he also was. Schiff, in what is likely to be the standout Beethoven recording of the year, misses nothing.
Mark Swed, The Los Angeles Times
 
Grosse Pianisten lassen sich deshalb viel Zeit mit den Diabelli-Variationen, sie studieren und spielen sie jahrzehntelang, bevor sie damit ins Aufnahmestudio gehen. András Schiff war 59 Jahre alt, als er den Schritt wagte. Und er wagte gleich noch etwas anderes: Er verschmähte den modernen Steinway-Flügel und zog zwei historische Instrumente vor, nämlich einen Bechstein von 1921, den schon Wilhelm Backhaus geschätzt hat, und ein Franz-Brodmann-Fortepiano (Wien 1820), das er aus dem Besitz von Jörg Ewald Dähler erworben und dem Beethovenhaus Bonn als Leihgabe zur Verfügung gestellt hat. Das ist ein Glücksfall, denn mit diesen beiden Wiedergaben gewinnen wir ein Moment von Intimität zurück, das ein übergrosser Konzertsaal und das gleichmacherische Klangbild moderner Flügel niemals erreichen können. Der runde, weiche Klang des Diskants beim Bechstein-Flügel und das unglaublich sonore Bassregister beim Wiener Brodmann-Fortepiano, ja überhaupt das Festhalten an unterschiedlichen Registertönungen bescheren dem Hörer wahre Wunder an Klangfarben und Anschlagsdifferenzierung. Selbst der durch Pausen betonte Gegensatz zwischen Forte-Akkorden und Piano-Antworten in Variation XIII bietet einen prachtvoll runden Raumklang; Vergleichsaufnahmen auf dem Steinway wirken nun geradezu blechern und schrill. […]Wie Schiff in der «Fughetta» (Nr. XXIV) und in der hochkomplexen Schlussfuge (Nr. XXXII) die Stimmeneinsätze und die Engführungen leuchtend klar herausarbeitet, zeigt Erfahrung und Format des gestandenen Bach-Interpreten. Aber er zeigt noch etwas, was viele andere Interpreten nicht in dem Masse kenntlich machen: Beethovens Humor. Sei es die «Don Giovanni»-Parodie (Nr. XXII), sei es jene Dampfwalze schon in Variation I, die den harmlosen Walzer gnadenlos platt macht, sei es die grimmige Aufblätterung der Motiv-Elemente, eines wahren Diabelli-Teilelagers, sei es aber auch jenes melancholische, schon entrückte Lächeln des abschliessenden «Tempo di Minuetto»: Ohne erdenschweren Tiefsinn findet Schiff die angemessene lichte Heiterkeit, die auf Wissen beruht. Eine Beethoven-Hommage auf Augenhöhe.
Hartmut Lück, Neue Zürcher Zeitung
 
He plays Beethoven’s ‘Diabelli Variations’ twice, once on a 1921 Bechstein and again on a Franz Brodmann fortepiano circa 1820, an instrument in awesomely good condition. The differences are fascinating. The Bechstein offers fairly even brilliance across its range: Diabelli’s theme trots like a glittering circus pony. The Brodmann colours are more mysterious, with greater subtleties in light and shade, generously displayed across the ‘Variations’ as well as Beethoven’s Six Bagetelles.
Yet either piano’s textures and reverberations would mean little without Schiff’s artistry and intelligence. The ‘Diabelli Variations’ have never seemed so playfully filled with irony, comic pratfalls and the wild goose chase. Whatever instrument he uses, Schiff rewards the closest listening.
Geoff Brown, The Times
 
The predictably penetrating, intense playing of the mighty Diabellis on this disc is to be expected from Andras Schiff, but there's a twist: he does them twice, first on a 1921 Bechstein and then on a Hammerflügel fortepiano from Beethoven's era. The result is a primer on pianism, rounded out by Beethoven's final piano sonata and the Opus 126 Bagatelles.
Zachary Woolfe, The New York Times
 
Hört man András Schiff nun zu, so macht man ganz neue Erfahrungen, die nur zum Teil darauf zurückzuführen sind, dass er Beethovens Handschriften genau studiert und daraus neue Einsichten zu Spielweise und Dynamik gewonnen hat. Schiffs an Bach geschulte Klarheit und Zurückhaltung kommen auch Beethovens Werk zugute. Nein, es sind auch die Instrumente, die ihren Teil zum Zauber dieser zwei CDs beitragen – das Bechstein-Piano mit seinem hellen und warmen, das Brodmann-Fortepiano mit silbrig-klarem Klang. […] so bestätigt sich gleich zweimal András Schiffs pianistische Meisterschaft. Zart und perlend ist oft sein Spiel, staunenswert filigran nicht nur in den Diabelli-Variationen, sondern beispielsweise auch in Beethovens letzter Klaviersonate, und getragen von einer großen interpretatorischen Bescheidenheit.
Rolf App, St. Galler Tagblatt
 
Nun spielt er das Werk (flankiert von der Klaviersonate c-moll op.111 und den Bagatellen) auf der neuen ECM-Produktion gleich zwei Mal: zuerst auf einem Bechstein-Flügel von 1921, dann auf einem Hammerklavier von Franz Brodmann, gebaut in Wien um 1820.
Wir erleben einen faszinierenden Zeitentransfer, gleichsam in zwei Schritten von heute über jeweils hundert Jahre zurück zur Quelle des Klangs. Schiff macht sich und uns ein Fest daraus, die Unterschiede prall klingen zu lassen. Doch dazu muss er keine künstlichen Gegensätze etwa in Tempo, Dynamik, Artikulation oder Stimmtonhöhe konstruieren, die Instrumente selbst sind grundverschieden und sprechen für sich, jedes mit eigener Sprache. […] Der Bechstein fügt die Welt mit Wohllaut zusammen, das Hammerklavier zerlegt sie, guckt über ihren Tellerrand, splittet sie auch schon mal in Einzelklänge. Jede Aufnahme für sich ist ein Ereignis, oder, um mit Voltaire zu sprechen: Zu zweit sind sie die besten aller Welten.
Wolfram Goertz, Die Zeit
 
Man erlebt also eine pädagogisch praktische, durchaus sensibilisierende Schule des vergleichenden Hörens. Und plötzlich erscheint einem trotz scheppernder Obertöne und einer gewissen Kurzatmigkeit das Instrument des 19. Jahrhunderts näher, richtiger. Hier stimmt die Balance – gerade durch fehlende Homogenität der Register, die den seine vier Pedale nutzenden Pianisten als kreative Kontrollinstanz viel stärker fordert. So bekommt fast jede Variation auch durch ostentative Klangmanipulationen ihren eigenen Charakter. Da bleibt nichts übrig vom oft beklagten sperrigen Charakter dieser fast schon abstrakten Musik über Musik. Die Glasperlenspielereien atmen plötzlich Witz, Tiefe, Hintergründigkeit, ja sogar Melancholie.
Manuel Brug, Die Welt
 
András Schiff hat die Diabelli-Variationen nun allerdings nicht aus didaktischen Gründen gleich doppelt eingespielt. Er interpretiert nicht jeweils demonstrativ ‚anders’, vielmehr sind beide Lesarten von der Besonnenheit geprägt, die sein Klavierspiel auszeichnet: quasi organisch entwickeln sich die Linien, fügen sich die Argumente in leuchtender Transparenz fast wie von selbst, und das Ohr folgt dem Vortrag mit Lust, bis in feinste Verästelungen. […] die Werke op. 111 und op.120 spielt Schiff auf einem wundervollen Bechstein-Flügel, wie Schnabel ihn benutzt hatte, Baujahr 1921, mit blühendem Diskant. Man möchte das fortan nie wieder anders hören! Oder vielleicht doch? Denn auch das zweite Programm, op.120 plus op. 126, vorgetragen auf einem Hammerflügel der Beethovenzeit (einem Franz-Brodmann-Flügel, Baujahr 1820) entfaltet unerhörte Reize, mit den verschiedenfarbigsten Registern, einer zart rumpelnden Tiefe, der kühnen Klarheit in der Höhe. Der Pianist ist mit sich und dem Stück allein: ein intimes Kammerspiel.
Eleonore Büning, Frankfurter Allgemeine Zeitung
 
The new ECM double album is groundbreaking in two way: firstly Schiff here extends his visionary interpretations of Beethoven already attested to in the recent ECM sonata cycle to this late masterpiece, offering the listener the treat of enjoying his profound expressive insights and structural command, especially of contrapuntal textures. Secondly, Schiff’s quest to liberate our ears and widen our awareness of and response to a wider pianistic palette than usually offered in conventional recordings made on certain modern concert grand pianos is here taken a stage further. In the Beethoven cycle Schiff played on both a Bösendorfer and a Steinway, yet here he is even more radical in presenting two complete  performances of the Diabelli on two pianos from the past. [...] this is riveting listening – like a good thriller one does not want to interrupt the thought flow, through to the last three variations. For the achievement here is Schiff’s steady yet always involving exploration of the thematic development towards the profound and monumental final variations, that brings Diabelli’s ‘cobbler’s patch’ to its sublime realisation.
Malcom Miller, Piano Journal
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The Diabelli Variations have long been considered a magnum opus in Beethoven's piano music and a towering historical contribution to the genre, with Bach's Goldberg Variations as their forebear and Brahms's Handel Variations as their heir.

Yet many pianists, even great pianists, have been intimidated by their sheer immensity. Throughout their careers Edwin Fischer and Wilhelm Kempff gave a wide berth to this allegedly unwieldy masterpiece, a work that sometimes sounds like a melancholy or grimly humorous commentary on the whole of music history and seems to cast an avant-gardist glance at 20th- or even 21st-century music.

Hans von Bülow called this musical monument a microcosm of Beethoven's genius. It is not a set of variations in the traditional sense, for rather than weaving ornamental garlands around its simple theme, it dissects it in order to develop an entire encyclopaedia of pianism from its material.

Now András Schiff has followed up his prize-winning complete set of Beethoven's 32 piano sonatas for ECM with a recording of the Diabelli Variations that is remarkable in many ways.

First, this Hungarian pianist combines the colossal variations with two other major late works from Beethoven's pianistic oeuvre: the Sonata op. 111 and the Bagatelles op. 126 (the former having concluded of course his traversal of the complete Sonatas for ECM). This new recording impressively draws attention to these works’ intrinsic ties to the Diabelli Variations. The Arietta theme in op. 111 and Diabelli's waltz are both set in C major in triple meter, and both begin with an upbeat. Still more striking are the identical intervals that define both themes: the descending 4th from C to G, and the descending 5th from D to G. Further, the bagatelles are far removed from what their title might seem to imply: they are Beethoven's final utterances on his preferred instrument. András Schiff has referred to them as aphorisms, as poetic as they are profound, and even calls the Fourth Bagatelle 'an almost demonic piece of astonishing modernity'.

But the recordings are remarkable for other reasons, too. Rather than using a modern Steinway, András Schiff has recorded them in two different versions on two period instruments. CD 1 (op. 111 and the Diabelli Variations) on an original Bechstein grand from 1921, the instrument preferred by Wilhelm Backhaus and Artur Schnabel, and one in which András Schiff sees an almost forgotten sound-ideal. CD 2 (a second reading of the Diabelli Variations and the op. 126 Bagatelles) is recorded on a Hammerflügel fortepiano from Beethoven's own day which, with its extraordinary extra pedals, reveals the full rich panoply of the composer's sonic universe. This gives listeners a unique opportunity to compare these highly contrasting sonic universes with their rich range of sound, so very different from the balanced, disengaged sound of a modern day instrument.

Finally, András Schiff has been able to consult Beethoven's previously unknown original manuscript of the variations for his recording. Thanks to his initiative and support, this manuscript has been preserved among the holdings of the Bonn Beethoven House since 2009. More than any other source, it sheds light on the compositional process, with Beethoven's penmanship and writing speed offering subtle hints as to crescendos, tempos and arcs of tension. Not only does this source provide insight into the composer's workshop, it also forms an invaluable bridge to Beethoven's intentions.
Über den Rang der Diabelli-Variationen als Opus magnum im pianistischen Œuvre von Beethoven und als eines der musikhistorisch gewichtigsten des Genres überhaupt – mit den Goldberg-Variationen von Bach als Erbgut und den „Händel-Variationen“ von Brahms als Konsequenz – herrscht lange schon Einigkeit.

Dabei hat die Größe des Werkes auf manche Pianisten – und nicht die unbedeutendsten – auch einschüchternd gewirkt. Edwin Fischer oder Wilhelm Kempff haben zeitlebens ehrfürchtig einen Bogen um dieses angeblich so sperrige Hauptwerk gemacht, das bisweilen als melancholischer, oft grimmig humorvoller Kommentar zur gesamten Musikliteratur erscheint und manchmal auch wie ein avantgardistischer Blick auf die Musik des zwanzigsten oder gar einundzwanzigsten Jahrhunderts wirkt.

Einen Mikrokosmos des Beethovenschen Genies nannte Hans von Bülow dieses kompositorische Monument, das kein Variationenwerk im traditionellen Sinne darstellt, weil es das simple Thema nicht ornamental umspielt, sondern in seine Teile zerlegt, um aus dem musikalischen Material eine ganze Enzyklopädie des Klavierspiels zu entwickeln.

András Schiff hat nach seiner vielfach preisgekrönten CD-Einspielung sämtlicher zweiunddreißig Klaviersonaten von Beethoven bei ECM nun eine Aufnahme der Diabelli-Variationen vorgelegt, die in mehrerer Hinsicht außergewöhnlich genannt werden muss.

Zunächst hat der ungarische Künstler das kolossale Variationenwerk mit zwei weiteren späten Hauptwerken für Klavier, der Sonate op. 111 und den Bagatellen op. 126 kombiniert. Im Falle der Sonate, die schon den markanten Schlusspunkt seiner Gesamtaufnahme aller Sonaten auf acht Alben bei ECM gesetzt hat, wird hier in dieser Neuaufnahme noch einmal auf eindrucksvolle Weise der innere Zusammenhang zu den Diabelli-Variationen bewusst gemacht. Das Thema der Arietta von op. 111 und der Walzer von Diabelli stehen beide in der Tonart C-Dur, sind auftaktig und im Dreiermetrum gestaltet. Noch auffälliger sind die gleichen Intervalle, die fallende Quarte C-G und die fallende Quinte D-G, die beide Themen charakterisieren. Und die Bagatellen sind alles andere als das, was der Begriff suggerieren mag. Es sind die letzten Auseinandersetzungen Beethovens mit seinem bevorzugten Instrument. András Schiff hat sie als ebenso poetische wie tiefsinnige Aphorismen, die vierte Bagatelle gar als „eine geradezu dämonischer Musik von erstaunlicher Modernität“ bezeichnet.

Die Aufnahmen sind aber noch aus anderen Gründen bemerkenswert. Denn András Schiff hat seine Einspielung nicht auf einem modernen Steinway durchgeführt, vielmehr in zwei verschiedenen Fassungen auf zwei älteren Instrumenten: einem Hammerflügel aus der Zeit Beethovens, der die ganze reiche Klangwelt des Komponisten aufscheinen lässt, und einen originalen Bechsteinflügel von 1921, das bevorzugte Instrument eines Wilhelm Backhaus und eines Artur Schnabel, das auch für András Schiff ein nahezu vergessenes Klangideal darstellt. Die CD 1 enthält die Sonate op. 111 und die Diabelli-Variationen, aufgenommen auf dem Bechsteinflügel, CD 2 dann eine zweite Fassung der Diabelli-Variationen und die Bagatellen op. 126 in einer Einspielung auf einem Fortepiano von Franz Brodmann aus dem Jahre 1821 aus Wien. Man hat somit die einmalige Gelegenheit eines Vergleichs dieser so unterschiedlichen, sehr differenzierten, auch durch die zusätzlichen Pedale außergewöhnlichen Klangwelten, die sich so sehr von dem ausgeglichenen, kühl-objektiven Ton eines modernen Instruments unterscheiden.

Schließlich hat András Schiff für seine Einspielung auf die Beethovensche Originalhandschrift des Werkes zurückgreifen können, die bisher unzugänglich gewesen ist und auch dank seiner Initiative und Unterstützung seit dem Jahr 2009 zur Sammlung des Bonner Beethoven-Hauses gehört. Mehr als jede andere Quelle des Werkes gibt dieses Original Aufschluss über den Schaffensprozess der Komposition, wobei Schriftduktus und Schriftdynamik subtile Hinweise auf Spannungsbögen, Crescendi und Tempi geben. Die Handschrift verschafft Einblicke in die Werkstatt des Komponisten und ist zugleich unschätzbare Brücke zu den Intentionen Beethovens.
YEAR DATE VENUE LOCATION
2025 December 12 historischer Reitstadel Neumarkt, Germany
2025 December 18 Pierre Boulez Saal Berlin, Germany
2025 December 21 Pierre Boulez Saal Berlin, Germany
2025 December 26 Pierre Boulez Saal Berlin, Germany
2025 December 29 Pierre Boulez Saal Berlin, Germany
2026 January 01 Pierre Boulez Saal Berlin, Germany
2026 January 04 Pierre Boulez Saal Berlin, Germany
2026 January 05 Barbican Centre London, United Kingdom
2026 January 07 Konzerthaus Vienna, Austria
2026 January 09 Tonhalle St. Gallen, Switzerland
2026 January 14 Tonhalle Zurich, Switzerland
2026 January 15 Tonhalle Zurich, Switzerland
2026 January 17 Tonhalle Zurich, Switzerland
2026 January 21 Noda BCVS Sion, Switzerland
2026 January 22 Stadtcasino Basel, Switzerland
2026 January 23 Festspielhaus Baden-Baden, Germany
2026 January 25 Mozarteum Salzburg, Austria
2026 January 26 Konzerthaus Vienna, Austria
2026 January 28 historischer Reitstadel Neumarkt, Germany
2026 January 31 Auditorium Orchestre National Lyon, France
2026 April 30 Teatro Olimpico Vicenza, Italy
2026 May 01 Basilica de Ss. Felice e Fortunatus Vicenza, Italy
2026 May 02 Teatro Olimpico Vicenza, Italy
2026 May 03 Teatro Olimpico Vicenza, Italy