Siwan - Nahnou Houm

Jon Balke

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Their ECM debut, released in 2009, won awards including the Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik, the album of the year prize of the German record critics. Now Siwan, the international collective led by Norwegian keyboardist-composer-arranger Jon Balke, is back, rallying its powerful instrumental forces behind a new lead singer, Mona Boutchebak from Algeria. Perceived correspondences between Arabic music, Andalusian classical music and European baroque music fired Jon Balke’s imagination when he started this project a decade ago. To bring these sound worlds closer together he set poetry of Al Andalus, reflecting upon a period of coexistence between adherents of the three great religions. But Siwan does not set out to be an “historical” project: it’s a contemporary creation, delivered by an alliance of strongly individual players, fronted by a vocalist deeply rooted in Arab music traditions. The new album is launched as Siwan begins a European tour.
Ihr 2009 erschienenes ECM-Debüt wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik. Nun ist Siwan, das international besetzte Kollektiv unter der Leitung des norwegischen Keyboarders, Komponisten und Arrangeurs Jon Balke, zurück und versammelt seine mächtigen Instrumentalkräfte hinter einer neuen Leadsängerin, der Algerierin Mona Boutchebak. Seine Wahrnehmung der Verbindungen zwischen arabischer Musik, klassischer andalusischer und europäischer Barockmusik befeuerten Balkes Vorstellungskraft, als er das Projekt vor einer Dekade ins Leben rief. Um diese einander näher zu bringen, vertonte er Gedichte von Al Andalus, und reflektierte so eine Periode der Koexistenz zwischen den Angehörigen der drei großen Religionen. Aber Siwan versteht sich nicht als „historisches“ Projekt: Es ist eine zeitgenössische Kreation, geschaffen von einer Allianz ausgesprochen individueller Musiker, mit einer Vokalistin, die tief in arabischen Musiktraditionen verwurzelt ist. Das neue Album erscheint zum Start einer Europatournee.
Featured Artists Recorded

January 2017, Madstun and ‘The Village Recording’, Copenhagen

Original Release Date

03.11.2017

  • 1Duda
    (Ibn Al Zaqqaq, Jon Balke)
    05:38
  • 2Desmayar Se
    (Lope de Vega, Jon Balke)
    02:35
  • 3Castigo
    (Ibn Al Zaqqaq, Jon Balke)
    04:45
  • 4Del Rey
    (Jon Balke)
    04:59
  • 5Ma Kontou
    (Traditional)
    04:12
  • 6Nahnou Houm
    (Jon Balke)
    06:40
  • 7ZemZemeh
    (Pedram Khavar Zamini)
    02:09
  • 8Aun Bebiendo
    (Attar Faridu Din, Jon Balke)
    04:30
  • 9Arco y Flecha
    (Jon Balke)
    03:22
  • 10Sin Nada Querer
    (San Juan de la Cruz, Jon Balke)
    04:42
  • 11Itimad
    (Traditional, Jon Balke)
    03:56
‚Nahnou Houm‘ enthüllt mit jedem Hören neue, ungeahnte Facetten einer frei assoziierten, mediterranen Fantasie, die an vielen Orten situiert scheinbar disparate Genres wie Barockmusik, arabische Vokalkunst und Jazz miteinander mischt.
Karl Lippegaus, Stereo
 
Siwan gelingt mit dieser vielschichtigen Aufnahme ein stimmiges Miteinander der der musikalischen Traditionen und Kulturen, wobei immer wieder überraschende Korrespondenzen und Verknüpfungen gelingen: Etwa wenn Farben und Figuren der Barokksolistene und Derya Turkans Kurzhalslaute zu unerwarteter Nähe und Kommunikation finden oder ein feingliedriges Solo Pedram Khavar Zaminis auf der Tombak von einem mystischen, dunkel getönten Keyboard-Sound eines Job Balke grundiert wird. Besonders bewegend übrigens ein unbegleitetes, von Mona Moutchebak auf Arabisch vorgetragenes, traditionelles Liebeslied aus Andalusien. ‚Nahnou Houm‘: ein ambitioniertes und singuläres Opus.
Udo Andris, Jazzpodium
 
Viele der Stücke sind, mehr als beim Debüt, von einer markanten Traurigkeit durchzogen, die freilich nie in Tristesse gleitet, sondern stets von Ambivalenz und vorsichtiger Hoffnung durchzogen ist. Musikalisch ist das Album noch schwerer zu kategorisieren als der Vorgänger: Jazz ist es nicht, Folk und Klassik zwar schon ein wenig eher, doch ‚Nordic Folk‘ und ‚Alte Musik‘ keinesfalls; eher Nahost-Volksmusik kammermusikalischer Anmutung mit unaufdringlich improvisierten Passagen. Die Algerierin Mona Boutchebak führt mit ihrer eindringlichen Interpretation verschiedensprachiger Texte aus dem 11. bis 17. Jahrhundert die an sich divergierenden Elemente dieses entgrenzten multikulturellen Konzepts zusammen, während Balke Beeindruckendes leistet bei der Schaffung eines gemeinsamen, ausgefeilten Ensembleklangs.
Ingo J. Biermann, Nordische Musik
 
Während die arabischen und spanischen Texte aus der Zeit von al-Andalus stammen, sind die Kompositionen in der Gegenwart entstanden. Geschaffen hat sie Balke, inspiriert einerseits von den arabischen und andalusischen Musiktraditionen und andererseits von der europäischen Renaissance- und Barockmusik. Die historischen Elemente sind wiedererkennbar, doch Balke amalgamiert sie in eigenständiger Weise zu einem neuen Stoff, der sehnsüchtig und überhaupt süchtig machen kann. Die Musik von Siwan ist ruhig und besinnlich und berührt oft mit elegischen Modi und Melodien.
Florian Bissig, Jazz’n’more
 
Juxtaposing songs in Arabic with others in Spanish and Ladino, Norwegian composer and musician Jon Balke has spent the last ten years experimenting with the music of Muslim Andalusia. Releasing their first album in 2009, he and Siwan are now back with ‘Nahnou Houm’. While the source material for ‘Nahnou Houm’ (ECM records) continues to be from the same period and is equally as diverse as the original, the approach to the music and the performances has changed. Instead of trying to recreate the music of a past era, Balke and Siwan have taken the lyrics and worked to create music that not only works with the content of the pieces, but also brings them into the world of contemporary composition. Some of the original lyrics date from as late as the 17th century and some from as early as 11th century, but they all share a similar provenance – what is now modern Spain. […] The results are nothing short of spectacular as these seemingly disparate elements combine to create music that not only celebrates the multiple traditions they represent, but finds the common ground between them. […] This recording resonates with music and poetry unlike few albums released these days. Buy it for the lofty ideals it represents, but be prepared to be swept away by its beauty.
Richard Marcus, Quantara
 
Das eigentlich Erstaunliche an diesem erfrischend unpathetischen Rückblick sind die geradezu organisch wirkenden Brückenschläge zwischen Gestern und Heute. Da wird ein narkotisch ablaufender Ostinato-Bass-Rhythmus, wie man ihn in der Barockmusik aus Variationsformen wie Chaconne und Passacaglia kennt, zum Motor eines Weltmusik-Chansons. Und wenn allein Pedram Khavar Zamini auf der arabischen Bechertrommel Tombak und Johannes Lundberg am Kontrabass zu einer Jazz-Ballade ansetzen, kommt das wie aus einem Guss daher. Die musikalische Koexistenz, hier funktioniert sie wirklich auf höchstem Niveau.
Guido Fischer, Jazzthetik
 
‘How would Europe and the rest of the world have developed if the three religions (Islam, Judaism and Christianity) had managed to coexist in the aftermath of Al-Andalus?’ That’s quite a big question for any group of musicians to take on, but with ‘Nahnou Houm’ (which translates as ‘We Are Them’) Balke and his collaborators certainly make a compelling case that such investigations can produce remarkable music. Ambient electronics blend with harpsichord and Baroque strings; the words are provided by the likes of Lope de Vega, Ibn al-Zaqqaq and St John of the Cross.
Robert Shore, Jazzwise
 
Die Ergebnisse dieser Zusammenarbeit können nur als spektakulär bezeichnet werden. Die scheinbar unvereinbaren Elemente kreieren eine Musik, die nicht nur ihre eigenen unterschiedlichen Traditionen feiert, sondern es schafft, zwischen diesen eine gemeinsame Ebene zu finden. Mit Ausnahme von ‚Ma Kontou‘ – einem traditionellen andalusischen Stück, das auf arabisch gesungen wird, und den Instrumentalstücken ‚Zem Zemeh‘ und ‚Nahnou Houms‘ ist die lingua franca dieser Aufnahme Spanisch. Dies lenkt allerdings nicht von der kulturellen Einheit ab, die die Musik verkörpert. In gewisser Hinsicht ist die Verwendung einer einzigen Sprache der Einheit, die Balke anstrebt, sogar zuträglich. […] alle Musiker gemeinsam erschaffen eine Klangwelt, die einen auf subtile Weise in ihren Bann zieht. ‚Nahnou Houm‘ hat nicht nur den Anspruch, Spannungen zu reduzieren, die von denjenigen erzeugt werden, die mit ihrer Musik eine aggressive und spaltende Rhetorik verbreiten. Auch haben Balke und die Mitglieder von Siwan eine Musik geschaffen, die über rein soziale und intellektuelle Inspiration hinausgeht. Diese Aufnahme bringt wie kaum ein anderes heutiges Album Poesie und Musik in Einklang.
Richard Marcus, Quantara.de
Siwan’s self-titled ECM debut, released in 2009, was widely praised by the world’s press, and won awards including the ‘Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik’, the album-of-the-year prize of the German record critics. Now the international collective led by Norwegian keyboardist-composer-arranger Jon Balke is back, rallying its powerful instrumental forces around a new singer and oud player, Mona Boutchebak, in a revised line-up. The ensemble’s new album Nahnou Houm was recorded in Copenhagen in January 2017.
 
Nahnou Houm translates as “We are them”, a message of topical pertinence, in this case trailing deep historical roots. When he started this project a decade ago – in response to a commission from the multicultural Oslo venue Cosmopolite – Jon Balke’s imagination was fired by perceived correspondences between Arab music, Andalusian classical music and European baroque music. To bring these sound-worlds closer together, he set poetry of Al Andalus, reflecting upon a period of cooperation in Medieval Spain between adherents of the three monotheistic Abrahamic religions: Islam, Judaism and Christianity.
 
In his liner notes for Nanhnou Houm, Balke writes that Siwan began with “just a musical fascination with the promising aspects of the Andalusian culture, with its huge libraries, enormous progress in science, agriculture, architecture and art.” But the project went on to consider “the devastating effect of the Inquisition, with its burning of all the literature and documentation it could find. Everything on paper was destroyed, but oral communication could not be controlled. Musicians travel and play, and faint threads leading from Spain to Napoli with the survival of forms like chaconne, folia, passacaglia etc. were central in the development of the new baroque music.”
 
These thoughts led to “speculation about an imaginary musical history, as well as a political imagination: How would Europe and the rest of the world have developed if the three religions had managed to co-exist in the aftermath of Al Andalus? By pointing at periods where coexistence actually happened and pushed humanity forward and by being in itself a multi-cultural functioning microcosmos, Siwan wants to investigate the idea of ‘convivencia’, as it was called, in all aspects of human life.”
 
On the first album and on early tours, Siwan featured the vocals of Amina Alaoui, the Moroccan-born singer steeped in the Garnathi tradition of Andalusian classical music. Later Balke invited distinguished guests including Tunisian singer Lamia Bedioui and Palestinian singer Kamilya Jubran. The challenge was to find a singer with a deep sense of Arab music history but also open to improvisation and trans-idiomatic possibilities; the search was on for a vocalist both experimentally-inclined and tradition-conscious.
 
“Siwan was actually put in waiting mode for a while”, Balke explains, “precisely because we could not find a new vocalist with Andalusian background who could assimilate my material and work in a more contemporary setting. It was [original Siwan violin soloist] Kheir Eddine M´Kachiche who proposed Mona, who actually is from his neighbourhood in Bab el Oued in Algiers. I invited Mona in and she immediately clicked with the group, both professionally and personally. She is a very versatile musician with a great voice that fits the group really well. And she speaks Arabic, French, Spanish and English…”
 
On Nahnou Houm Mona has a wonderful range of poetry to sing, with words from Persian Sufi mystic Attar, from St John of the Cross, from the great Spanish poet-playwright Lope de Vega and more. The interplay of texts, like the interplay of musical ideas, reinforces Balke’s utopian artistic vision, as if these authors from strikingly different backgrounds are shaping lyrical variations of the same yearning ballad.
 
Jon Balke sums up the group’s musical evolution: “Siwan has been an important project for me, both because of the statement that the group in itself makes, by manifesting the spirit of coexistence across boundaries of any kind, but also because the soundscape is a palette of rich colours spanning from deep electronics to gut strings and bright vocals and cembalo, that is very stimulating to work with as a composer. Where the first Siwan was composed in deep respect of the traditions and the soloists, treading lightly and carefully in a landscape of strong leads, the current version is a real band, a group that really communicates freely and unhindered. Even though all the musicians are masters in their traditions, in Siwan they join a unified sound and concept that has departed from references and is becoming a tradition in itself. The introduction of [Turkish kamanche player] Derya Türkan and the line towards the Far East is also a great new opening.”