Songs of Fate

Gidon Kremer, Kremerata Baltica, Vida Miknevičiūtė

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“Gidon Kremer has perhaps never before revealed himself as intimately and as existentially focused as on this recording”, observes Wolfgang Sandner in his liner note accompanying the Latvian violinist’s new album Songs of Fate. Together with his Kremerata Baltica chamber ensemble and soprano Vida Miknevičiūtė, Kremer approaches scores by Baltic composers Raminta Šerkšnytė, Giedrius Kuprevičius, Jēkabs Jančevskis and the Polish-Jewish composer Mieczysław Weinberg. In a performer’s note, Kremer explains how, reflecting on the different threads that create the fabric of this programme, “I realise – to my own surprise – that in many ways, this project revolves around the notion of ‘Jewishness’.“ Poignant deliveries of excerpts from the Chamber Symphony The Star of David and Kaddish by Giedrius Kuprevičius as well as the Jewish Songs by Mieczysław Weinberg emphasize this connotation. Bookending Songs of Fate are premiere recordings of Raminta Šerkšnytė’s This too shall pass and Jēkabs Jančevskis’s Lignum, bringing the voices of a younger generation of composers to the fore.
"So persönlich, so existentiell fokussiert hat Gidon Kremer sich musikalisch vielleicht noch nie gezeigt wie bei dieser Aufnahme", bemerkt Wolfgang Sandner in seinem Begleittext zum neuen Album Songs of Fate des lettischen Geigers. Gemeinsam mit seinem Kammerorchester Kremerata Baltica und der Sopranistin Vida Miknevičiūtė nähert sich Kremer zeitgenössischen Werken von Raminta Šerkšnytė, Giedrius Kuprevičius, und Jēkabs Jančevskis sowie Werken des polnisch-jüdischen Komponisten Mieczysław Weinberg. In einer im Booklet abgedruckten Anmerkung zum Programm erklärt Kremer selbst: „Wenn ich darüber nachdenke, was das Fundament des Albums Songs of Fate ausmacht, stelle ich, nicht ganz ohne jede Überraschung, fest, dass sich Vieles um die Idee der ‚Jewishness‘, des ‚Jüdischseins‘ dreht.“ Eindrückliche Interpretationen von Auszügen aus der Kammersymphonie The Star of David und Kaddish von Giedrius Kuprevičius sowie der Jüdischen Lieder op. 13 von Mieczysław Weinberg unterstreichen diese Konnotation. Den Rahmen von Songs of Fate bilden die Ersteinspielungen von Raminta Šerkšnytės This too shall pass und Jēkabs Jančevskis’ Lignum, womit auch die Stimmen einer jüngeren Komponistengeneration aus dem Baltikum zum Tragen kommen. Das Album wurde von Manfred Eicher produziert.
Featured Artists Recorded

July 2019 & July 2022

Original Release Date

19.01.2024

  • 1This too shall pass
    (Raminta Šerkšnytė)
    08:18
  • The Star of David
    (Traditional, Giedrius Kuprevičius)
  • 2David's Lamentation02:45
  • 3Kaddish-Prelude
    (Giedrius Kuprevičius)
    03:06
  • 4Penultimate Kaddish
    (Traditional, Giedrius Kuprevičius)
    07:01
  • The Star of David
    (Traditional, Giedrius Kuprevičius)
  • 5Postlude. The Luminous Lament04:26
  • 6Nocturne
    (Mieczysław Weinberg)
    03:09
  • 7Aria, op. 9
    (Mieczysław Weinberg)
    03:46
  • Jewish Songs, op. 13
    (Yitskhok Leybush Peretz, Mieczysław Weinberg)
  • 8Viglid (Cradle Song)02:01
  • 9Oyfn grinem bergele (On the Green Mountain)01:50
  • 10Der yesoymes brivele (The Orphan's Letter)05:29
  • 11Kujawiak
    (Mieczysław Weinberg)
    03:17
  • 12Lignum
    (Jēkabs Jančevskis)
    12:16
A 76 ans, Gidon Kremer n´a pas dévié de la ligne musicale qu´il a tracée depuis ses débuts de violoniste à contre-courant derrière le Rideau de fer et qui consiste à attirer l´attention sur des musiciens peu exposés. […] Quant à Mieczyslaw Weinberg, […] c´est dans un registre intimiste encore à découvrir (berceuse, danse folklorique) que le subtil Kremer nous le présente ici.
Pierre Gervasoni, Le Monde
 
Jüdische Lieder, jüdische Gebete, eindrucksvolle Musik. Gidon Kremer und die Kremerata Baltica treffen den richtigen Ton.  ‘Songs of fate’ – eine wichtige musikalische Stimme in einer beklemmenden Zeit.
Elisabeth Hahn, Deutschlandfunk Kultur
 
Gidon Kremer ist nicht nur einer der herausragenden Geiger seiner Generation. Er ist auch ein Advokat der Komponisten wie nur wenige Musiker seines Formats. Er begnügt sich nicht damit, dem Repertoire seine eigene Interpretation geläufiger Werke hinzuzufügen, sondern setzt sich für wenig oder in unseren Breiten gar nicht bekannte Komponisten ein, insbesondere für solche aus dem Baltikum […] Auf der CD Songs Of Fate sind das Giedrius Kuprevičius und Raminta Šerkšnyté aus Litauen sowie Jēkabs Jančevskis aus Lettland. Hinzu kommen vier kurze Stücke von Mieczysław Weinberg, für den sich Kremer schon starkgemacht hat, ehe seine Wiederentdeckung hohe Wellen schlug. Mit seiner Kremerata Baltica tritt neben Gidon Kremer die litauische Sängerin Vida Miknevičiūtė auf. Durch das gesamte Programm zieht sich die jüdische Thematik, namentlich das Kaddisch, das als Totengebet dient, und entsprechend eine getragene, fast durchweg nach innen gekehrte Stimmung. Aus dem Rahmen fällt Weinbergs Kujawiak, ein Volkstanz aus Kujawien – daher der Name – im Norden Polens. Obgleich die Komponisten unüberhörbar mit modernen Kompositionstechniken vertraut sind, kann man die von Gidon Kremer ausgewählten Stücke nicht als ‘schwierig’ kennzeichnen. In ihnen scheint eine gemäßigte Avantgarde weiterzuleben, wie sie in der Sowjetunion gepflegt wurde und deren Traditionalismus man üblicherweise fast klischeehaft auf das Dogma des Sozialistischen Realismus und die damit verbundenen Repressionen zurückführt. Zumindest ebenso entscheidend sind jedoch wohl die Reverenzen an die – in diesem Fall: baltische – Folklore zu sein. Die Entstehungszeit der Kompositionen reicht von 1942 – Weinbergs Aria op. 9 – bis ins Jahr 2021 – ‘This too shall pass’ von Raminta Šerkšnyté. Bis auf die Titel von Mieczysław Weinberg, sind alle erst im 21. Jahrhundert, also in unserer Gegenwart entstanden. Ihre Schöpfer wurden zwischen 1944 und 1991 geboren. Es gibt einiges zu entdecken.
Thomas Rothschild, Kultura Extra
 
One thing is certain: This is one of Kremer’s most personal undertakings. His playing — especially in Šerkšnytė’s ‘This Too Shall Pass’ and Weinberg’s simple, sad ‘Nocturne’ — has the breath and rhythm of halting speech. Soprano Vida Miknevičiūtė imparts a similar tone to Kuprevicius’s ‘Kaddish’ and to excerpts from Weinberg’s ‘Jewish Songs.’ Jančevskis’s ‘Lignum’ for string orchestra and chimes, played with deep sensitivity by the chamber orchestra Kremerata Baltica, progresses from dissonance to resounding affirmation to an open-ended conclusion. It sounds like Kremer’s description of the album’s purpose: ‘reminding us of tragic fates along the way and that we each have a ‘voice’ that deserves to be heard.’
David Weininger, The New York Times
 
Das ist Musik von suggestiver Kraft, ernst, kontemplativ, subtil und oft ganz leise. Aber auch mit Schwingungen von Trost und Hoffnung, hinter dem Horizont. ’This too shall pass’ von Raminta Šerkšnytė und ‘ Lignum’ von Jēkabs Jančevskis, der sein neues Stück als ‘Dialog mit der Natur’ versteht, sind Ersteinspielungen. Faszinierend!  
Norbert Hornig, Fono Forum (‘Empfehlung des Monats’)
 
Un voyage intime,chargé d’èmotions, qui nous plonge au cœur  d’une musique introspective, qu’on vit pleinement. Emouvant et percutant.
Gaëlle Moury, Le Soir
 
Formidable disque […] Des œuvres de l’intimité, de la pudeur, de l’indicible, superbement racontées par Kremer, son orchestra et sessolistes.
Nicolas Blanmont, La Libre Belgique
 
This austere and uplifting record is imbued with humanity and idealism. I don’t think I ever recommend a new record as essential. This one is.
Norman Lebrecht, My Scena
 
Das Fundament des Albums kreist für Kremer um die Idee des ‘Jüdischseins’. Unter dem Titel ‘Song of Fate’ hat er gemeinsam mit seinem Kammerorchester Kremerata Baltica und der Sopranistin Vida Miknevičiūtė Kompositionen der litauischen Komponisten*innen Raminta Šerkšnytė, Giedrius Kuprevičius und Jëkabs Jančevskis sowie Werke des polnisch-jüdischen Mieczysław Weinberg eingespielt. […] Raminta Šerkšnytė 1975 wird die Komponistin im litauischen Kaunas geboren und gilt mit ihrer komplexen wie expressiven Tonsprache als kraftvolle Klangmalerin der gegenwärtigen Musikszene ihrer Heimat. […] Die vorliegende CD eröffnet mit einer Ersteinspielung der Komposition ‘This too shall pass’ für Violine, Violoncello, Vibraphon und Orchester aus dem Jahr 2021. Thematisiert wird die unausweichliche Vergänglichkeit alles Irdischen in einer erbarmungslos verrinnenden Zeit. Die Violine spielt in einer expressiven Kantilene über einer sich kontinuierlich insistierenden Vibraphonstimme, während das Violoncello immer wieder wehmütig das Geschehen aufgreift. Zu erleben ist ein hoch poetisches Stimmengeflecht, das dank der äußerst feinnervigen Interpretation unmittelbar berührt. […] . Für das Album ‘Songs of Fate’ hat Kremer die lyrische Seite Weinbergs mit bislang weniger bekannten Werken seines Schaffens in den Blick genommen. Den Anfang macht ein ‘Nocturne’ für Violine solo und Streichorchester von 1948. Besonders berührend sind die, als erste Werke Weinbergs gedruckten ’Jüdischen Lieder’ op.13, 1943 kurz vor seiner Flucht aus Warschau nach Minsk vollendet. Sie basieren auf Texten des polnisch-jüdischen Dichters Yitskhok Leybush Peretz in jiddischer Sprache, hier mit der eindringlichen wie abwechslungsreichen Sopranstimme von Vida Miknevičiūtė unter die Haut kriechend.
Yvonne Petitpierre, Deutschlandfunk
 
Ein starkes Hörerlebnis von außerordentlich hohem Rang. Dieses entsteht auch aus historischen Entwicklungen und traumatischen Erfahrungen, in denen der kompositorische Reichtum seine Wurzeln hat. Die Auswahl von in der Sowjetunion missliebigen Werken und baltischen Neuschöpfungen ist von zeitloser Schönheit und großer, weil verhaltener Eindringlichkeit. Die jüngere Generation baltischer Komponisten zeigt eine kreative Neigung zum Spirituellen, welche hier durch die vor 26 Jahren gegründete Kremerata Baltica zu dichtem und substanziellem Klang wird.
Roland H. Dippel, Concerti
 
Der lettische Geiger Gidon Kremer bringt mit diesen Aufnahmen seinen multikulturellen Stammbaum zum Klingen. Dem jüdischen Vater widmet er Musik des Polen Mieczyslaw Weinberg. Aus dem Baltikum versammelt er Musik des Zeitgenossen Kuprevicius sowie der jungen Komponisten Šerkšnyte und Jancevskis. Kremer stimmt mit der Kremerata Baltica und Sopranistin Vida Mikneviciute traurige, wunderschön klangvolle Musik an.  
Frank von Niederhäusern, Kulturtipp Zürich
 
‘Songs of Fate’ presents a fascinating and expertly performed programme of unfamiliar repertoire that mirrors as well as celebrates Gidon Kremer’s Jewish and Baltic heritage. Central to the programme is a sequence of relatively early but immensely attractive works by Mieczyslaw Weinberg, the Polish-Jewish composer who has been championed by Kremer in recent years.
Erik Levi, BBC Music Magazine
 
Gidon Kremer has compiled an eloquent evocation and celebration of his Jewish heritage in an eclectic programme of music written since 1942. His choices offer stylistic variety and timbral diversity, but naturally much of the sentiment is melancholic and searching. Kremer ensures every violin note is vivid; his musical voice whispers and shouts, depicts fury and repose, weeping and sighing. He imbues a wide range of emotion with compelling character. Alongside his artistry, the soprano Vida Miknevičiutė is mesmerising, and Kremerata Baltica is beautifully honed, imbuing everything with great atmosphere.
Joanne Talbot, The Strad
 
Es sind Stücke voll elegischer Versonnenheit, manchmal wirkt es, als folgten die Geige oder die Stimme den melodiösen Gedanken gleichsam meditierend nach […] So wandern die Hörer unmerklich wie unausweichlich in den Bann dieser wunderbar grüblerischen Klanglandschaften.
Harald Eggebrecht, Süddeutsche Zeitung
 
Immer auf der Suche nach unentdeckter, oft von der Politik zermalmter Musik, hat Geiger Gidon Kremer nun für ‘Songs of Fate’ neben Stücken seines Herzenskomponisten Mieczyslaw Weinberg auch interessante Zeitgenossen integriert. Mit seiner Kremerata Baltica setzt er etwa Raminta Šerkšnytės ‘This too shall pass’ um, als subtil dahinströmendes Stück, in dem er Poesie und Zerbrechlichkeit vermilzt. Giedrius Kuprevičius’ ’Postlude: The Luminous Lament’ wiederum findet ihn im Dialog mit Sopran Vida Miknevičiutė. Kein beiläufiger Ton ist zu hören, jede Tongeste erzählt Existentielles.   
Ljubiša Tošić, Der Standard
EN / DE
This programme is meant to speak to everybody, reminding us of tragic fates along the way and that we each have a ‘voice’ that deserves to be heard and listened to.
– Gidon Kremer
 
On Songs of Fate Gidon Kremer approaches scores by Baltic composers Giedrius Kuprevičius, Raminta Šerkšnytė, Jēkabs Jančevskis and the Polish composer Mieczysław Weinberg, together with his Kremerata Baltica chamber ensemble and soprano Vida Miknevičiūtė – many of the works captured here appear in premiere recordings. In his performer’s note, Kremer traces the roots of this programme back to both his Jewish heritage and his extensive history of living in the Baltic states, which has and continues to lead to collaborations with countless musicians and composers from the region. The personal connotations are palpable in the music, as Wolfgang Sandner observes in his liner note, confirming: “Gidon Kremer has perhaps never before revealed himself as intimately and as existentially focused as on this recording”.
 
Kremer has already given Weinberg’s oeuvre much attention in the past decades with recordings of the sonatas for solo violin (ECM 2705), his chamber symphonies Nos. 1-4 (2538/39) as well as the symphony no. 10 along with the concertino op. 42. Trio op. 48 and the sonata No. 3 (ECM 2368/69). Included on Songs of Fate are a selection of Weinberg’s Jewish Songs op. 13, Nocturne, Kujawiak as well as Aria op.9. The pieces demonstrate the lyrical side of the composer’s vast oeuvre, with the Jewish Songs highlighting Vida Miknevičiūtė’s expressive and resourceful vocal abilities.
 
The soprano reappears with orchestra on Giedrius Kuprevičius’s Penultimate Kaddish and David’s Lamentation and in delicate exchanges with Kremer’s violin on Postlude – The Luminous Lament. Kuprevičius has long been a defining figure in Lithuania, known not only as an influential composer but also as author and culture-political figure, and this mosaic-like selection of his work gives a concise survey of his multifaceted oeuvre.
 
Bookending Songs of Fate are premiere recordings of Raminta Šerkšnytė’s This too shall pass and Jēkabs Jančevskis’s Lignum, bringing the voices of a younger generation of composers to the fore. The former piece, first premiered in Kronberg, Germany in 2021, explores dramatic harmonic tensions, shaped and stretched between solo violin, violoncello, vibraphone and string orchestra with particular resoluteness. The concluding Lignum, for string orchestra, was inspired by a book on trees – the Latvian composer describes his piece as dialogue with nature: “It is less about verbal communication, but more the desire to listen…” It fades out with shimmering chimes, bringing the wide-reaching programme to a quietly reflective close.
 
The album, recorded in Vilnius, Lithuania in 2019 and at the Lockenhaus festival in 2022, was produced by Manfred Eicher.
 
The Songs of Fate album includes a booklet with liner notes by Wolfgang Sandner in German and English. All sung texts can be found here: www.ecmrecords.com/2745
 
 
 
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Born in Warsaw in 1919, Mieczysław Weinberg taught himself to play the piano, continuing studies at the Warsaw Conservatory. Following the invasion of Poland, Weinberg fled first to Minsk, where he received his initial training in composition, and then to Tashkent in Uzbekistan. He came to Moscow in 1943 at the suggestion of Shostakovich, who had admired the score of his first symphony. The two composers subsequently became close friends and exchanged ideas on art and music. Weinberg was a prolific composer, writing 26 symphonies, 17 string quartets, six concertos, seven operas, 28 sonatas, more than 200 songs, scores for 60 films, theatre music and more. Like many composers in the Soviet Union, Weinberg was obliged to spend much of his creative life negotiating the margins of freedom between official doctrine and artistic necessity. In the 1960s and 70s as the demands for Socialist Realism began to slacken, his music moved into its most productive phase, but Weinberg’s artistic independence still left him outside all the musical tendencies of the day. A number of his major works, including his opera Passazhirka (The Passenger), were not performed in his lifetime.
  
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Giedrius Kuprevičius, born in Kaunas, Lithuania in 1944, was chief of Lithuanian Composers’ Unity for over a decade and has worked as the Minstry of Culture, Vice-minister and Chairman of the Culture Affairs board, among other things. He majored in compositional studies, graduating in 1968, where after he began teaching composition himself. Besides working as educator and composer, Kuprevičius has also played the carillon since 1957 and was appointed Kaunas city head carillonist in 1998. In the 80s he was at the helm of the avant-garde music in his country, founding the electronic group Argo. His compositional oeuvre in traditional classical styles includes operas, symphonic works, chamber music, compositions for choir and sacred music.
 
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Raminta Šerkšnytė, born in Kaunas, Lithuania in 1975, studied piano and music theory from an early age, before studying composition at the Lithuanian Academy of Music and Theatre. Her compositions often blend classical, Lithuanian ancient folk and avant-garde idioms, drawing from a compositional system of her own creation, which she describes as a “fusion of major and minor”, based on symmetrically opposing tonal elements. Šerkšnytė’s oeuvre includes large-scale operas, orchestral music and chamber works. In 2008, Raminta Šerkšnytė became the youngest Lithuanian composer to be awarded the Lithuanian National Prize for Culture and Arts.
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Born in Riga, Lithuania, in 1992, Lithuanian composer and conductor Jēkabs Jančevskis completed his conducting studies at the Riga Cathedral Choir School in 2012 as well as graduating in compositional studies under Jānis Petraškevičius. Jancevskis is the conductor of the choir Anima Me and has taught composition at the Riga Cathedral Choir School, while serving as the artistic director of the Pauls Jurjans Music School Symphony Orchestra. His works have been performed by the Latvian Radio Choir, the State Academic Choir Latvia, the Ave Sol Chamber Choir and more.
Mit diesem Album möchte ich jeden Menschen ansprechen. Die aufgenommene Musik soll uns an tragische Schicksale auf unserem Weg erinnern und daran, dass jeder Mensch eine ‘Stimme’ hat, die es verdient, gehört zu werden.
– Gidon Kremer
 
Gemeinsam mit seinem Kammerorchester Kremerata Baltica und der Sopranistin Vida Miknevičiūtė nimmt sich Gidon Kremer auf Songs of Fate zeitgenössische Werken von Raminta Šerkšnytė, Giedrius Kuprevičius, und Jēkabs Jančevskis sowie Werke des polnisch-jüdischen Komponisten Mieczysław Weinberg an – viele der hier aufgenommenen Werke erscheinen in Ersteinspielungen. In seinem Begleittext führt Kremer die Ursprünge dieses Programms sowohl auf seine jüdischen Wurzeln als auch auf seinen langjährigen Aufenthalt in den baltischen Staaten zurück, der zur Zusammenarbeit mit zahlreichen Musikern und Komponisten aus der Region geführt hat. Diese persönlichen Assoziationen leben in der Musik, wie Wolfgang Sandner in seinem der CD beiliegenden Text feststellt. Darüber hinaus merkt er an: "So persönlich, so existentiell fokussiert hat Gidon Kremer sich musikalisch vielleicht noch nie gezeigt wie bei dieser Aufnahme“.
 
Kremer hat Weinbergs Oeuvre in den vergangenen Jahrzehnten bereits mit Einspielungen der Sonaten für Violine solo (ECM 2705), seiner Kammersinfonien Nr. 1-4 (2538/39) sowie der Sinfonie Nr. 10 und des Concertino op. 42, Trio op. 48 und der Sonate Nr. 3 (ECM 2368/69) viel Aufmerksamkeit geschenkt. Auf Songs of Fate sind eine Auswahl von Weinbergs Jüdischen Liedern op. 13, Nocturne, Kujawiak sowie Aria op. 9 enthalten. Die Stücke präsentieren die lyrische Seite von Weinbergs umfangreichen Schaffen, wobei besonders die Jüdischen Lieder die ausdrucksstarke und versatile Stimme Vida Miknevičiūtės hervorheben.
 
Die Sopranistin ist auch auf Giedrius Kuprevičius’ Penultimate Kaddish und David’s Lamentation mit dem Orchester zu hören, und in Postlude – The Luminous Lament im expressiven Austausch mit Kremer an der Violine. Kuprevičius ist längst eine prägende Person des litauischen Kulturwesens, und nicht nur als einflussreicher Komponist, sondern auch für seine Tätigkeiten als Autor sowie als kulturpolitische Figur bekannt. Die vorliegende Auswahl seines Werks gibt einen prägnanten Überblick über sein vielseitiges Schaffen.
 
Den Abschluss von Songs of Fate bilden die Ersteinspielungen von Raminta Šerkšnytės This too shall pass und Jēkabs Jančevskis’ Lignum, mit denen die Stimmen einer jüngeren Komponistengeneration in den Vordergrund gerückt werden. Das erstere Stück, das 2021 in Kronberg (Deutschland) uraufgeführt wurde, erkundet kontrastreiche harmonische Spannungen, die zwischen Solovioline, Violoncello, Vibraphon und Streichorchester mit besonderer Entschlossenheit geformt und gedehnt werden. Das abschließende Lignum, für Streichorchester, wurde von einem Buch über Bäume inspiriert – der lettische Komponist beschreibt sein Stück als Dialog mit der Natur: "Es ist weniger eine verbale Kommunikation, mehr der Wunsch zuzuhören, zu verstehen…". Das Stück klingt mit einem Glockenspiel-Flirren sanftmütig ab, und bringt das umfassende Programm zu seinem ruhigen, in sich abgeschlossenen Ende.
 
Das Album, 2019 in Vilnius, Litauen, und 2022 beim Lockenhaus Festival aufgenommen, wurde von Manfred Eicher produziert.
 
Songs of Fate enthält ein Booklet mit Texten von Wolfgang Sandner auf Deutsch und Englisch. Alle gesungenen Texte sind hier zu finden: www.ecmrecords.com/2745
 
 
 
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Der 1919 in Warschau geborene Mieczysław Weinberg brachte sich selbst das Klavierspielen bei und setzte seine Studien am Warschauer Konservatorium fort. Nach dem Einmarsch in Polen floh Weinberg zunächst nach Minsk, wo er seine erste Komponistenausbildung erhielt, und dann nach Taschkent in Usbekistan. Auf Anregung von Schostakowitsch, der die Partitur seiner ersten Sinfonie bewundert hatte, kam er 1943 nach Moskau. Die beiden Komponisten wurden in der Folgezeit enge Freunde und tauschten Ideen über Kunst und Musik aus. Weinberg war ein produktiver Komponist, der 26 Sinfonien, 17 Streichquartette, sechs Konzerte, sieben Opern, 28 Sonaten, mehr als 200 Lieder, Partituren für 60 Filme, Theatermusik und vieles mehr schrieb. Wie viele Komponisten in der Sowjetunion war Weinberg gezwungen, einen Großteil seines kreativen Lebens im Spannungsfeld zwischen offizieller Doktrin und künstlerischer Notwendigkeit zu verbringen. In den 1960er und 70er Jahren, als der Druck des Sozialistischen Realismus nachzulassen begannen, trat seine Musik in ihre produktivste Phase ein, aber Weinbergs künstlerische Unabhängigkeit ließ ihn immer noch außerhalb aller musikalischen Tendenzen der Zeit stehen. Einige seiner Hauptwerke, darunter seine Oper Passazhirka (Der Passagier), wurden zu seinen Lebzeiten nicht aufgeführt.
 
  
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Giedrius Kuprevičius, 1944 in Kaunas, Litauen, geboren, war über ein Jahrzehnt lang Vorsitzender des Litauischen Komponistenverbandes und arbeitete unter anderem als Kulturminister, Vizeminister und Vorsitzender des Ausschusses für kulturelle Angelegenheiten. Er studierte Komposition und schloss sein Studium 1968 ab, woraufhin er selbst Komposition unterrichtete. Neben seiner Tätigkeit als Pädagoge und Komponist spielt Kuprevičius seit 1957 auch Glockenspiel und wurde 1998 zum Chefglockenspieler der Stadt Kaunas ernannt. In den 80er Jahren stand er an der Spitze der Avantgarde-Musik in seinem Land und gründete die Elektro-Gruppe Argo. Sein kompositorisches Schaffen in der klassischen Musik umfasst Opern, symphonische Werke, Kammermusik, Chorkompositionen und geistliche Musik.
 
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Raminta Šerkšnytė, 1975 in Kaunas, Litauen, geboren, studierte von klein auf Klavier und Musiktheorie, bevor sie an der Litauischen Akademie für Musik und Theater Komposition studierte. In ihren Kompositionen mischen sich klassische, alte litauische Volksmusik und Idiome der Avantgarde, wobei sie sich auf ein von ihr selbst geschaffenes Kompositionssystem stützt, das sie als "Fusion von Dur und Moll" bezeichnet und auf symmetrisch gegensätzlichen tonalen Elementen basiert. Šerkšnytės Oeuvre umfasst Opern, Orchestermusik und Kammermusik. Im Jahr 2008 wurde Raminta Šerkšnytė als jüngste litauische Komponistin mit dem litauischen Nationalpreis für Kultur und Kunst ausgezeichnet.
 
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Der 1992 in Riga, Litauen, geborene litauische Komponist und Dirigent Jēkabs Jančevskis schloss 2012 sein Dirigierstudium an der Chorschule der Kathedrale von Riga ab und absolvierte außerdem ein Kompositionsstudium bei Jānis Petraškevičius. Jancevskis ist Dirigent des Chors Anima Me, unterrichtet Komposition an der Domchorschule Riga und ist künstlerischer Leiter des Symphonieorchesters der Pauls-Jurjans-Musikschule. Seine Werke wurden u. a. vom Lettischen Rundfunkchor, dem Staatlichen Akademischen Chor Lettland und dem Ave Sol Kammerchor aufgeführt.
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