08.08.2025 | Reviews of the week

Reviews of the week

The album El Viejo Caminante by Dino Saluzzi with Jacob Young and José Maria Saluzzi is highly acclaimed by media in the US and Germany

 

Two things make ‘El Viejo Caminante’ of particular interest. First, Saluzzi is flanked by two very different guitarists: son José María Saluzzi providing the more traditional nylon-string accompaniment, and the much younger Norwegian Jacob Young, also part of the ECM roster, includes both acoustic steel-string and electric, becoming a kind of hybrid of John Abercrombie/Ralph Towner. Second, there is no elder ego, as all three players contribute material, the set filled out by two standards and a song by Karin Krog. The feel is dappled, wistful in places, buoyant in others, gentle as the breeze yet rich as the soil.

Andrew Henkin, Jazz Times

 

Mit dem Alter kommen Ruhe und Gelassenheit. Die Neugier auf eine ungewöhnliche Besetzung aber blieb dem 1935 geborenen Bandoneon-Virtuosen Dino Saluzzi erhalten, als er 2023 mit seinem Sohn José Maria Saluzzi an der klassischen Gitarre und dem Norweger  Jacob Young an akustischer und elektrischer Gitarre ins eigene Studio ging. […] Die leisen Nebengeräusche der Finger auf den Gitarrenhälsen und das Klicken der Bandoneontasten vermitteln, dass diese Musik handgemacht, intim und persönlich ist. Die Gitarristen führen bezaubernde Dialoge und verschmelzen diese genial mit den Melodien des Bandoneons. Gut 70 Minuten lang entführt das Trio mit zehn Stücken in eine Welt voll Empfindsamkeit und innerer Harmonie.

Werner Stiefele, Audio + Stereoplay (‘Audiophile CD of the month’)

 

Etwas melancholisch hat Dino Saluzzi das Album ‘El Viejo Caminante’ überschrieben. Ein alter Wandersmann ist damit gemeint, der den musikalischen Horizont seines Lebens abschreitet. Nicht nur das Motto ist dem 90jährigen absolut gelungen. Die zwölf Stücke sind kein virtuoser Schaulauf, sondern das Vermächtnis eines Altmeisters. An der Seite von Dino Saluzzi musizieren zwei handverlesene Künstler. Sein Sohn José María spielt eine klassische Gitarre, während der Norweger Jacob Young seine E-Gitarre zum Einsatz bringt. […] Die Neuveröffentlichung wurde lange und sorgfältig vorbereitet. Die ersten Aufnahmen entstanden bereits 2023, mit dem Bearbeiten und Editieren liess sich das Label ECM viel Zeit. Im Ergebnis jedoch überzeugt das Album rundum. Dino Saluzzi ist immer noch ein Geschichtenerzähler der Extraklasse.

Georg Waßmuth, Südwestrundfunk

The album The Surrounding Green by the Fred Hersch Trio thrills US and German reviewers

 

It was with Baron and bassist Charlie Haden on Hersch’s astounding ‘Sarabande’ (1987) that the ascendant young pianist first forayed into avant-garde territory, a nod to Haden’s former bandleaders Ornette Coleman and Keith Jarrett. Echoes of that adventurous album resonate through the decades into this one. After all this time, Hersch sounds most like himself, making these tributes exquisitely personal. As he did with Haden, Hersch honors Coleman, this time with an agile rumination over ‘Law Years’. […] Like Haden, Hersch has the uncanny ability to play free as if there were chord changes, and changes as if there were none. Gress and Baron are of similar spirit, offering stability yet suppleness, allowing Hersch to traverse the peripheries of harmony, time and space. […] This offering by Hersch, Gress and Baron is engaging, ardent and otherwise splendid; it’s conceivable Manfred Eicher has found the great piano trio to anchor his catalogue for the foreseeable future.

Gary Fukushima, Downbeat

 

Fred Hersch has by now established himself as one of the preeminent voices of his generation. On ‘The Surrounding Green’ Hersch is joined by stalwart bassist Drew Gress and Joey Baron, one of the most creative and intuitive drummers on the scene for decades, and together the trio achieves a rare and refined groupthink. Gress creates precious counterpoint with Hersch on the pianist’s intimate opener, ‘Plainsong’, and also on the gently introspective title-track. Baron provides an array of colours on cymbals and drums with sticks, brushes, and hands throughout this session, and he swings fervently on a freewheeling rendition of Ornette Coleman’s ‘Law Years’. […] Gress appropriately opens Charlie Haden’s poignant ‘First Song’ with an extended bass solo before the trio melds into the graceful melody. They close on an infectious note with Hersch’s buoyant bosa nova, ‘Anticipation.’ A magical union.

Bill Milkowski, The Absolute Sound

 

Eine wundersam luftige Eleganz ist diesem Trio eigen. Besonders in den langsameren, lyrischen Stücken scheint Fred Hersch fast mehr über den Klaviertasten zu schweben, als diese anzuschlagen. Aber auch wenn das Tempo anzieht, durchwirkt eine so kontemplative wie heitere Leichtgkeit diese Musik, zumal auch Bassist Drew Gress und Schlagzeuger Joey Baron Meister der nuancierten Dynamik sind. Egal, ob die Vorlage von George Gershwin, Ornette Coleman oder aus Herschs eigener Feder stammt: Gemeinsam durchmessen die drei so konzentriert wie entspannt die Harmonien, spinnen die melodischen Ideen mit einer verführerischen Selbstverständlichkeit fort. Dieser souverän gelassene Trio-Jazz bringt das Kunststück fertig, den Zuhörer mit einer leicht zugänglich wirkenden Oberfläche einzuladen, ohne je anbiedernd zu wirken. Subtiles, zeitloses Muszieren.

Reinhold Unger, Münchner Merkur

A German reaction to the album Arcanum by Arve Henriksen, Trygve Seim, Anders Jormin and Markku Ounaskari

 

Es ist ein All-Star-Quartett aus versierten Instrumentalisten, die in der notierten wie der freien Musik zuhause sind und vor allem für die (vielleicht skandinavientypischen) still sich entwickelnden Dynamiken bekannt sind. In den zwölf Stücken der hier vorliegenden Einspielung entfaltet sich ein musikalisches Gespräch der vier Musiker, das sich zwischen Komposition und Improvisation, zwischen Melodie und Atmosphäre und zwischen Tradition und Moderne bewegt. Schon der Opener ‘Nokitpyrt’ gibt die Richtung vor: Seims fragile Melodielinie wird luftig umspielt von Henriksens flötenhaftem Trompetenton. Wie eng sich die Klänge von Saxophon und Trompete verweben, ist höchst bemerkenswert. Zwei Stimmen, die oft wie eine klingen, ohne ihre Individualität zu verlieren und die zusammen aber so viel mehr ausdrücken als sie alleine dazu instand wären. Darunter liegt die rhythmische Struktur, die in allen Stücken großzügig durchlässig bleibt – Ounaskari am Schlagzeug und Jormin am Bass tasten sich maximal behutsam, beinahe meditativ, von Takt zu Takt. Statt klassischer Themenentwicklung lebt die Musik von Momentaufnahmen – zaghaft schimmernden Motiven, die sich in wechselnden Konstellationen flüchtig abbilden und dann weiterziehen und nie wiederkehren. Diese Musik ist vollkommen im Augenblick, lückenlos eingebunden in das gegenwärtige Drumherum. Sie speist sich aber auch aus der Vergangenheit. Mit dem finnischen Volkslied ‘Armon Lapset’ rückt Arcanum sogar ganz offenkundig an ihre gemeinsamen Wurzeln. Auch in den übrigen Kompositionen von Jormin und Seim wird das musikalische Erbe Skandinaviens zwar nicht direkt zitiert, ist aber als Atmosphäre, als Haltung deutlich spürbar. Vieles hier klingt wie die Fragmente einer größeren Geschichte, die nie ganz erzählt wird

Sebastian Meißner, Sounds And Books

The album Æris with works by Erkki-Sven Tüür impresses reviewers in France and Switzerland

 

L’un des principaux créateurs estoiens de notre temps propose sa ‘Symphonie n° 10’ pour quatuor de cors et orchestra portée par des musiciens convaincus, d’accès ardu certes, mais d’un intérêt indéniable. […] l’hyperactivitée sonore qui caractérise cette pièce aux mélodies réduites, aux rythmes foisonnants signe une œuvre singulière et inspirée, interprétée avec conviction par l’Orchestre symphonique national d’Estonie emmené par son chef Olari Elts, grand habitué des œuvres de Tüür. L’album est complété par deux œuvres plus anciennes. Datant de 2018, ‘Phantasma’ pour orchestre (13’) est plus ou moins lointainement inspirée de l’ouverture de ‘Coriolan’ de Beethoven tandis que ‘De Profondis’ (17’), pièce écrite en 2013 et dédiée à Olari Elts, se caractérise par la mise en place d’une intensité croissante, rapidement lumineuse et impressionnante. Les compositions proposées dans cet enregistrement offrent un précieux témoignage de l’art du maniement orchestral singulier d’Erkki-Sven Tüür.

Jean-Luc Caron, Res musica

 

Der 1959 geborene Erkki-Sven Tüür wird nicht nur in Zürich, wo dessen dirigierender Landsmann Paavo Järvi wirkt, viel gespielt. Warum das so ist, zeigt das nationale estnische Sinfonieorchester unter der Leitung seines Chefdirigenten Olari Eilts in drei packenden Orchesterwerken.

Christian Berzins, Aargauer Zeitung

US and German reactions to the album Homage by Joe Lovano with the Marcin Wasilewski Trio

 

While Lovano soars as ever, we hear a quartet that gels effortlessly, recorded at Van Gelder studio (with lots of ‘ECM ambience’) after a week at the Village Vanguard. They open with a lyrical ‘Love In The Garden’, written by Polish violinist Zbigniew Seifert, before plunging into Lovano’s music with three main long pieces that each hold your attention to the end.

Andrew Everard, HiFi News

 

Das ganz und gar großartige Album ‘Homage’ von Joe Lovano und dem Trio des  polnischen Pianisten Marcin Wasilewski [..] Eine Meditation in Klang, die den Puls in Chill-out-Regionen herunterfährt, ohne dabei je in Belanglosigkeit zu verfallen. […] Musik, die das Herz rührt und perfekt ins immer auch tiefgründige ECM-Programm past, wieder einmal auf den Punkt produziert von Manfred Eicher.

Holger True, Hamburger Abendblatt

The vinyl edition of the album Drifting by Mette Henriette is acclaimed in a German magazine

 

Mit ihren Mitmusikern Johan Lindvall (Piano) und Judith Hamann (Cello) inszeniert die Bandleaderin und Komponistin eine leise, meist sanfte Musik, die aber meilenweit von kuscheligen Ambient-Klängen entfernt spielt. Zunächst fordert diese Musik einen dazu auf, die Ohren zu spitzen, ehe man sich widerstandlos hineinziehen lässt in Henriettes ureigene Klangwelt. Die konservierte Peer Espen Ursfjord im Munch-Museum in Oslo in der packend-transparenten ECM-Ästhetik, an der Label-Chef Manfred Eicher beim Mix im französischen Studio La Buissonne mitwirkte: Da geht kein Ton, keine Nuance unter.

Lothar Brandt, Mint