12.09.2025 | Reviews of the week

Reviews of the week

More international media reactions to the new album And I heard a voice by Vox Clamantis with works of Arvo Pärt

 

What Pierre Boulez once dismissed as ‚holy minimalism‘ proves irresistibly hypnotic […] Just listen. You will not forget this sound for a very long time.

Norman Lebrecht, The Critic

 

Si les ‘Sieben Magnificat-Antiphonen’ de 1988, parcourues en apesanteur avec vocalité ouatée et réverbérée, approchent l’idéal de la prière extatique recherché par le musicien très croyant, la pièce écrite pour l’inauguration, en 2021, de l’église orthodoxe grecque construite sur le site de Ground Zero (‘O Holy Father Nicolas’) révèle un appréciable renouvellement dans la manière de tintinnabuler. Comme pour Veljo Tormis (1930-2017), son premier maître, c’est le chœur, dont l’Estonie constitue un eldorado, qui prime.

Pierre Gervasoni, Le Monde

 

Un équilibre exemplaire, mêlant la précision de l’image sonore et la variété du coloris. Vox Clamantis s’y révèle toujours fort convaincant, notamment par la beauté de ses grisés.

Benôit Fauchet, Diapason

The upcoming album Tramonto by the John Taylor Trio is welcomed in US and Swiss media

 

Taylor was a world-class jazz pianist who balanced elegant, graceful phrasing with densely concentrated note clusters in his improvisations. His inventive lines consistently opened new directions, creating opportunities for Johnson and Baron to show their individualalities. The trio’s interplay pulses with free-flowing vitality as they navigate between lyrical passages and intricate explorations, displaying remarkable collective imagination throughout this concert.

Neil Duggan, All About Jazz

 

Nun wird dem britischen Pianisten John Taylor (1942–2015) keiner vorwerfen, er sei ein Epigone des grossen Bill Evans gewesen. Anders als viele in dessen langem Schatten ist Taylor zwar seinerseits ein Meister der lyrisch ambivalenten Zwischentöne, der impressionistischen Reflexe. Allein, neben der Dimension der Einfühlung ist ihm eine der Insistenz wichtig, der starken Akzente und fliegenden Läufe. Eine Architektur der Kontraste. Die zeichnet vor allem ein Konzert aus, das im Januar 2002 in Birmingham aufgenommen wurde, mit Joey Baron am Schlagzeug und Marc Johnson, dem Bassisten von Bill Evans’ letztem Trio. Der Auftritt dieses Trios, einer der Höhepunkte von Taylors Kammerkunst (inclusive der fünf Alben mit dem Trio Azimuth mit Norma Winstone und Kenny Wheeler), ja, der Kunst des Pianotrios überhaupt, nahm eine Studioaufnahme drei Monate später vorweg (‘Rosslyn’). Die Subtilität des Interplays, der Nerv der Musik in balladesken Traumstücken (Taylors ‘Between Moons’, Ralph Towners ‘Tramonto’) und den wirbelnd tänzerischen (‘Up Too Late’ von Steve Swallow) machen diese Live-Aufnahme zehn Jahre nach Taylors Tod zu einem posthumen Ereignis.

Peter Rüedi, Weltwoche

A French reaction to the new limited vinyl box set At The Deer Head Inn – Complete Recordings by Keith Jarrett with Gary Peacock and Paul Motian

 

Une manière  de retrouver le pianist dans ambiance d’un club cosy, loin de l’atmosphère stricte de certains recitals, encadré  d’un Gay Peacock tout en simplicité et d’un Paul Motian plein de swing, enquillant avec genie une collection de standards triés sur le volet.

P.B., Rolling Stone (French Edition)

The album El Viejo Caminante by Dino Saluzzi with Jacob Young and José Maria Saluzzi enchants reviewers in the US, France and Germany

 

In some way , the sublime new album by venerable bandoneon player Dino Saluzzi, ‘El Viejo Caminante’, is a family affair on two accounts. In the unique format of the leader joined by classical and steel-string guitar, Saluzzi continues his direct family link with his son, guitarist José Maria (on classical guitar). By inducting Norwegian guitarist Jacob Young (steelstring acoustic and occasional electric guitar) into the project, Saluzzi taps into his strong and ongoing link with the ECM Records ‘family,’ a discographic lineage going back more than four decades. […] Saluzzi’s trademarked organic melodicism and sense of space and grace are fully in check, effectively complemented by the accomplished, ever-sensitive guitarists.

Josef Woodard, Downbeat

 

Iconoclaste autodidacte aujourd’hui âgé de 90 ans, le bandonéoniste revient avec ‘El Viejo Caminante’ pour s’aventurer sur des sentiers battus qui le feront ‘grandir tant sur le plan humain que musical’. Via ce répertoire composé d’inédits et de standards, de tango oblique et de musique folklorique argentine, d’échos aux confins du jazz et du contemporain, se dessine à grands traits l’autoportrait de ce musicien qui aura sans cesse préféré les sentiments partagés aux histoires de style. Ici comme toujours avec lui, qui envisage la musique comme un art de rencontres, dont tout le monde ferait bien de s’inspirer, à l’écouter.

Jacques Denis, Libération

 

In der spanischen Literatur ist der ‚Caminante‘ eine feste Größe, vor allem im Zusammenhang mit  einem bekannten Gedicht von Antonio Machado, in dem es um den ‚camino‘, den Lebensweg geht. Dino Saluzzis ‚camino‘ ist mit seinen 90 Jahren schon sehr lang. Er wurde in Südamerika als Bandoneon-Spieler und Vertreter des Tango Nuevo berühmt. Schon das Line Up des Trios ist bemerkenswert, denn zum Bandoneon gesellen sich akustische und elektrische Gitarre, jeweils vertreten von seinem Sohn José María Saluzzi und dem Norweger Jacob Young. […] Tango, argentinische Volksmusik und Jazz finden hier zusammen, besonders in den Stücken, die die drei Musiker selbst komponiert haben; Unterschiede sind kaum herauszuhören. Denn der Sound ist sehr ähnlich, das Bandoneon dominiert mit langen Soli, die Gitarren sind vor allem für den Rhythmus zuständig, steuern aber Klangfarben bei mit Ergänzungen, selten mit Soli. Zwei Standards sind zu hören. ‚Someday My Prince Will Come’ und ‚My One And Only Love‘ kennt man vielleicht von Miles Davis bzw. Coltrane, sind aber in dieser Interpretation nicht gleich zu erkennen. ‚Tiempos De Ausencias‘ hat Saluzzi schon 1988 mit Enrico Rava gespielt, ‚Y Amo A Su Hermano‘ mit Mariano und Dauner. Diese Musik ist nichts zum Nebenbei-Hören, denn sie hat eine Tiefe, die sich erst beim intensiven Zuhören erschließt. Sie strahlt Ruhe und Gelassenheit aus. Etwas Nostalgie spielt mit herein, vielleicht ein Rückblick auf ein langes Leben, eine Art Weisheit?

Heinz Schlinkert, NRW Jazznet

A German radio reviewer on the album A Dark Flaring by the Signum Quartett

 

Dass das Signum Quartett auf seiner neuen CD Werke südafrikanischer Komponisten eingespielt hat, war eigentlich nur eine Frage der Zeit. Denn der Bratscher Xandi van Dijk, der seit 2007 im Ensemble mitspielt, stammt aus Kapstadt. Zudem war das Quartett bereits mehrfach in Südafrika auf Konzerttournee. Die für das Projekt ausgewählten Komponisten spiegeln die verhältnismäßig junge Kunstmusikszene des Landes wider. Deren Werke entstanden in einer Zeitspanne von knapp 80 Jahren zwischen 1939 und 2018 und behandeln ganz unterschiedliche Themen. Beispielsweise greift Mokale Koapeng im 2002 komponierten Stück ‘Komeng’ einen traditionellen Gesang der Xhosa, einer südafrikanischen Volksgruppe, auf. Dieser Gesang wird bei der rituellen Aufnahme heranwachsender Knaben in die Männergesellschaft angestimmt. Das von der international bekannten Thembu-Sängerin Nofinishi Dywili überlieferte Stück bettet Koapeng in einen zart melancholischen Satz ein, der zu Beginn ein wenig an Minimal Music erinnert. […] In seinem Streichquartett setzt Fokkens sich mit der Unausweichlichkeit des Todes auseinander. Der Titel der CD ‘A dark flaring’, ‘ein dunkles Aufflackern’, stammt übrigens aus einem Gedicht, das der Komponist dem ersten Satz vorangestellt hat. Dieses Aufflackern bildet im dritten Satz mit einer Art musikalischem Aufschrei einen dramatisch beklemmenden Höhepunkt. […] Wie Fokkens beschäftigt sich auch der jüngste der auf der CD vertretenen Komponisten, der 1983 in Kapstadt geborene Matthijs van Dijk, mit der Endlichkeit des Lebens. Er ist der Bruder von Xandi van Dijk, dem Bratscher des Signum Quartetts. Deren Vater Péter Louis van Dijk ist ebenfalls mit einer Komposition auf der CD vertreten. Im 2018 entstandenen Stück ‘(rage) rage against the’ verarbeitet Matthijs van Dijk den Tod seiner kurz nach der Jahrtausendwende verstorbenen Mutter. Anders als bei Fokkens gerät diese Auseinandersetzung wesentlich spannungsgeladener und, wie es bereits im Titel anklingt, mitunter auch zorniger und aggressiver. Der Titel selbst ist eine Anspielung auf die US-Amerikanische Rockband Rage against the Machine. Entsprechend verarbeitet van Dijk Elemente von Rock und Metal Musik in dem Stück. Den Cellopart gestaltet er mitunter so, als wäre der als E-Gitarrenstimme für Jimi Hendrix oder für Led Zeppelin bestimmt. Ob wild aggressiv oder nachdenklich melancholisch: Das Signum Quartett ist spiel- und ausdruckstechnisch immer Herr der Lage. Die dramatischen Passagen werden mit Verve, aber nicht mit zu viel Druck angegangen, die leisen Partien sind oft sehr zart, geradezu zerbrechlich gestaltet. Mit ihrem absolut profunden Spiel mit glasklarer Artikulation und durchdachter Interpretation macht das Signum Quartett diese kaum bekannte südafrikanische Musik zu einem erstklassigen Hörerlebnis.

Klaus Gehrke, Deutschlandfunk

The album The Surrounding Green by the Fred Hersch Trio is acclaimed in the US and Italy

 

A big part of what makes the album essential lies with the old-hands rhythm section of bassist Drew Gress and drummer Joey Baron. The telepathic connection between the trio members is most obvious and impressive in Charlie Haden/Abbey Lincoln’s ‘First Song’. […] Recorded in the Auditorio Stelio Molo in Lugano, it goes without saying that this Manfred Eicher-produced session is yet another example of matchless sound. […] The strikingly beautiful title track is at the heart of the collection. Sweeping and melodic, it has an enchanting figure at its heart that Hersch eventually works his way back to several times. In between, he improvises, adding to the story of one of his finest original compositions.

Robert Baird, Stereophile (Five stars)

 

La sua musica è qualcosa che confina, sul filo del rasoio, con la poesia. Di una dolcezza costruita sullo svanire continuo di estasianti momenti di intuizione e sull’umiltà nell’accettare l’intenso, acre sapore della realtà. Un rivelare l’anima volando con le ali di chi si aggrappa ai ricordi, agli affetti, all’emozione per elevarsi novello Icaro grazie alla propulsione di un’immaginazione alimentata dall’aver guardato in faccia la morte con abbastanza rispetto da comprenderla. (…) Si sente quanto è successo in quasi quarant’anni, quanto il jazz herschiano abbia avuto un’evoluzione importante che ha distillato sempre più la mentalità musicale mediata da una formazione classica, che ha accompagnato progressivamente la padronanza tecnica dello strumento verso una ricerca descrittiva di un’interiorità complessa, che utilizza il susseguirsi delle frasi sonore come mezzo di una logica improvvisativa inappuntabile, le cui parole-chiave si chiamano ordine ed eleganza, e di una distensione melodica che distilla puro lirismo.

Raffaello Carabini, Spettakolo

More acclaim from UK and German media for Keith Jarrett’s solo recording New Vienna

 

Keith Jarrett celebrated his 80th birthday in May and ECM released the fourth concert from his final European tour to mark the occasion. Jarrett may ot be well enough to play anymore but we can continue to enjoy what is arguably the apotheosis of his work in another extremely high quality recording from the German label […] the performance must have been an emotional rollercoaster because the recording is highly impactful in this respect. It reveals how well he could move from one state to another with apparent ease, something that few other musicians can do with such depth of feeling. […] ‘New Vienna’ ends with ‘Somewhere Over the Rainbow’, a standard that he plays with such tenderness and soul that it brings a tear to the eye of even the most hard hearted critic. That such a brilliant improviser is so enamoured of this apparently simple tune is not easy to understand but  he brings an emotional depth to it that few can match.

Jason Kennedy, Hifi Magazine (Five stars)

 

Man glaubt diesen Jarrett in- und auswendig zu kennen, sein anfängliches Suchen nach Noten, sein Grummeln in den Tiefen, seine Tour de Force in den Höhen, aus denen allmählich Strukturen entstehen. Und dann überrascht er auf ‘New Vienna’, aufgenommen im Goldenen Saal  des Wiener Musikvereins, zu Beginn mit einem eruptiven Klangwirbel, ungestüm und wild wie ein Vulkanausbruch. Oder lässt Akkorde durch die Luft schweben und fasziniert mit zwei völlig unabhängig voneinander agierenden Händen. […] Tatsächlich ist jedes neue Album von Keith Jarrett immer noch ein Hörabenteuer allererster Güte. Auch dieses.

Reinhard Köchl, Jazzthing