13.02.2026 | Reviews of the week

Reviews of the week

The album Dream Archives by Craig Taborn, Tomeka Reid and Ches Smith gets more acclaim from the Netherlands, Germany and Italy

 

Het samenspel is zo knap, de improvisaties van het trio zijn zo rijk en het spel van Taborn zo ingehouden en tegelijk uitdagend, dat je na beluistering van ‘Dream Archives’ vooral hoopt op een herkansing. In de vier eigen stukken van Taborn ontluiken in de atonale improvisaties soms de mooiste melodielijnen van Reid. Fraai is de combinatie van de vibrafoon en piano in ‘Enchant’, maar het mooist is misschien wel de meeslepende versie van Geri Allens ‘When Kabuya Dances’, het melodische hart van dit album.

(The interplay is so skillful, the trio’s improvisations are so rich, and Taborn’s playing so restrained yet at the same time challenging, that after listening to ‘Dream Archives’ you mainly hope for another chance to see them. In Taborn’s four original pieces, the most beautiful melodic lines by Reid sometimes emerge within the atonal improvisations. The combination of vibraphone and piano in ‘Enchant’ is lovely, but perhaps the most beautiful moment is the compelling version of Geri Allen’s ‘When Kabuya Dances’, the melodic heart of the album.)

Gijsbert Kramer, De Volkskrant

 

Taborn präsentiert darauf ein Trio, das erste seiner Laufbahn übrigens. Mit der Cellistin Tomeka Reid und mit Ches Smith, der neben dem Drumset noch Vibraphone, Perkussion und Electronics bedient, ist es allerdings ungewöhnlich flexibel aufgestellt. Von einem Moment zum nächsten wechseln Taborn, Reid und Smith von traditionellem Triojazz zu zeitgenössischer Kammermusik oder Electronics und das alles häufig innerhalb eines Stückes. […] Dass die drei auch wie ein klassisches Pianotrio klingen können, beweisen sie in Geri Allens Komposition ‘When Kabuya Dances’ […] auf ihrem gemeinsamen Album ‘Dream Archives’, das bei ECM erschienen ist und Menschen mit Appetit auf klangliche Entdeckungen wärmstens empfohlen sei.

Jürgen Schwab, Hessischer Rundfunk

 

La sua musicalità ipnotica e la sua attenzione ai dettagli maniacale sorreggono uno straordinario senso della narrazione e una ricerca improvvisativa lacerante e drammatica (…) ‘Dream Archives’ è un album che piace immediatamente, pur nella sua complessità e nel suo incrociarsi di equilibri che improvvisamente si fanno instabili e pronti a crearne di nuovi, nel suo intreccio di elementi e di richiami, che vanno dalla composizione pura contemporanea al jazz centellinato delle avanguardie, dalla distensione emotiva jarrettiana alla microanalisi concettuale, dai groove quasi danzanti alla libertà impossibile dell’inquietudine.

Raffaele Carabini, Spettakolo

A US reaction to the album While I Was Away by the Julia Hülsmann Octet

 

Given the ensemble, Hülsmann gathered an eclectic collection of songs. She set poems by Margaret Atwood, e.e. cummings, and Emily Dickinson to music, and composed songs for the singers’ lyrics. The album skillfully weaves together classically tinged art pop with chamber and cabaret music and post-bop. […] ‘While I Was Away’ is, by any measure, an achievement. Hülsmann’s command of the group and its ranging musical idioms is not only masterful, it’s tender, brave, and uncompromisingly creative.

Thom Jurek, All Music

The duo recording Memories of Home by John Scofield and Dave Holland thrills an Italian reviewer

 

Due giganti in stato di grazia, due musicisti fantastici, perfetti nell’intendersi e nell’empatia tra loro, un ‘duo delle meraviglie’, una macchina perfetta, che vola come un hovercraft in assoluta scioltezza e libertà.

Raffaele Carabini, Spettakolo

The album Libro Primo by Rolf Lislevand is reviewed in a Swiss magazine

 

Zentrale Figur und Pionier für dieses Repertoire ist Johann Kapsberger. Seine extrovertierte ‘Toccata terza’ präsentiert Rolf Lislevand in fein geschwungener Melodik, bei der ‘Toccata sesta’ leitet er schnelle Arpeggien zu einem Amoroso-Cantus, die ‘Toccata quinta’ gestaltet er in anmutigen Akkordmustern und die extravangte ‘Toccata seconda’ wirkt meditativ […] Die verblüffende Modernitat der nuove musiche zeigt sich insbesondere im eleganten Swing mit markantem Bass der ‘Corrente’ von Gioanoncelli, im ‘Rockgroove’ der ‘Recercada sesta’ von Ortiz und der komplexen ‘Passaclaglia al modo mio’ von Lislevand selbst. In prima Solo-Interpretationen stellt er in repräsentativem Repertoire die Gunst erster Inspiration dar, um retrospektiv nach musikalischen Zukunftsperspektiven zu spähen.

Hans-Dieter Grünefeld, Musik & Theater

A German reaction to the bass solo album Convergence by Björn Meyer

 

Zuletzt gehörte Björn Meyer, neben etlichen anderen Projekten, dem Quartett der deutschen Sängerin Simin Tander an. Tander bringt mit ihrer weltoffenen Kunst die Dämmerzonen des Lebens zum Strahlen, sie lässt das Fröhliche melancholisch klingen und nimmt mit dem Traurigen die Furcht. Meyer verpackt all diese Einflüsse geschickt neu, nutzt sie als Fundament, als Basis für sein Album ‘Convergence’. Als Bassist, der auch Melodien kreiert, dessen Monologe spieltechnische Ideen und mentale Befindlichkeiten gegenüberstellen; als ein Magier des Sounds und Meister rhythmischer Unwägbarkeiten. Ein Bassist, der ebenso kontrastreich, wie auch differenziert spielt. Dabei löst er eine manifeste Körperlichkeit des Instruments auf, lässt dessen Töne federleicht aufsteigen, selbst dann, wenn er waghalsig improvisiert. Oder wenn er mit Magneten und Metallstäben einen ‘präparierten’ Bass spielt. Björn Meyer ist am Instrument ein Forscher und ein Tüftler, immer auf der Suche nach Klangverstrebungen und kontrastreichen Sounds. Letztendlich ein ebenso freier wie disziplinierter Finder.

Jörg Konrad, Kultkomplott

UK and German reviewers on the re-issue of Gary Peacock and Ralph Towner’s duo recording Oracle within the Luminessence series

 

For this debut album Peacock wrote six of the nine tracks to two of Towner’s, with each of them given a co-credit for the title track. It’s worth noting the credits because Peacock’s tunes are distinct and memorable compositions in their own right rather than purely skeletal structures for improvisation. His playing is equally distinctive, with a sonorous, woodily articulate tone. He excels equally on the slower, more obviously emotionally expressive numbers, as well as those lightning-quick darts over the neck of the instrument that come close to conventional walking basslines, a feature of the up-tempo tunes. […] Of course, as both players are past-masters of space and silence, they manage to improvise around each other, and around the governing theme, without ever seeming to get in the way. This must also be due to a mutual musical generosity. As on the later ‘A Closer View’, Towner plays 12-string guitar for one or two tracks, which slightly shifts the overall balance in his favour, although I prefer the results with him on classical guitar. It might be both banal and bathetic to end by saying that, for both Towner and Gary Peacock, who died in 2020 aged 85 (the same age as Towner), we shall not see their like again, but it’s true all the same.

Phil Johnson, UK Jazz News

 

Auf ‘Oracle’, 1993 aufgenommen und 1994 erstmals veröffentlicht, treffen diese ästhetischen Prinzipien auf das hochentwickelte Formbewusstsein des Kontrabassisten Gary Peacock, dessen Tod auch schon länger als fünf Jahre zurückliegt. Das Repertoire auf diesem Album setzt sich aus Kompositionen beider Musiker zusammen, die als offene Strukturen angelegt sind und reichlich Raum lassen für improvisatorische Erweiterungen. Die Musik entfaltet sich in klar konturierten, zugleich beweglichen Formen, in denen motivische Arbeit, harmonische Schichtung und rhythmische Verschiebungen eine bemerkenswerte innere Logik entwickeln. Das Resultat ist eine kammermusikalische Klangarchitektur von großer Konzentration und Eleganz. […] Die von Manfred Eicher verantwortete Produktion trägt entscheidend zur Wirkung des Albums bei. Das transparente, warme Klangbild betont die spezifischen Resonanzen der verwendeten Saiteninstrumente und rückt deren klangliche Eigenheiten in den Mittelpunkt. Die aktuelle Erstveröffentlichung auf Vinyl im Rahmen der ECM-Luminessence-Reihe unterstreicht den zeitlosen Charakter von ‘Oracle’: Die hochwertige Gatefold-Ausgabe mit Fotografien aus der Aufnahmesession verleiht dem Album zusätzlichen dokumentarischen Wert. In dieser Form bestätigt sich ‘Oracle’ als herausragendes Beispiel dialogischer Jazzästhetik und als bedeutendes Kapitel im Werk zweier zentraler Figuren der ECM-Geschichte.

Sebastian Meißner, Sounds and Books

 

Umwerfend. Ich hörte es zuletzt jeden Tag einmal vom ersten bis zum letzten Ton, und es packte mich wie damals in den 1970er Jahren (‘when I was younger, so much younger than today’). Der Sound: schlicht überragend. Und auf ‘Oracle’ erfährt man etwas darüber, wie virtuoses Handhaben von Bass und Gitarre keine Sekunde lang in die Falle des Perfektionsmus tappt. Wie zwei Musiker es nie verlernt haben, in ihren Klängen jenen „Geist des Anfängers“ zu praktizieren, der sich dadurch auszeichnet, dass man eben nicht alles zu wissen meint. Und die eigenen Fragen, Ahnungen wie Anmutungen, in jede erdenkliche Tiefe transportiert. Ekstase braucht halt nicht unbedingt, in solchem Einssein von Konzentration und Losgelöstheit, Geschrei und Wildheit. Das Cover selbst, mit den verschwommenen Umrissen der Körper und Instrumente, ein gelungenes Pendant zum ‘Ungreifbaren’ der Klänge selbst!

Michael Engelbrecht, Flowworker.org

A UK reaction to the vinyl re-issue of  Changing Places by the Tord Gustavsen Trio within the Luminessence series

 

‚Changing Places‘, released by ECM in 2003, was Gustavsen’s first album as leader, and became an instant classic. […] now reissued on vinyl for the first time, in ECM’s gatefold Luminessence series. It features a programme of Gustavsen’s delicate, intense original compositions. The album opens with ‚Deep As Love‘, a gorgeous, haunting ballad – one of the highlights of the album. ‚At A Glance‘ is a plangent mid-tempo composition, while ‚Song Of Yearning‘ wears its heart on its sleeve. ‚Graceful Touch‘ is reprised with a variation towards the end of the album, and the album concludes with a solo piano version of ‚Song Of Yearning‘. The playing is very distilled – Gustavsen doesn’t waste any notes. There is an elegiac beauty about proceedings that make the album totally compelling.

Andy Hamilton, Jazz Journal