04.09.2026 | Reviews of the week

Reviews of the week

The trio album Windflower by Ayumi Tanaka, Thomas Morgan and Thomas Strønen fascinates reviewers in the US, the UK and Germany

 

The album opens ominously with the title song, distant drums depicting a storm threatening the fragile beauty of a windflower clinging to tundra. In ‘La Source’, Thomas Strønen’s trip-on-the-carpet rhythms mix with Morgan’s rich bass and Tanaka’s languid phrases. ‘From Us, To You’ shuffles, stops, and starts like someone trying to say something important but too nervous to come to the point. ‘Tree Of Stars’ is serene and meditative, evoking the Tanabata, (Japanese Star Festival) in which wishes are written on paper (tanzaku) and hung in trees. In ‘Weaving,’ Morgan’s bass and Tanaka’s piano play a short musical figure and take it in different directions. In ‘The Sea Is Still,’ Tanaka’s piano conjures bubbling water against a flowing stream, portrayed by Strønen’s brushes. ‘Driftwood’ features Morgan’s lyrical tones amidst a chattering piano. ‘Windflower’ closes with ‘The Dissolving Sun,’ a soundtrack to sunset, a shuffling hi-hat fading into darkness.

Frank Housh, Mediaroom Substack

 

One of the most enjoyable and stimulating piano trio albums from ECM that I’ve heard in quite some time. Don’t miss it!

Michael Tucker, Jazz Journal

 

Gerne lustwandeln wir durch die gepflegte Gartenanlage, in die uns die Pianistin Ayumi Tanaka, der Kontrabassist Thomas Morgan und der Schlagzeuger Thomas Strønen an einem hellen, nicht zu heißen Sonnentag einladen. Wir haben Zeit, und so verweilen wir mit dem Trio bei dem ‘Windflower’-Beet, auf dem sich die Blüten der langstieligen Anemonen im Klang von Filzschlegeln, zarten Klaviertönen und sanften Tönen des Kontrabasses wiegen […] So schön der Spaziergang auch war und so sensibel die drei ihre Klangerzählungen gestaltet haben: Alles neigt sich dem Ende zu. Das legt schon ‘The Dissolving Sun’, also die nach anfänglichem Flackern langsam untergehende Sonne, nahe. Danke für dieses von aller Hektik freie, innere Ruhe vermittelnde Erlebnis.

Werner Stiefele, Rondo

 

Ayumi Tanaka versucht als Pianistin von der Natur zu lernen, mit einer Gelassenheit und Geduld, wie sie nur sehr wenige Künstler in der Lage sind aufzubringen. Sie beeindruckt in ihrem Spiel durch eine ständige Suche nach Natürlichkeit, auf der Grundlage stiller Hingabe und einem unnachahmlichen Gespür für Räumlichkeit. Ihr Spiel besitzt eine farbige Flüchtigkeit, die Gedeihen und Vergängnis in sich vereint. Ihre Musik klingt wie eine Landkarte mit imaginären Wegen. Diese verschmelzen manchmal zu abstrakten Mustern, zu empirischen organischen Formen, deren akustische Zerbrechlichkeit vergessenen Träumen nahe kommen. […] Alle Nummern ihres Albums sind Gruppenimprovisationen, bis auf ‘La Source’, eine Komposition von Ayumi Tanaka. Doch man könnte auch glauben die anderen Stücke wären geschrieben, so perfekt und gleichberechtigt, so eigenständig fragil und erdig verspielt agiert das Trio. Musik, die leise aber beständig wächst, nicht zuletzt dank ihrer Kontemplation und Reduktion.

Jörg Konrad, Kultkomplott

 

Hier haben sich drei zusammengefunden zur gemeinsamen Erfindung einer Musik von äußerst fragiler Textur. In diesen Aufnahmen der japanischen Pianistin aus Norwegen, dem amerikanischen Bassisten und dem norwegischen Schlagzeuger gibt es trotz hoher Differenziertheit keinerlei übermalende Farbigkeit und schon gar nicht idiomatische Anklänge an was auch immer. Es gibt keinen Groove, nur einen freien Rhythmus von etwas wie Ankommen und Verschwinden, von Werden und Vergehen. Dazwischen entstehen feine Gewebe, die ganz und gar transparent und daher geradezu unergründlich bleiben und die immer von der Frage begleitet werden, wie das Ganze eigentlich zusammenhält. […] Von den neun Stücken des Albums sind acht frei improvisiert, nur einem Stück, ‘La Source’, liegt eine Komposition von Ayumi Tanaka zugrunde, ohne dass das einen Unterschied markieren würde. Auch hier wirkt der radikale Verzicht auf jegliche Selbstverständlichkeit und konventionelle Zeichenhaftigkeit als strukturierende Kraft.

Hans-Jürgen Linke, Jazzthetik

 

Ein großer Teil der Musik entsteht kollektiv im Augenblick des Spielens. Es scheint, als wolle niemand einen vorgegebenen Weg durchsetzen; die Richtung ergibt sich aus dem aufmerksamen Reagieren aufeinander. Ayumi Tanakas Klavierspiel lebt dabei von äußerster Konzentration. Wenige Töne genügen, um einen Gedanken anzudeuten, den Thomas Morgan am Kontrabass aufnimmt, weiterführt oder bewusst unbeantwortet lässt. Thomas Strønen behandelt das Schlagzeug wiederum weniger als rhythmischen Motor, sondern vielmehr als Quelle von Impulsen, Farben und feinsten Bewegungen. Jeder Klang scheint zunächst daraufhin geprüft zu werden, ob er tatsächlich notwendig ist. Aus dieser Ökonomie entsteht eine erstaunliche Intensität. […] ‘Windflower’ besitzt neben seiner emotionalen auch eine ausgeprägte intellektuelle Dimension. Die Improvisationen wirken wie ein gemeinsames Nachdenken, bei dem Empfindung und Reflexion nicht voneinander zu trennen sind. Eine musikalische Idee löst die nächste aus, ein emotionaler Impuls erhält durch die Reaktion der anderen eine neue Bedeutung. So entsteht ein fortlaufender Prozess, der ebenso sehr geistige wie musikalische Entwicklung ist. Das erfordert die Aufmerksamkeit der Musiker ebenso wie die der Hörer. Wer sich darauf einlässt, entdeckt eine Musik von außergewöhnlicher Schönheit und Sensibilität.

Jacek Brun, Jazz-Fun.de

The new recording of works by Prokofiev, Schnittke and Pärt with the Duo Gazzana thrills a US reviewer

 

The image of the artist as dissident is understandably alluring. When done right, too, the concept can lead to revealing programming. That’s just what Duo Gazzana manages in their latest recording for ECM New Series, which pairs music by Sergei Prokofiev with shorter but hardly insubstantial filler by Arvo Pärt and Alfred Schnittke. Prokofiev’s Violin Sonata No. 1 dates from one of the darkest eras of Soviet history. Begun in 1938 it wasn’t completed until ’46, after which the work netted its composer a Stalin Prize. […] Prokofiev described the slithery violin scales in the outer movements as depicting wind whistling through a graveyard and the Allegro brusco’s attacks are almost unrelentingly crunchy. The Duo—comprised of sisters Natascia (violin) and Raffaella (piano) Gazzana—takes a decidedly vigorous approach to the last, which has the effect of emphasizing the fleeting sense of refuge that section’s shorter, lyrical turns possess. Similarly, their navigation of the finale’s exuberant opening culminates later on in a wild breakdown of the music’s interrelated themes and motives. Their interpretation is likewise well attuned to the sonata’s shifting levels of intensity. The Andante assai’s quiet textures (including, but not limited to, those ghostly violin runs) are absorbing, while the finale’s coda unfolds with haunting, prayerful focus. In the midst of the score’s tumult comes a reading of the luminous Andante that is as delicate, tender, and vulnerable as the second movement is iron-clad. The cumulative result is aptly striking: this may not be music of overt protest, but the Duo’s performance limns a world of emotional and expressive complexity that mere slogans don’t often capture. Theirs is a thoughtful, intelligent take on a piece that amply rewards such an approach—and an unsettling reminder that the line between beauty and horror, excitement and terror, wit and violence is closer than we might think. Prokofiev’s ‘Five Melodies deliver somewhat more of the same, at least in terms of sweeping lyricism holding its own against countervailing musical forces. […] Still, the Melodies aren’t exactly a model of musical resistance (among other things, Prokofiev composed them while on a tour in California). Pärt’s ‘Spiegel im Spiegel’, on the other hand, comes closer to fitting that bill. […] One of Pärt’s most performed works, it’s not hard to understand its appeal from the Duo’s reading, which is pure and pristine.

Jonathan Blumhofer, Arts Fuse

The album A Sun That Never Sets by Ralph Alessi impresses critics in the UK and Germany

 

While his quintet features well known and respected players such as drummer Ches Smith, bassist John Hebert and pianist Matt Mitchell, the wildcard is Alessi’s brother Joseph. The double brass frontline is a vividly expressive element of the group and Ralph’s sound, which has always been beautifully round and rich, is well matched by Joe’s sensual authority. […] Although his profile might be relatively low, Alessi has been creating an excellent body of work for over three decades and this latest, thoughtful, adventurous release, is a welcome addition to it.

Kevin Le Gendre, Jazzwise (‘Editor’s Choice’)

 

Über elf Stationen hinweg nimmt die Musik Fahrt auf, steigert das Niveau der Intensität, spielt mit Motiven, verwirft sie wieder. Der New Yorker Trompeter Ralph Alessi und sein Quintett entwickeln einen kompakten, modern improvisierenden Klangraum, der in Melodien ankert, sie aber immer wieder infrage stellt, neu verknüpft und im Zerfallen wieder auffängt. […] Die Trompete von Ralph und die Posaune seines Bruders Joseph Alessi sind in ständig sich verschränkendem Kontakt. Da die Sounds der Instrumente aber immer klar und akustisch geschmeidig bleiben, wird ‘A Sun That Never Sets’ insgesamt eben ein Ganzes, nicht nur eine Summe expressiver Einzelteile.

Ralf Dombrowski, Jazzthing

 

Die Übergänge zwischen Rubato und Rhythmus sind oft fließend, die Balladen können aber auch zu abstrakten Klangbildern geraten. Kurzum: Jedes der elf Originalstücke klingt  einfach originär in Komposition und Ablauf. Mit Matt Mitchell (p), John Hébert (b) und Ches Smith (dr) stehen ihm drei hoch innovative Könner zur Seite. Mitchells Sperrigkeit, Héberts Basslinien und Smiths kristallines Vibrafon scheinen geradewegs Alessis Ästhetik zu spiegeln.

Hans-Jürgen Schaal, Jazzthetik

The re-issue of Mick Goodrick’s album In Pas(s)ing within the Luminessence vinyl series impresses reviewers in France and Germany

 

Un sentiment de sérénité, voire de douceur, émane d’ ‘In Pas(s)ing’, à travers la sonorité délicate et ronde et les soli méticuleusement architecturés de Goodrick, don’t le jeu s’accorde idéalement à celui de John Surman, qui ne s’attarde jamais sur les rives du spectaculaire, préférant se baigner dans des eaux calmes, bercées par le clapotis de l’inspiration mélodique. Et quand on sait qu’ Eddie Gomez et Jack DeJohnette glissent à leurs côtés par savantes vagues rhythmiques, on ne peut que prendre du plaisir à (ré) écouter ce disque qui n’a pas pris une ride.

Julien Ferté, Jazz Magazine

 

Hier traf eine fantastisch aufmerksame und direkte Rhythmusgruppe auf einen inspirierten Saxofonisten und einen forschenden Musiker, der seine eigene Stimme suchte – und fand. Die Qualität der Improvisationen liegt hier besonders in der Langsamkeit der Entwicklungen und der Tiefe der Einfühlung.

Joachim Weis, Jazzthetik

 

German music magazines on the album Winter Songs by Steve Swallow

 

Der Vergleich mit einem Erzählungsband bietet sich an, mit einer Sammlung von Kurzgeschichten, die Swallow, Cheek und Rodriguez gemeinsam mit dem Pianisten Gil Goldstein und dem Schlagzeuger Adam Nussbaum in eine Form bringen. Sie wirken  unaufgeregt modern, in der Balance zwischen Improvisation und dem Willen zur inhaltlichen motivischen Verknüpfung. Die Songs fließen im Team, sie werden aber zuverlässig umarmt von Swallows gitarristischen Bassgirlanden, die seinen Sound und Stil unverwechselbar gemacht haben.

Ralf Dombrowski, Jazzthing

 

Die Grupe agiert in Sound und Spielhaltung wie wie eine makellos homogene, stilbewusste Einheit. Allgegenwärtig ist die Persönlichkeit des freundlichen, klugen, bescheidenen, humorvollen Leaders. Kompositorische Intelligenz geht Hand in Hand mit einem unaufgeregten, ebenmäßig entspannten Gestus. Die fein gesetzten Stücke – darunter ein Duo (p/B) und ein Trio (p/g/b) – kommen ohne große emotionale Ausschäge aus, vebreiten dafür eine warme, einnehmende Atmosphäre.

Arne Schumacher, Jazzthetik

The album Walden by Heiner Goebbels with the Ensemble Modern Orchestra and Bob Rutman is recommended in German music papers

 

Goebbels geht es nicht um Naturidylle, sondern er versteht sein Werk als Reflexion über die Bedingungen gegenwärtiger Existenz. Gleichzeitig ist ‘Walden’ eine Hommage an den amerikanischen Maler, Performer und Musiker Bob Rutman, der hier nicht nur den Part des Sprechers übernimmt, sondern auch auf selbstentwickelten Instrumenten wie dem Steel Cello zu hören ist. Ein grandioser orchestraler Kosmos, kongenial eingefangen von Goebbels’ ‘Haus-Band’, dem Ensemble Modern Orchestra unter Peter Eötvös.

Martin Demmler, Fono Forum

 

‘Walden’ (1998) war zunächst als eine Art Gegenentwurf zu den großstädtischen Bildern von ‘Surrogates Cities’ (1994) gedacht. Trotzdem wird man in Heiner Goebbels’ Zugriff auf Henry David Thoreaus einflussreicher Zivilisationskritik für ‘expanded orchestra’ keine kitischige Evokation einer Naturidylle finden. ‘Erweitert’ meint hier neben dem konventionellen sinfonischen Aparat ein multikulturelles Sammelsurium aus Sampler, Keyboards, E-Gitarren, Cymbalon, Didgeridoo, Koto, Harmonium, afrikanischen Percussionsinstrumenten sowie selbst Entworfenem von Bob Rutman (Steel-Celli und Bow-Chimes), Fred Frith (Table-Gitarren) und Hans Reichel (Daxophon). So üppig wie die Klangfarben-Palette ist auch die stilsitische Vielfalt dieses prinzipiell grenzenlosen Musik-Raumes. Versatzstücke aus Pop-Musik und Jazz werden ebenso verbaut wie Elemente außereuropäischer Musik und elektronische Grooves. […] Das Ensemble Modern Orchestra sprüht unter der Leitung von Peter Eötvös nur so vor Energie.

Dirk Wieschollek, Neue MusikZeitung

A German reaction to the re-issue of the album Balladyna by Tomasz Stánko within the Luminessence vinyl series

 

Natürlich werden die meisten Tracks von der Trompete von Stanko geführt, der immer im Wechselspiel mit der Rhythmusgruppe agiert. Sehr schön sind die von allen Musikern eingebrachten Soloeinlagen, die immer wieder von Stankos Trompete eingefangen und weiter getragen werden. Holland liefert mit seinem immer leicht swingenden Bass ein gutes Gerüst, auf dem das Album stehen kann. Und dann sind es die feinen Parts von Vesalas Schlagzeug, die einem langsam vom Hintergrund ins Ohr rutschen. Ein Album, so vielschichtig wie die beteiligten Musiker, von dichter Energie getragen, mit einem knackigen Sound. Sicherlich eines der wichtigsten Alben des Labels in den Siebzigerjahren.

Thomas Neumann, Hörerlebnis

The album Feebles, Fables & Ferns by Mick Goodrick and Fred Hersch is recommended in a German magazine

 

Auf dieser Platte findet sich all das, was zwischen zwei in Perfektion gereiften Jazzkünstlern denkbar ist. Da wäre der spielerische Umgang mit einer komplexen Komposition wie ‘Falling Grace’, das als Gesellenstück für jeden Jazzstudenten gelten kann und Steve Swallow in den Rang eines Jazzstandard-Komponisten hob. Dann die mit einer ausgetüftelt abstrahierenden Improvisation eingeleitete Version des ‘echten’ Standards ‘Out of Nowhere’. […] Kernstück der Duosession ist ‘Five Excursions’, eine freie Suite in mehreren Teilen, in denen die beiden mit allen ihnen verfügbaren Mitteln arbeiten: freies Spiel mit Frage und Antwort, kreativer Umgang mit dem Kontrapunkt, rhythmische Akkord-Kapriolen bis hin zu vierhändig impressionistischer Klangmalerei. Zum Abschluss zelebrieren die zwei Mal Waldrons wunderschönes ‘Soul Eyes’ als Hommage zweier Abstraktionskünstler an das Melodiöse im Jazz.

Jan Kobrzinowski, Jazzthetik

UK and German reactions to the vinyl re-issue of Bill Connors’ album Of Mist and Melting within the Luminessence series

 

This luminescence LP reissue is a welcome reminder of a comparatively early phase in both ECM’s catalogue and the playing of a guitarist revelling in discovering his own sound after his early 1970s time with Return To Forever.

Alyn Shipton, Jazzwise

 

Das erstmals 1978 erschienene Album ist offensichtlich ein Schwergewicht. Das harmonische Zusammenspiel der Musiker, Garbareks Saxofon über den langen Melodienlinien und die großartige Rhythmusgruppe sind die Bausteine für dieses rundherum gelungene Album. Nimmt man dann noch den runden, klaren Klang, kann man mit diesen audiophilen Aufnahmen eine angenehme Zeit verbringen.

Thomas Neumann, Hörerlebnis