11.09.2026 | Reviews of the week
The freshly released album Salt Catchers by the Andy Sheppard Trio is welcomed by media in the UK and Germany
This new recording was made in Lugano about a year and a half after Carla Bley’s death in October 2023, and much of album has the feel of an elegy about it, as if an affectionate memory of the great American pianist-composer is hanging in the air. That is understandable, because the highs they reached together as a group were remarkable. […] Salt Catchers has specific homages to Bley which are mentioned in the album booklet: the tune ‘Lawns’ is by the composer herself. […] The opening of that tune is a rare moment of prominence for the bass. Whereas the trio Sheppard had with Bley would involve the unique playing of Steve Swallow, for this trio, the bassist is Michel Benita, a frequent collaborator with Sheppard, whose playing is remarkable in its civilized understatement and restraint. He hardly steps to the fore at all, but the way he lays down slow time is like a masterclass every time.
Sebastian Scotney, Arts Desk
Auf seinem neuen Album ‘Salt Catchers’ erweist Sheppard der großen Pianistin und engen Freundin Carla Bley, die vor drei Jahren starb, seine Referenz mit ihrer wunderschönen Komposition ‘Lawns’. […] Von Bley und Steve Swallow inspiriert, gründete Andy Sheppard jetzt sein eigenes schlagzeugloses Trio. Seine mit beeindruckend sparsamer Eleganz gespielten Balladen nähern sich den Melodien mit großer Zärtlichkeit. Auch ‘Salt Catchers’ ist geprägt von den Älteren, den ‘Wise Ones’. Wie Carla Bley. Immer wieder taucht sie hier in Zitaten auf. Hervorschimmernd und melancholisch verträumt.
Maxi Broecking, Deutschlandfunk Kultur
The recording of Samuel Beckett’s Stirrings Still spoken by Paul Griffiths and with music by Travor Bača played by the Jack Quartet impresses a German reviewer
‘Stirrings Still’ vollendete Beckett als letzte Prosaarbeit 1987. Im darauffolgenden Jahr wurde der Text erstmals veröffentlicht. Er beinhaltet eine Art Monolog, in dessen Mittelpunkt sich der Übergang vom Leben in einen anschließenden Zustand befindet. Den Assoziationen des Autors sind kaum Grenzen gesetzt. Eine Befindlichkeit zwischen Realität und Poesie, zwischen klarer Erkenntnis und emotionaler Anteilnahme. In Fortführung literarisch-musikalischer Veröffentlichungen aus der Vergangenheit, wie Joseph Brodskys ‘Elegie an John Donne’ oder Pier Paolo Pasolini ‘Land der Arbeit’, hat Produzent und Labeleigner Manfred Eicher diesen letzten Text von Beckett als Anlass für eine neue Veröffentlichung in dieser Reihe genutzt. Der amerikanische Komponist Trevor Bača hat für diese Aufnahme eine achtzehnteilige Komposition geschaffen, die vom New Yorker JACK Quartet in Lugano eingespielt wurde. Sprecher ist der ECM-erprobte Paul Griffiths, dem es grandios gelingt, als Mittler zwischen Becketts an sich schon hochmusikalischer Wortkomposition und der Klanggestaltung des JACK Quartet zu fungieren. Griffiths akurate Sprachgestaltung bekommt hier einen musikalisch melancholischen Touch, eine beseelte Genauigkeit, die tief berührt und lange nachhallt.
Jörg Konrad, Kultkomplott
Reviewers in the UK, Germany and Switzerland recommend the trio album Windflower by Ayumi Tanaka, Thomas Morgan and Thomas Strønen
The startling interplay and empathy of the trio is apparent from the outset and is such that the pianist chose to record a set of improvisations that sound as if composed, and of the nine selections only ‘La Source’ is the only pre-composed piece on the album, which fittingly also sounds as it was improvised. A beautiful composition that drifts melodically and purposefully with Morgan’s sure-footed and supple bass lines in dialogue with Tanaka. With an approach that incorporates both jazz and chamber music, the trio remains true to the theme of the windflower and its fragility throughout but does so using broad brush strokes that allow for a surprisingly wide range of dynamic variation. […] Tanaka has a light and delicate touch at the keyboard that is immensely evocative. Ideas flow effortlessly from her fingers at once fully formed yet spontaneous in conception. Just listen carefully to ‘Driftwood’, another beautiful piece of music making that spells out clearly the remarkable empathy of the trio, once again making it difficult to comprehend how this music can be anything other than pre-composed; which of course it isn’t.
Nick Lea, Jazz Views
Wie musikalische Haikus wirken die neun Stücke, die die japanische Pianistin Ayumi Tanka, der US-amerikanische Bassist Thomas Morgan und der norwegische Schlagzeuger Thomas Strønen mit großer Sensibilität eingespielt haben. Man hört den Musikern förmlich an, wie sie bemüht sind, jedes Zuviel zu vermeiden, damit das fragile Gleichgewicht der kleinen Form, die sie hier zelebrieren, nicht zerbricht. Mit einer Ausnahme wurden alle Stücke spontan im Studio improvisiert, so aufmerksam aufeiander hörend, dass sie im Nachhinen wirken, als seien sie komponiert, also genau so gewollt. […] eine vom Jazz inspirierte Kammermusik für aufmerksam auf kleine Details achtende, lyrisch gestimmte Zuhörerinnen und Zuhörer.
Reinhold Unger, Münchner Merkur
Jetzt liegt die CD des Trios mit dem Bassisten Thomas Morgan und dem Drummer Thomas Strønen vor, und gewiss zeichnet sich auch dieses durch äusserste Sorgfalt und Empathie aus, aber eben auch durch eine Behutsamkeit, die sich mit wenigen Ausnahmen (etwa ‘From Us,To You’) jeden Nachdruck verbietet und die einzelne Note in der Weite ihrer bald tenebrosen, bald leuchtenden Klangräume einbindet und gleichsam zum Verschwinden bringt. […] Mit Strønen, dem mit viel Atem raumschaffenden, feinsinnigen Drummer, arbeitete Tanaka schon im Ensemble Time Is A Blind Guide und bei den Alben ‘Lucus’ und ‘Off Stillness’ zusammen. Und Morgan, dessen Bass als Fundament wie als agiler Dialogpartner Tanakas mit den Zauber dieses zartverwebten Trios ausmacht, ist schon fast eine ECM-Institution (als Partner von John Abercrombie, Masabumi Kikuchi, Jakob Bro, Bill Frisell u. a. – eine Spezialität des Hauses sind grosse Bassisten). Trotz an Impressionismus gemahnenden Titeln wie ‘Tree of Stars’, ‘The Sea is Still’, ‘Spring’, ‘Driftwood’ oder ‘The Dissolving Sun’ sind alle Stücke keineswegs programmmusikalisch illustrative Klangmalereien. Sie sind offene Vorgänge in hochsensibler Interaktion. Der Weg ist das Ziel.
Peter Rüedi, Weltwoche
Die Tontechnik brilliert dank exzellenter Auflösung und Plastizität nebst sensibler Feindynamik. Das passt zur musikalischen Haltung, die eher durch Fokussierung und Reduktion Eindringlichkeit erzeugt. Ayumi Tanaka spielt wieder mit dem norwegischen Drummer – und Partner –Thomas Strønen, mit dem sie auch langjährige Erfahrungen im Trio Bayou mit der Saxophonistin und Sängerin Marthe Lea sammeln konnte. Frisch dazu gesellt sich der amerikanische Kontrabassist Thomas Morgan. Zu Dritt spielten sie bereits im September 2024 im ‘Nasjonal Jazz Scene Victoria’ in Oslo – offensichtlich ein äußerst gelungenes Team-Debüt. […] Wir hören modernen Kammer-Jazz par excellence wenn man so will. Ein leiser filigraner Flow in acht Kapiteln, der hier und da die Klassik herein träufeln lässt. So lädt ‘Driftwood’ zum filigranen Hinhören ein – der Körper des Basses, das fein ziselierte Piano, ätherisch getupfte Percussion, der Raum dazwischen und drumherum – ein audiophiler Genuss!
Claus Dick, Lowbeats
The album A Sun That Never Sets by Ralph Alessi is recommended in a Swiss magazine
Die zehn komplexen Kompositionen des Bandleaders entpuppen sich als massgeschneidertes Spielfeld für diese hochkarätige Formation. Die Posaune fordert an mehreren Stellen die Trompete so, dass der Bandleader gar nicht in Versuchung kommt, es sich in der Komfortzone gemütlich zu machen. Und hinter der klanglichen Architektur des Bläserduos lauert ein Trio, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Strukturen permanent zu hinterfragen. […] Der Albumtitel suggeriert, dass die Sonne niemals untergehen wird, und in der Tat verkörpert die Platte ein faszinierendes Licht- und Schattenspiel wie man es von Alessi in den letzten Jahren selten so ausdrucksstark gehört hat.
Rudolf Amstutz, Jazz’n’More
A German reviewer on the re-issue of Mick Goodrick’s album In Pas(s)ing within the Luminessence vinyl series
Das 1978 in Oslo von Jan Erik Kongshaug aufgenommene Album zählt in seiner melodischen Schönheit und unprätentiösen Virtuosität zu den absoluten Meisterwerken des Chamber Jazz. Goodrick spielt extrem ensemble-dienlich, John Surman an diversen Saxofonen und Bassklarinette liefert eine Großleistung nach der anderen ab. Die Rhythm Section mit Eddie Gomez (b) und Ausnahmedrummer Jack DeJohnette ist ohnehin erhaben.
Lothar Brandt, Audio-Stereoplay (Klangtipp)
The album Walden by Heiner Goebbels with the Ensemble Modern Orchestra and Bob Rutman is recommended in a German hi-fi magazine
Collage und Zufallsprinzip hebt Goebbels in seinem Orchesterstück von 1998 faszinierend ineinander. Beats und Patterns rhythmisieren insistierende, insektenhafte oder ätherische Klangkonglomerate – ein Bewusstseinsstrom der ‘Walden’-Rezeption, gespiegelt in Romantik-Fetzen und Pop-Floskeln. Hingebungsvoll entfaltet das Ensemble Modern die soghafte Klang-Séance.
Martin Mezger, Audio+Stereoplay (Klangtipp)
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